Ein Scherzl, ein Scherzl, ein Hoch auf das Scherzl!

Bayerischer Leberkäse © Liz Collet

Bayerischer Leberkäse © Liz Collet

Gesund bleiben und lang leben will jedermann,
aber die wenigsten tun etwas dafür.
Wenn die Menschen nur halb soviel Sorgfalt
darauf verwenden würden, gesund zu bleiben
und verständig zu leben,
wie sie heute darauf verwenden,
um krank zu werden,
die Hälfte ihrer Krankheiten bliebe ihnen erspart.

Sebastian Kneipp

Das Scherzl ist das allerbeste Stück. Beim Brot. Beim Leberkäs. Beim Kalbskäs.
Völlig unverständlicherweise bei ganz vielen nicht. Die wissen einfach nicht, was gut ist. Weil sie nicht mehr kaufen, was gut ist. Und auch nicht, wo’s was Gutes gibt. Eigentlich sollte man es ihnen gar nicht verraten. Denn dann bleibt alles Gute und mehr davon ganz für uns, heisst’s bei uns. Eigentlich. Scherzhaft. Aber wir gönnen anderen ja auch was Gutes.

Selbst wenn die so unbegreiflicherweise nicht mehr wissen und wollen, was gut ist, bei Lebensmitteln. Und Geiz geiler finden.Während sie sich allerorten über schlechte Lebensmittel und böse Lebensmittelindustrie echauffieren.

Sie wollen Brotscheiben ohne Rand und Kruste. Nicht weil sie wie vielleicht ältere Menschen Generationen vor uns mangels selbstverständlicher zahnärztlicher und zahnprothetischer Versorgung auf weiche Nahrungsmittel lieber zugriffen. Sondern einfach so!

Naja, bei Toast wundert einen das nicht, wenn einem der Rand wenig schmecken mag. Aber schlechter als die Krume innerhalb des Toastbrotrandes ist er auch nicht.

Kruste und Rand wegschneiden aber bei gutem Bauernbrot vom Meisterbäcker???? Wer tut sowas?

Das sind wohl diejenigen, denen vorgeblich die im Scherzl vom Brot zur Mitte hin dickere Brotschicht zu „trocken“ sein soll. Nunja….siehe oben: Wer kein g’scheites Brot kauft, sondern aus Discounterkästen lauwarm plumpsende Pseudobäckerwecken bevorzugt, muss sich nicht so wirklich wundern, wenn er davon lieber nur sehr dünne Scheiben unter Wurst und Käse oder was auch immer „versteckt“. Und lieber nicht schmeckt, dass er Brot und was für ein Brot er im Goscherl kaut. Beim Brot heisst das Scherzl auch Ranftl oder Kanten. Und regional gibt’s noch einige andere nette Begriffe dafür.

Schon als kleines Kind war ich viel mit meinem Grosseltern im Pfaffenwinkel und drumherum unterwegs. Im bordeauxroten R4 meines Grosvaters machten wir nicht einfach nur Ausflüge in die Berge, in den Wald, zum Wandern, bei denen ich unschätzbar viel über und in der Natur lernte, ganz nebenbei beim Gehen und Wandern, Umschauen und Anschauen und staad sein. Um auch zu hören, was es zu hören neben dem, was es zu sehen gab. Mein Grossvater kaufte bei seinen Fahrten „über’s Land“ auch überall da die guten Sachen ein, die viel besser waren, als das, was ihm schon seinerzeit in Supermärkten nicht schmeckte. Er wusste, wo guter Käse gemacht wurde. Wo er die besten Kartoffeln bekam, die er zum Kochen auch seiner natürlich selbstgemachten Kartoffelknödl und anderer Kartoffelgerichte und andere auch zum Einkellern über den Winter wollte und brauchte. Wo das beste Kraut und anderes Gemüse. Welcher Landmetzger die besten geräucherten Schinken, Landjäger und Salami und gutes Fleisch hatte, wo gutes Brot gebacken wurde u.v.a.m.

So manches Mal sass ich neben ihm im Auto und auf dem Rücksitz lag neben dem Einkaufskorb mit allerlei Schmankerl ein 2 oder 3 kg grosser Laib Brot mit röscher Kruste, noch heiss aus der Bäckerei und nur offen auf dem grauen dünnen Bäckerpapier liegend, das seinen Duft im ganzen kleinen Auto verströmte, dass es eine Freude war.

