Sonntags frühmorgens im Blauen Land – und ein kleiner Ausflugstipp

Das erste Kaffeehaferl des Morgens © Liz Collet

Das erste Kaffeehaferl des Morgens © Liz Collet

5:38 h…….ein dumpfer Plumps, gefolgt von tapsenden Pfoten, dazu ein Schatten vor der Balkontüre…. zum Glück kein Einbrecher. Sondern Minka ante portas, die ohne Umweg auf Bank und „ihr“ Kissen zusteuert und sie einnimmt. Unter dem Kraulen schnurrend und einschlummernd, vebringt sie die Stunde erst einmal eingerollt auf dem Kissen.

Fuchsie und Basilikum © Liz Collet

Fuchsie und Basilikum © Liz Collet

Ich geniesse nicht die erste Tasse Kaffee des morgens, die schon zwischen 4 und 5 Uhr täglich die erste Stunde des Tages begleitet.

Fuchsie © Liz Collet

Fuchsie © Liz Collet

Aber eine erste Tasse Tee, die heute in der Oberammergauer Haferltasse eingeschenkt wird. Und während ich an der Tasse nippe und den Storch wieder über dem Schützenplatz kreisen und dann über das Seniorenhäuschen und meine kleine Lindenburg schweben sehe, spaziere ich gedanklich durch den Passionsspielort, der reihenweise sehenswerte Ecken und Flecken zu sehen bietet:

Geschichte und Gschichtln, die man beim Spaziergang durch den Ort unterhaltsam ausplaudern kann. Die farbenfohen und reichen Illusions- und Lüftlmalereien sind (nur) EIN Teil davon, aber einer der sehr interessanten und es gibt eine Reihe geradezu märchenhafter Fassaden. Märchenhaft in mehr als einer Hinsicht, aber das sollten Sie vor Ort sehen und sich zeigen lassen. (Von mir gerne auch).

Ebenso wie das Geburtshaus von Ludwig Thoma, welches nicht allein wegen des Hinweises auf dieses sehenswerte Details der Fassade Anziehendes bietet, sondern szenische Darstellung des Lebens der Menschen in ihrer zeitgenössischen Kleidung und Tracht. Im Bild hier neben dem Holzschnitzer einer der damals üblichen Hausierer, an deren Tragekiepe allerlei Waren, Tand und Dinge hingen, mit denen sie zu Fuß über Land unterwegs von Dorf zu Dorf und zu manchem Hof unterwegs waren.

Geburtshaus Ludwig Thomas © Liz Collet

Geburtshaus Ludwig Thomas © Liz Collet

Anlässlich des 150. Geburtstages des gebürtigen Oberammergauers hat das Oberammergaumuseum für den Zeitraum von 19.1. –1.10.2017 eine „Schaufensterausstellung: Ludwig Thoma und Oberammergau“ neben anderen, teils bereits zurückliegenden Veranstaltungen zu bieten.

Ludwig Thoma wurde als fünftes Kind des Försters Max Thoma und dessen Ehefrau Katharina Thoma, geb. Pfeiffer, in Oberammergau geboren. Die ersten Lebensjahre aber verbrachte er im Forsthaus Vorderriß an der Isar unweit der Tiroler Grenze, einer damals sehr abgelegenen und einsamen Gegend. Als Thoma sieben Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Forstenried bei München, kurz darauf starb der Vater und die Mutter musste die inzwischen sieben Kinder alleine großziehen. Wie seinerzeit rechtlich üblich, erhielt Ludwig einen Vormund, einen Kollegen des Vaters.

Die Lausbubengeschichten spiegeln wie seine anderen Geschichten jenes Leben um ihn herum, das er ironisch und realistisch zeichnete. Während die Lausbubengeschichten, die Filserbriefe vielen bekannt sind, wenn auch vielen nur und erst durch Verfilmungen, zu denen auch das Theaterstück „Erster Klasse“ oder die Erzählung vom „Münchner im Himmel“ gehören, sind andere, teils ebenfalls verfilmte Werke wie „Andreas Vöst“, „Der Ruepp“ oder „Der Wittiber“ den meisten kaum als Literatur, sondern wenn überhaupt allenfalls aus Verfilmungen bekannt. Sie, wie andere Werke indessen lohnen zu lesen und zu sehen, zeichnen sie doch nicht nur ein Bild des Lebens und der Menschen, einer Gesellschaft vergangener Zeit. Sondern bei genauer Betrachtung Menschen mit Eigenheiten und Verhaltensweisen, die zeitlos heute noch zu beobachten sind, allenfalls eingebettet in scheinbar andere gesellschaftliche Kommunikation und Umgang. Und doch im Kern unverändert, wo es – um nur ein Beispiel zu nennen – um Vorurteile, Verurteilung und Ausgrenzung von Menschen, um Werturteile über andere geht, die andere Maßstäbe leben oder zu leben scheinen.

Als Autor, Mitarbeiter und später auch Chefredakteur des Simplicissimus brachte ihm seine satirische Feder beim Spottgedicht „An die Sittlichkeitsprediger in Köln am Rheine“ gar einen Aufenthalt in Stadelheim sein. Verglichen damit kommt mancher sog. Satiriker selbst mit Liedern auf Präsidenten anderer Länder Europas ungeachtet dazu eingeleiteter Zivilverfahren und strafrechtlicher Ermittlungen leicht weg.

Doch dies und viele weitere interessante Facetten Thomas und Details seines persönlichen wie beruflichen Lebens, auch der Vorwürfe antisemitischer Haltung würden diesen Beitrag sprengen. Dazu an anderer Stelle mehr. Ebenso wie über den oft auf den Passionsspielort reduzierten und als solchen oder als Holzschnitzerdorf wahrgenommenen Ort Oberammergau.

Oberammergauer Holzschnitzerei © Liz Collet

Oberammergauer Holzschnitzerei © Liz Collet

Oberammergauer Holzschnitzerei © Liz Collet

Oberammergauer Holzschnitzerei © Liz Collet

Auch er hat mehr als das zu bieten, das sich nicht nur an einem Sonntag, bei einem Ausflug und Schlenderweg durch den Ort entdecken und erzählen lässt. Übrigens auch etwas, das für Wassily Kandinsky und Franz Marc werkinspirierend war.

Aber dazu ……pssst… ein ander Mal mehr. Hier. Oder ……….wenn Sie meinen Weg in Oberammergau kreuzen oder begleiten. Übrigens……..von Murnau aus fährt eine schnucklige kleine Bahn nach O’gau.

Raaaaaasant durch's Land © Liz Collet

Raaaaaasant durch’s Land © Liz Collet

Und auch die hat Geschichte zu bieten. Und ein paar nette Gschichtln.

Andernorts ist man nicht nur wach, sondern emsig bei der Arbeit. Bis 21. Dezemeber ist einiges auf dem Bauplan. Klicken Sie auf das folgende Bild und dann auf „Abspielen Zeitraffer vorwärts“ und Sie können ein beeindruckendes Spiel von Wolken, Wetter und Himmel über der Baustelle im Tal der Zugspitze beobachten.

Minka schlummert noch eine Weile. Ich hingegen sehe nun nach dem Hefeteig in der Kuchl nebenan, welcher auf eine Karriere als Sonntagskaffee-Glüstlstiller wartet.

Einen erhol-und unterhaltsamen Sonntag für SIE! Machen’s was Schönes daraus!

Fuchsie und Basilikum © Liz Collet

Fuchsie und Basilikum © Liz Collet

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