Wegkreuze in Murnau

Wegkreuz am Hochanger © Liz Collet,Großer gefasster Holzkorpus mit Wettermantel, 18. Jahrhundert. Baudenkmal , Baudenkmal Nr. D-1-80-124-132,© Liz Collet Photography

Wegkreuz am Hochanger © Liz Collet

Wegkreuze (auch Wegekreuze, Flurkreuze oder Marterl, letztere mit Bildstöcken versehen) haben eine weit zurückreichende Tradition und Geschichte, die – entgegen landläufig verbreiteter Meinung – keineswegs allein auf katholische oder religiöse Gläubigkeit zurückzuführen oder ausschliesslich als solche zu deuten ist.

In Murnau finden sich mehrere Wegkreuze, von denen drei hier in meinem heutigen Beitrag zu sehen sind. Zwei von ihnen wurden auch als Baudenkmäler gelistet.

Diese Kreuze stehen zumeist entlang von Wegen, Strassen, Feldrändern oder im Wald. An Wegkreuzungen dienten sie oftmals zugleich zur Orientierung, als Wegweiser. Aus Holz sind sie verbreitet, aber auch aus Stein oder Metall zu finden. Mit einem Kruzifix, der Darstellung des gekreuzigten Christus, sind sie auch Zeichen christlichen Glaubens. Der Anlass jeweiliger Errichtung der einzelnen Weg- und Flurkreuze kann unterschiedlich sein. Manche kennzeichnen gefährliche Stellen, andere sind zur Orientierung für Wallfahrts- oder Prozessionswege. Manche stehen einzeln in der Landschaft und werden gelegentlich von zwei Bäumen flankiert, wie beispielsweise von Linden. Wer auf dem Weg zur Wieskirche, die unvermindert bis heute Wallfahrtsziel vieler auch junger Pilger ist, an der Strasse entlang nach links blickt, wird auch dort ein Wegkreuz am Ende einer Baumreihe entdecken, die das letzte Stück des Pilgerweges säumt.

Gedenkkreuze und Sühnekreuze stehen nicht immer am Wege, sondern oft am entlegenen Tatort eines Verbrechens oder dem Ort eines Unfalls. Pestkreuze kennzeichnen frühere Gräber von Pesttoten und sind – aus naheliegenden Gründen eher fernab und abseits von Wegen zu entdecken. Wegkreuze in Form der Gedenkkreuze an Orten, an welchen Menschen durch Gruben- und andere -Unglücke, Verkehrsunfälle, Flugzeugabstürze wie Lawinenkatastrophen und vergleichbare Anlässe umkamen, ist weltweit verbreitet.

An exponierter Stelle in der Landschaft stehen auch Gipfel- und Friedenskreuze. Sie zählen nicht zu den Flurkreuzen im engeren Sinne. In Wanderkarten werden Flurkreuze oder Bildstöcke zur Orientierung eingetragen. Wetter- und Hagelkreuze wurden als „Schutz“ vor oder aus Dankbarkeit nach Unwettern errichtet. Dass es alles andere als ratsam ist, ausgerechnet unter einem solchen Wetterkreuz bei Gewittern Schutz zu suchen, die oftmals am Feld- oder Wegrand exponiert für Blitzeinschläge stehen, weiss der Mensch heute (hoffentlich) besser.

Im Bayern und Österreich werden Flurkreuze mit Bildstöcken und Erinnerungstafeln Marterl genannt.

Das erste der hier im Beitrag oben und in zwei weiteren unten zu sehenden Wegkreuzen steht am Hochanger, wenn man vom Ort herauf über den Bahnübergang

Samstags morgens an der Bahnstrecke © Liz Collet

Samstags morgens an der Bahnstrecke © Liz Collet

Samstags morgens an der Bahnstrecke © Liz Collet

Samstags morgens an der Bahnstrecke © Liz Collet

kommend nach links weiter

© Liz Collet

© Liz Collet

© Liz Collet

© Liz Collet

zum Münterhaus geht und kurz bevor man dieses erreicht.

© Liz Collet

© Liz Collet

Von der Stelle seiner Position hat man einen guten Blick über Murnau, die Dächer, die Pfarrkirche Sankt Nikolaus und das Schlossmuseum.

Es handelt sich um einen grossen, gefassten Holzkorpus mit Wettermantel aus dem 18. Jahrhundert, der als Baudenkmal unter der Nr. D-1-80-124-132 der Murnauer Baudenkmäler gelistet ist.

