Spaziergänge im Blauen Land: Wo ist’s zu finden? {Auflösung}

© Liz Collet, Ornament, Fassade, Malerei, Kunst, Kultur, Murnau, Murnauer Moos, Das Blaue Land

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Wo ist’s zu sehen?

Rätselauflösung ………HIIIIIIER:

 

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Pforte zum Ähndl © Liz Collet

Und über die Mauer des eingefriedeten Kirchhofs der kleinen Kapelle hat man einen traumhaften Blick über’s Moos bis zum Ettaler Manndl, Alpspitze und Wettersteinmassiv mit der Zugspitze, die nur halb hinter dem Hang vom Ettaler Manndl zu sehen ist.

© Liz Collet, Murnauer Moos am Ähndl, Alpspitze, Wettersteinmassiv, Wettersteingebirge,

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Das Ähndl, die kleine Ramsach-Kapelle St. Georg ist eines der Highlights rund um Murnau und am Rande des Murnauer Mooses. Attraktion des Murnauer Mooses sind unterhalb der Kirche rund 1000 Pflanzenarten, darunter mehr als 160 bedrohte Arten, die je nach Jahreszeit das Moos in verschiedenen Farben färben, die es gelb oder violett schimmern lassen. Rund 4000 Tierarten gibt das Murnauer Moos Lebensraum. Darunter vielen Vogelarten, die auch derzeit besonders mit ihrem wunderschönen Stimmkonzert den ganzen Tag unüberhörbar dort leben.

Was kann es Reizvolleres geben, als schon die ersten Frühlingstage den  Besuch der Kapelle mit einem Weg durch das Murnauer Moos zu verbinden?

Die im Kern spätgotische kleine Kirche kann ab dem 14. Jahrhundert nachgewiesen werden. Heute hat sie nach Umbauten im 15. und 17. Jahrhundert barocke Formen. Erstmals erwähnt wird sie in einer Urkunde aus dem Jahr 1332. Danach wurde sie aus dem Eigentum des Klosters St. Mang in Füssen an das Kloster Ettal übertragen.

1444 tauschte Abt Johann von Ettal drei Höfe, darunter Ramsach einschließlich der dortigen Kirche, gegen einen anderen Hof mit der wohlhabenden Murnauer Katharinenstiftung. Ettal behielt aber zunächst die kirchliche Zuständigkeit, bis diese 1453 im Einvernehmen mit den Bürgern Murnaus auf die Kirche St. Michael auf der Insel Wörth überging, die nur indirekt Ettaler Aufsicht unterstand. In dieser Urkunde ist erstmals St. Georg als Patron des Ramsachkircherls nachweisbar. Dabei steht der Drachentöter Georg in Zusammenhang mit den Ortslegenden um den Lindwurm von Murnau, der auch im Wappen des Marktes Murnau wieder zu finden ist.

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Ramsachkapelle | Ähndl © Liz Collet

Ramsachkapelle | Ähndl © Liz Collet

1744 wurde Murnau zur Pfarrei erhoben. Zu diesem Zeitpunkt ging St. Georg bei Ramsach als Filialkirche an die neue Gemeinde über. Die Bürger Murnaus hatten bereits seit einigen Jahren den Unterhalt der Kirche getragen und Baumaßnahmen bezahlt, wie aus noch vorliegenden Rechnungen nachzuweisen ist. Beispielsweise für eine 1739 erfolgende Dachreparatur, eingezogene neue Zwischendecke und einen neuen Aussenanstrich des örtlichen Malers Augustin Bernhard. Auch für neu eingebaute Fensterscheiben, erneuertes Kirchengestühl und auszumalenden Decke wurden Kosten getragen. Die damals entstandene Fassung der Kirche ist bis heute erhalten, wurde jedoch seither mehrfach restauriert, zuletzt zwischen Herbst 2005 und Mai 2007, als der Innenraum der Kirche und die Ausstattung vollständig restauriert, die Kirche elektrifiziert und eine Alarmanlage installiert wurden.

Der Innenraum ist schlicht gehalten mit drei Stufen zum Altarraum, dem nicht abgetrenntem Chor und einer kleinen Empore, unter welcher ein Gitter den Vorraum abschließt. Die heute erhaltene Bauform wurde mutmaßlich im 15. und im 17. Jahrhundert durch größere Umbauten bestimmt.

Ähndl © Liz Collet

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Die Kirche liegt auf einem kleinen Hügel. Er fügt sich in den Hang des Molasse-Rückens einfügt, durch den das Murnauer Moor nach Norden begrenzt wird. Um die Kirche führt ein aufgelassener Friedhof und wird von einer Mauer mit mittelalterlichem Zugang eingefriedet. Westlich der Kirche steht der ehemalige Hof Ramsach, ein Blockbau mit Flachsatteldach und Zierbund aus dem 18. Jahrhundert, die heutige Ähndl-Wirtschaft. Kirche und Wirtshaus sind auf der Denkmalliste von Murnau eingetragen.