Einmal auf einer solchen Fahrt hielten wir auf dem Rückweg für einen Spaziergang durch einen der Wälder an und er brach einfach ein Stück von so einem Brotlaib ab für den kleinen Hunger auf dem Spaziergang. Ich hatte nichts zu trinken dabei, als wir aus dem Auto ausgestiegen und losgegangen waren. Und wie Kinder so sind, sagte ich, dass ich Durst hätte zum Brot. Mein Grossvater schmunzelte verschmitzt und antwortete, ich solle einfach noch länger auf einem Stück des Brotes kauen, dann würde sich das erst mal von selbst geben, bis wir nachher daheim was trinken könnten. Ich erwartete davon noch durstiger zu werden, aber wie so oft hatte er natürlich recht. Und warum das so ist, dass längeres Kauen nicht nur von Brot hilft, wissen viele nicht oder verlernen die meisten eben deswegen, weil sie beim Essen eben das nicht mehr gründlich und lange genug tun: Kauen. Fast food rules bei zu vielen. Und das muss schnell gehen, beim Kaufen, beim Gehen, beim Gehen schnell essbar sein und entsprechend pampig sind auch seine Zutaten und „Burgersemmeln“, zwischen die sog. Fleisch gepackt wird. Da ist nicht viel Biss und nicht viel zu beissen daran und so wird es mehr ge- und verschlungen, als gekaut und gut gekaut erst geschluckt.

Bei gutem Brot ist das anders. Und das Scherzl vom Brot ist das Beste. Bei handwerklich gebackenem Brot. Bei dem Scheibe für Scheibe natürlich Genuss pur, mit Butter und mit allem sonst, was man darauf legen oder streichen mag. Aber dennoch……..

Und beim Leber- und beim Kalbskäs ist’s Scherzl deswegen das Beste, weil es mehr Kruste hat, als einzelnen Scheiben am Eckerl aussen. Und die ist NOCH gschmackiger als guter Leber- und Kalbskäse eh sind, wenn man sie vom Metzger seines Vertrauens kauft. Manche Hausfrauen haben die Scherzl auch deswegen gern beim Metzger mitgenommen, wenn sie diese gewürfelt für „Wurstnudeln“ verwenden wollten oder in einem Nudel-, Kartoffel- oder Gemüseauflauf. Und die beim Aufschneiden von Leberkäse für andere Kunden am Ende übrig bleibenden Stücke gab’s bei Metzgern entweder günstiger oder sie wurden – wie Schinken oder Salami auch – gewürfelt lose oder portioniert und auch vakuumiert für Schinkennudeln etc. von diesem verkauft. Manche Hausfrau kauft solche Schinkenwürfel aus gekochtem oder geräuchertem Schinken auch gern für Tiroler Speck- oder andere Knödlgerichte, für Omelettes, Pfannkuchen, Quiches und Tartes oder als Suppeneinlage.

Jetzt wissen Sie – ganz ernsthaft und nicht nur als Scherz – was Scherzl sind. Und dass man beim Kaufen der Scherzl auch ganz famos mit meinen verschiedenen Lieblings-Metzgern und Bäckern zu Scherzen und nicht allein zu Scherzln aufgelegt sein kann, ist eine andere Geschichte. Aber ich wage zu behaupten: Vorfreude auf und Genuss von guten Schmankerln hält nicht nur Leib und Seele beisammen, sondern macht auch heiterere Laune. Das Gegenteil werden Sie jedenfalls kaum beweisen können. Und nach dem Genuss feiner Scherzl-Schmankerl eh nicht mehr beweisen wollen. 😉

Einen heiteren Markttag und kaufen Sie sich was Gut’s! Vor allem zum Essen….

 

PS: Über guten Käse vom Murnauer Marktmittwoch habe ich HIER vor ein paar Tagen wieder mal (und gern nicht nur zum ersten und auch nicht zum letzten Mal) geplaudert.

Sie müssen aber auch beim weissen Standl mit dem gelben Streifen und gelber Markise oben vorbeigehen und mal probieren, was es bei der Bader Claudia gibt. Neben gutem Käse auch Honig aus der Region.

 

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