Die höchste Form des Glücks – es ist Hollerzeit!

Holunderblüten an Holzhütte mit Herz© Liz Collet

Holunderblüten an Holzhütte mit Herz © Liz Collet

Das Glück,
kein Reiter wird’s erjagen,
es ist nicht dort und ist nicht hier.
Lern überwinden, lern entsagen,
und ungeahnt erblüht es dir.

Theodor Fontane

Zum Glück, das einem – nicht nur, aber auch – blühen kann, im wahrsten Sinne des Wortes gehört der Holler.

Hollerkiachl und ihr Duft in der Wohnkuchl meiner Grosseltern –  das ist frühe Kindheitserinnerung bei den Gerichten, die mein Grossvater regelmässig zubereitete, wenn ich bei ihnen im Pfaffenwinkel war. Und das war ich oft. Und er verstand sich auf Hollerkiachl wie auf Dampfnudeln und anderes grossartig. Warum er das so gut konnte, habe ich HIER einmal ausgeplaudert.  Und wann immer ich seither Holler sammeln gehe und Hollerkiachl und anderes daraus zubereitet, habe ich wieder eine Verabredung mit ihm, mit meinen Grosseltern. Was gelebt wird, bleibt. So wie’s Brauch ist.

Durch einen Teig gezogene Dolden wurden in heissem Schmalz, Butterschmalz oder Öl knusprig herausgebacken und sofort und nur leicht mit Puderzucker gestäubt serviert.

Zum Abtropfen auf sauberes Leinen gelegt, mit etwas Puderzucker bestreut und sofort serviert. Ob zu Vanillesauce, Kompott oder Apfelmus – sie waren ein preiswertes und schmackhaftes Gericht.

Eine preiswerte Speise, nicht nur eine delikate und gut für das Glüstl nach Süssem, das mit dieser und anderen Mehlspeisen gestillt werden kann. Denn wenigstens eine Zutat ist kostenlos in der Natur zu finden und dort sammelten meine Grosseltern regelmässig vielerlei für den Speisezettel. Ich lernte es von klein auf von ihnen.

Lizchens Holunderlikör © Liz Collet

Lizchens Holunderlikör © Liz Collet

 

Der Holler aber ist bei mir noch für anderes beliebt: Getrocknet geben seine Blüten wunderbaren Holunderblütentee, können aber auch für Sirup, Likör und als Aroma für feine Desserts verwendet werden. Eisgekühlte Parfaits, helle Mousse oder Panna Cotta sind damit raffiniert variierbar.

In meiner Studienzeit in Regensburg hatte ich auf der Insel am Oberen Wöhrd ebenso jederzeit nur wenige Schritte vom Haus entfernt unerschöpfliche Blüten verfügbar, wie später in der Isarmetropole im Hinterhof des Hauses, die von sonst praktisch niemandem genutzt wurden. Dabei sind diese zarten Blüten nicht nur für dieses Rezept eine paradiesische Fülle eines sehr gesunden natürlichen Lebensmittels. Zudem eine kostenlose Zutat für allerlei Verführungen.

Lizchens Hollerlikör © Liz Collet

Lizchens Hollerlikör © Liz Collet

Und so gehörten die Holunderbüsche wie die Fliedersträucher (die ich aus anderen Gründen liebe) zu den ersten Quellen wilder Zutaten, nach welchen ich auch nach meinem Umzug hierher ins Blaue Land bei Spaziergängen Ausschau hielt. Andere sind Brombeerhecken, Brennesseln, Bärlauch, Löwenzahn, Vogelmiere u.v.a.m. Es ist gut zu wissen, wo man – immer im Rahmen des für normalen Eigenverbrauch Üblichen und Erlaubtem – solche findet und saisonal dann ernten kann.

 

 

“Ringel, ringel, reihe,
sind wir Kinder dreie,
sitzen unter’m Hollerbusch,
machen alle husch, husch, husch”

Wer kennt nicht diesen Kinderreim?

Hollerbüsche oder Holundersträucher und Hollerbäume wachsen gerne in der Nähe von Häusern. Holunder hat seit Jahrtausenden Bedeutung in der Heilkunde. Schon bei Hippokrates wurde er erwähnt wegen seiner Eigenschaften, für die er noch heute gern eingesetzt wird. So wirkt er als Tee fiebersenkend und entwässernd.

Holzhütte © Liz Collet

Holzhütte © Liz Collet

 

Hollerbüsche besassen aber seit dem Mittelalter auch mystische Bedeutung, weil man früher glaubte, dass in ihren Ästen und Zweigen gute Geister hausen. Wegen dieses weit verbreiteten ländlichen Aberglaubens scheute man sich, sie abzuholzen. Holler kann binnen weniger Jahre eine stattliche Höhe von 7 bis 8 m erreichen und nimmt auch durch seinen Wuchs in der Breite viel Raum ein. Für die Ernte der Blüten ist das ein Glücksfall. Man sollte nur darauf achten, keine Blütendolden zu ernten, die strassennah wachsen.

Holunderblüten sollte man schon deswegen nicht ratzeputz abernten, weil sie im Herbst ein weiteres Mal als Naturschätzchen Nahrungsmittel liefern:

Für die Küche mit der Zubereitung von Hollerbeerkonfitüre und -mus. Manche mögen allenfalls Hollerbeergelee – ich liebe die ganze Frucht in der Konfitüre.Und das Mus ist köstlich zu hausgemachten Nockerl von weisser Schokoladen-Mohn-Mousse oder weissen Marzipanmousse-Nockerl………und das sind nur wenige Beispiele meiner Rezepte.

Für Vögel als Nahrung sollte ebenfalls genug bleiben.

 

Und wenn Sie nun wissen wollen, was Sie bereits mit den zarten Hollerblüten anstellen können, hier habe ich zwei meiner Rezepte, die ich bei Gräfe und Unzer publizierte.

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