Das Deckengemälde des ortsansässigen Malers Augustin Bernhard aus dem Jahr 1740 füllt die gesamte Deckenfläche aus. Die Decke ist flach mit einer kleinen Hohlkehle. Der Maler täuscht eine wesentlich aufwändigere Architektur vor, in dem er die Kehle mit einer scheinbaren Balustrade ausmalt. Die Scheinarchitektur setzt sich über die Fläche der Decke in Form von Aufsätzen, Simsen, Friesen und Profilen fort. Außerdem werden Ornamente aus Stuck und Draperien aus Stoff in der Ausmalung vorgetäuscht.

Das Deckenbild zeigt in mehreren Feldern Legenden aus dem Leben des Heiligen Georg mit seiner Hinrichtung. In den Gebäudeecken sind Allegorien der Christlichen Tugenden dargestellt.

Altaraufbau und Altarbild sind älter als die Ausmalung, wie aus der Jahreszahl 1663 und den Initialen F. P. des Stifters daran erkennbar sind. Das Bild stellt die bekannteste Legende aus dem Leben des Heiligen Georgs dar, es zeigt ihn als Ritter zu Pferde, während er mit seiner Lanze den Drachen tötet. Im Hintergrund der flachen Fluss- oder Moorlandschaft vor Bergen die Prinzessin, die Georg aus Todesgefahr rettet.

In den Altar sind wesentlich ältere Figuren integriert, die vermutlich von einem Vorgängeraltar stammen. Beiderseits des Bildes stehen spätgotische Statuen aus dem 15. Jahrhundert: Johannes den Täufer und die Heilige Katharina. Letztere verweist auf die wohlhabende Katharinenstiftung in Murnau, die seit Mitte des 15. Jahrhunderts Eigentümerin der Kirche war. Der Johannes könnte auf ein älteres Patrozinium vor St. Georg verweisen. Im Altaraufbau, oberhalb des Bildes wurde eine Nische vorgesehen, in der die älteste Statue der Kirche sitzt: Eine Madonna aus dem 14. Jahrhundert, mit dreifacher Krone und dem Apfel als Attribut.

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An den Seitenwänden stehen auf Konsolen weitere Statuen. An der Südwand vorne ein eher kleiner, spätgotischer Georg um 1500; an der Nordwand ein ebenfalls spätgotischer Christus, der zeittypisch als Schmerzensmann dargestellt ist. Im hinteren Bereich der Südwand steht eine Gliederpuppe des Heiligen Josef.

Weitere Ausstattungsobjekte der Kirche sind:

  • zwei Glaslüster (18. Jh.): aus der schon lange nicht mehr existierenden Glashütte des Klosters Ettal, die sich im nahen Grafenaschau befand. Auch die aus Glas geblasenen roten Federblumen zwischen den Altarleuchtern stammen aus dieser Glashütte.
  • die hölzerne Kanzel mit Schalldeckel (teilweise 17. und 18. Jh.) mit biblischen Motiven: Christus als guter Hirte, eine in den Wind gestellte Getreideschaufel, die symbolisiert, wie Gott „die Spreu vom Weizen trennt“, und der dürre Feigenbaum, dem Gott immer wieder zu Leben verhilft.
  • Neben dem Altar hängt in einem eigens dafür angefertigten Gestell eine etwa 60 cm hohe, aus Eisenblech geschmiedete und vernietete Handglocke. Sie geht auf Formen zurück, die seit der Römerzeit in Verwendung waren, die Schulterlappen entsprechen einem Typ, der bis in das Kloster Iona in Schottland zurückverfolgt werden kann. Darauf geht die lokale Legende zurück, die Glocke stamme aus der Mitte des 8. Jahrhunderts und wäre von iro-schottischen Wandermönchen nach Oberbayern gebracht worden. Sie ist nicht glaubhaft, die Glocke wird vielmehr mit Kirche und Kloster St. Michael auf der Insel Wörth im Staffelsee in Verbindung gebracht. Zudem gibt es einen Hinweis, dass bis ins Jahr 1750 eine nicht näher beschriebene Glocke aus dem 10. –12. Jahrhundert im nahe gelegenen Obereglfing verwahrt wurde, deren weiterer Verbleib dort nicht bekannt ist. Die Glocke von St. Georg wird dennoch als eine der ältesten erhaltenen Kirchenglocken Europas bezeichnet.

Quelle hier.

Bildquelle und Nutzungsrechte zu den Fotos © Liz Collet (Bei Interesse an der Nutzung und zum Erwerb von Nutzungsrechten fragen Sie bitte gern bei mir nach, ebenso zu Drucken von Postkarten bis Poster und anderen Prints)

 

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