Karsamstag in Ettal – mit kleiner Preview auf kommende Ereignisse 2017/2018

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Karsamstag | Ettaler Basilika| Erster der 3 linken Seitenaltäre © Liz Collet

Am frühen Karsamstag-Nachmittag in der Klosterbasilika Ettal. Da sind die Momente, in denen man sich mit fasziniertem Erstaunen fragen mag, wieviel Talent eines Theaterregisseurs in Architekten und Bauherrn zurückliegender Jahrhunderte gelegen haben könnte.

Ob und wie viele von ihnen ahnten, planten, sich bewusst waren und danach zeichneten und bauten, wie das Licht des Tages, Sonnenlicht im Besonderen, zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten ganz unterschiedlich durch die einzelnen Fenster fällt. Im Winter anders durch den Stand der Sonne, als im Sommer und zu wechselnden Zeiten. Und wo und wie es dann auf Gemälde, Skulpturen, Fresken und viele Details der sakralen Architektur und Innenausstattung fallen wird, Licht und Schatten wirft und Wirkung und Eindrücke verstärkt.

Ich liebe diese zu allen unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten unterschiedlichen Spiele von Licht und Lichteinfällen und ihre Wirkung. Besonders mag ich sie in der Wieskirche um Weihnachten und zwischen den Jahren, wenn das Winterlicht mit meiner Lieblingsfigur der vier von Anton Sturm geschaffenen großen Theologen des Abendlandes, Hieronymus, Ambrosius, Augustinus und Gregor dem Großen spielt: Mit Augustinus. Wenn er am Christtag, am Heiligen Abend vormittags gleichsam aus dem Dunkel ins Licht zu treten scheint, weil das Winterlicht dann ganz eigen auf seine Figur zu wandern beginnt.

Aus dem Dunkel ins Licht © Liz Collet

Warum mir seine Figur und Statue in der Wieskirche, die ich am Ostersonntag erneut auf dem Programm meiner Ostallgäu-Tour habe, so besonders gut gefällt, habe ich hier schon bei einem der Besuche am Heilig Abend beschrieben zusammen mit einigen weiteren Informationen. Aber auch im Hochsommer und im August ist diese Figur in der Wieskirche von besonderer Faszination, wenn durch den sommerlich anderen Sonnenstand am späten Nachmittag und frühen Abend Licht erst und fast nur noch auf die Brustpartie des Hl. Augustinus fällt, just an jener Stelle, wo ihm über dem Kreuz an der Kette, die er trägt, ein Herz als Symbol beigefügt ist. Dieses wurde ihm vom Bildhauer Anton Sturm als Symbol für seinen Ausspruch in den Confessiones beigefügt, mit welchem er seine Beziehung im ersten Kapitel beschreibt:

„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht, in Dir, o Gott.“

Zu bestimmten Tagesstunden im Sommer fällt das Spätnachmittagslicht und frühe Abendlicht auf ganz eigene Art warm und strahlend intensiv auf eben jene Partie der Statue. Wie das Licht auf diese Statue (und auch die anderen im Kirchenschiff der Wieskirche) fällt, hat neben dem Stand der Sonne im Jahresverlauf und der Position der Wieskirche mit der rechten Längssseite des Kirchenschiffes nach Süden auch mit den hohen Bäumen zu tun, die teils nahe bei der Kirche selbst stehen und – naturgemäss – zur Zeit ihrer Errichtung noch nicht diese Höhe hatten, sondern erst im Laufe der Zeit erlangten.

Es ist nichtsdestoweniger eine nette Koinzidenz, dass auch am morgigen Ostersonntag die Wieskirche mit dem Heiligen Augustinus wieder von mir besucht wird, wenn der emeritierte Papst Benedetto XVI. seinen 90. Geburtstag in Rom in den Vatikanischen Gärten mit Besuchern aus Bayern feiert, einschiesslich einer Abordnung der Bayerischen Staatsregierung, die ihn zusammen mit dem Ministerpräsidenten besuchen wird. Denn Augustinus zählt zu den einflussreichsten Theologen und Philosophen der christlichen Spätantike, welche das Denken des Abendlandes entscheidend prägten, darunter auch die theologischen Schriften des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Er gilt als der Vater und Schöpfer der theologischen und philosophischen Wissenschaft des christlichen Abendlandes und wird deshalb als Kirchenvater bezeichnet.