Wegkreuz am Hochanger © Liz Collet,Großer gefasster Holzkorpus mit Wettermantel, 18. Jahrhundert. Baudenkmal , Baudenkmal Nr. D-1-80-124-132,© Liz Collet Photography

Wegkreuz am Hochanger © Liz Collet

Wegkreuz am Hochanger © Liz Collet,Großer gefasster Holzkorpus mit Wettermantel, 18. Jahrhundert. Baudenkmal , Baudenkmal Nr. D-1-80-124-132,© Liz Collet Photography

Wegkreuz am Hochanger © Liz Collet

Bevor man zu jenem Bahnübergang vom Kulturpark aus kommend geht, ist gleich neben dem Teich (links von der Stelle, würde man wie im Bild vor dem Teich stehen)

Am Teich im Kulturpark Murnau © Liz Collet

Am Teich im Kulturpark Murnau © Liz Collet

dieses weitere Wegkreuz zu finden. Wer genau hinsieht,

Wegkreuz im Kulturpark in Murnau © Liz Collet

Wegkreuz im Kulturpark in Murnau © Liz Collet

entdeckt ein kleines Vogelnest rechts oberhalb des Kruzifixes.

Wegkreuz im Kulturpark in Murnau © Liz Collet

Wegkreuz im Kulturpark in Murnau © Liz Collet

Das dritte der hier im Beitrag zu sehenden Wegekreuze steht nur wenige Schritte von meinem Haus entfernt am Ende des Einsiedelweges am dort liegendem Schützenplatz

Bäcker.Meister, Meister.Bäcker © Liz Collet

mit „Blickrichtung“ über den seit dem letzten Jahr neu gestalteten Schützenplatz und den dort eingeweihten Brunnen,

Brunnen am Schützenplatz © Liz Collet

Brunnen am Schützenplatz © Liz Collet

Richtung Pfarrstrasse, Schlossmuseum und Alpen.

Das barocke, gefasste Holzkruzifix mit Wettermantel stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist als Baudenkmal ebenfalls in der Liste der Murnauer Baudenkmäler (unter der Nr. D-11-80-124-71) eingetragen.

Wegkreuz am Schützenplatz in Murnau © Liz Collet, © Liz Collet Photography,Barocker gefasster Holzkruzifix mit Wettermantel, 18. Jahrhundert,D-11-80-124-71

Wegkreuz am Schützenplatz in Murnau © Liz Collet

Sog. „Armesünderkreuze“ oder „Galgenkreuze“ in Form von Kreuzen oder Bildstöcken standen am Weg zu Hinrichtungsstätten. Am Armesünderkreuz einer Hinrichtungsstätte sollte der Verurteilte kniend und betend Reue zeigen. Ein anwesenden Pfarrer betete an dieser Stelle für den Verurteilten und nahm ihm auf Wunsch die Beichte ab. Angehörige durften den Verurteilten bis zum Kreuz begleiten.

Unter den steinernen Wegekreuzen sind geschichtlich interessant die sog. Sühnekreuze aus der Zeit zwischen 13. und 16. Jahrhundert. Sie haben meist eine schlichte Kreuzform ohne Text, in Einzelfällen finden sich aber Darstellungen von Mordwerkzeugen oder anderen Symbols, das auf den Beruf des Ermordeten hinweist. Sie wurden nach mittelalterlichem Recht gemäss Sühneverträgen zwischen verfeindeten Beteiligten nach Tötungsdelikten zur Vermeidung von Blurfehden oder zu deren Beendigung aufgestellt.

Solche privaten Sühneverträge wurden durch Kaiser Karl V. und die Constitutio Criminalis Carolina (Halsgerichtsordnung) 1533 und deren Gerichtsbarkeit abgelöst.

Mit der Gegenreformation ab dem 16. Jahrhundert suchte die katholische Kirche auch durch Werke der Architektur in der Öffentlichkeit stärkere Präsenz. Damals entstanden Bildstöcke und Wegkreuze, bei denen Marienverehrung Gestalt und Ausdruck fand.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg erinnerten sog. Schwedenkreuze an Leid durch die Belagerung der schwedischen Truppen.

Der österreichische Kaiser Ferdinand III. liess 1650 die Errichtung von „Stainern oder andere Creutz und Bett Marter Säulen an denen Strassen Pässen und Wegschaiden“ aus Dankbarkeit über den Friedensschluss anordnen.

Im Rheinland sind viele Kreuze während der französischen Besetzung 1794–1814 verloren gegangen; mit der Säkularisation waren auch Wegekreuze verboten, nur wenige von der Bevölkerung versteckte Exemplare wurden vor der Vernichtung gerettet.

„Votivkreuze“ werden aufgrund abgelegter  Gelübde aus Dank nach der Errettung aus einer Notlage wie Krieg, Krankheit, Seuche oder Lebensgefahr gestiftet und errichtet.

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