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Heute aber stand die Klosterbasilika Ettal als einer der Punkte in meinem Programm. Und zwar auf dem Rückweg der Zugspitztour, die mit einer Reihe interessanter weiterer Sehenswürdigkeiten auf der Route über Garmisch, Fernsteinpass, Inntal, weiter ins Karwendel nach Mittenwald und durch’s Isartal entlang der Buckelwiesen wieder an Garmisch vorbei ins Ammergebirge nach Ettal und Oberammergau führt.

Rundum und auch rund um Kloster und Ort Ettal wie überall blühen wunderschön schon Blutkirsche, Obstbäume und Sträucher in weiss, pink und gelb und auf den Wiesen endlose Unzahl von sattgelbem Löwenzahn, blauen Leberblümchen, hellgelben Himmelsschlüsselchen, weisse Anemonen und andere Blüten. Die Blüten des Frühlings lassen die frischeren Temperaturen, die zu Ostern sicher noch weiter fallen und möglicherweise noch Schnee bringen werden, leichter ignorieren. So wunderschön anzusehen, dass man sich dafür eigens Zeit nehmen wird, an einem anderen Tag ohne Gästegruppe, die man begleitet, um die Frühlingsmotive ausgiebiger allein mit der Kamera einfangen zu können.

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Dafür empfing die Basilika am frühen Nachmittag mit einem Konzert, sozusagen. Gratis. Die „Generalprobe“ für den Ostersonntag am Karsamstagnachmittag passte wunderbar zum Besuch der Basilika. Die Musik an diesem Tag und in der sonst vor der Osternacht noch stillere, weil weniger besuchte Basilika lässt sie den Besucher in ganz eigener Stimmung zu erleben und wirken.

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Nach einem kleinen Rundgang durch die Kirche, auch zu dem links vom Eingang innen liegenden Raum mit den Kerzen und in einen ganz besonderen Raum dahinter, den viele gar nicht kennen und schon gar nicht aufsuchen – einem modernerem, stillem Gebetsraum von ganz eigener Raumwkirkung und Atmosphäre – blieb noch Zeit für einige Minuten der Muße in der Kirchenbank sitzend. Währenddessen konnte sich die Gästegruppe noch eigenständig umsehen.

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Karsamstag in der Ettaler Basilika © Liz Collet

Und just da fiel erst richtig Sonnenlicht in die Basilika, just auf jenes Gemälde über dem ersten der drei linken Seitenaltäre. Als hätte das Sonnenlicht die Bühne beleuchtet, um die Aufmerksamkeit darauf zu locken, zu lenken und festzuhalten. Innezuhalten, zum Betrachten und Nachdenken einzuladen.  Kirchengeschichte und Kirchenarchitektur haben vielerlei Facetten. Im Laufe der Entwicklung auch unterschiedliche Absichten, wie der, die früher des Lesens und Schreibens weitverbreitet wenig Kundigen mit Geschichten der Bibel vertraut zu machen. Die durch Bilder, Symbole und Ausstattung der Kirchen Bibel und Geschichten lernten. Da diese angewiesen auf solche und durch solche und Mangel anderer Medien auch anders zu beeindrucken waren, als der (vermeintlich heute soviel aufgeklärtere) moderne Mensch, müssen diese Bilder und Architektur auch sicher anders gewirkt haben. Der moderne Mensch heute findet hingegen kaum noch Zeit und Interesse, sich in Kirchen – ausserhalb eines Gottesdienstes – zu setzen und sie in allen Details nach und nach kennenzulernen, in ihrer Wirkung zu erleben, die sie einfach durch Betrachtung je nach Licht und Tages- und Jahreszeiten und auch sonst haben. Haben können. Unabhängig von individueller Einstellung zu Religion oder Glauben. Schlicht in der Fantasie und Kreativität und Kunst ihrer Gestaltung auch in Wirkungen im Spiel mit Raum, Raumtiefe, Licht, Schatten und vielen anderen Elementen.

Es lohnt aus diesen und einer Reihe von vielen anderen Gründen, immer wieder und mehr als einmal auch dieselben Kirchen zu besuchen, mit oder ohne Führung und darin ein wenig herumzuschlendern (nicht während Messe und Gottesdienst, bien entendu) und zu verweilen. Ettal hat zwar – leider, für meinen Geschmack – im Innenhof des Klosters durch die Renovierung mit der Entfernung einiger der alten Bäume einen Teil des Charmes verloren, der vielleicht Fotografen und Betrachtern der Basilika mit der Fassade freieren Blick schenkt, aber für mich mit den alten Bäumen auch etwas von der Zeit und Unvergänglichkeit genommen, die über einzelne Dauer von Menschenleben einer oder mehr als einer Generation auch innewohnt. Für mich ist die Natur mit all ihren kleinen und grossen Details und Schönheiten auf eine nicht weniger bedeutende Weise beeindruckend und geeignet auch als Ort zur Erholung, äusserer, wie innerer, zum Baumelnlassen der Seele und für das, was Körper wie Seele mancher in Kirchen, andere in Lehren, Kursen, Seminaren und Coachings suchen und finden oder auch nicht finden. Und wieder andere in endloser Ablenkung und Event“kultur“ zu verdrängen versuchen. Die als rund 1000 Jahre alt geltende Tassilolinde  bei Wessobrunn sind für mich, ebenso wie die rund 300 Jahre alte erhaben im Arkadenhof des Klosters Benediktbeuern stehende Blutbuche

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Blutbuche im Kloster Benediktbeuern © Liz Collet

nicht nur beim Blick in und auf ihre Krone von der Seite und von ihrem Stamm aus ebenso Kronen der Schöpfung, wie andere sie vielleicht in Sakralbauwerken und ihren darin angehäuften Kunstwerken und Kunstschätzen sehen wollen.

Das liegt nicht allein, aber auch daran, dass mich von jeher Natur und Naturwissenschaften faszinierten und diese Liebe und Neugier und Wissenslust und -Durst in beide auch von Menschen um mich herum zudem gern gefüttert und zu stillen versucht wurden, denen es ähnlich damit ging. Mit der Faszination von mehr oder weniger einer wissenschaftlich erklärbaren oder auch in vielen Teile noch unentschlüsselten Geheimnissen von Natur und zufälliger oder nicht zufälliger Schöpfung. Zu ihnen zählte auch mein Grossvater mütterlicherseits, für den nicht der Besuch eines Gotteshauses notwendig war, um mit einem Schöpfer innere Zwiesprache zu halten oder um mit sich selbst Bilanz eigenen Handelns am Maßstab von richtig oder falsch zu ziehen und Ablasshandel zu treiben oder mit Beichte Getanes abtun zu können. Für den eine ehrliche innere Zwiesprache mit sich und dem, was man tut und getan hat und woran man arbeiten muss in der Natur, im Wald oder in den Bergen mehr galt, als eine formale Beichte und Absolution, deren Ernsthaftigkeit mit dem Lästern über den Nächsten nach dem Verlassen der Kirchentüre bereits wieder an Wert gegen Heuchelei verlor.

Ein paar mehr im Klosterhof Ettals verbliebene Bäume, die länger als ein Menschenleben überstanden hätten, wäre mir daher nach der Renovierung und Erneuerung der Klosterhofanlage nicht wenig lieb gewesen. Auch wenn beispielsweise eine Barrierefreiheit mit den neu geschaffenen Serpentinenwegen erfreulich ist. Doch standen diesen eigentlich keine der alten Bäume im Weg.

Bei meiner eigenen persönlichen Vorliebe für solche alten Bäume, Wald und Natur bin ich daher neugierig, was man in Ettal aus der im kommenden Jahr anstehenden Bayerischen Landesausstellung „Mythos Wald“ machen wird, für welche das Kloster Ettal den Zuschlag erhalten hat.

Die Landesausstellung trifft mit einem weiteren Jubiläum zusammen, denn 2018 besteht der Freistaat Bayern seit 100 Jahren. Die Landesausstellung im Kloster Ettal ist deswegen auch zugleich Teil des Jubiläumsprogramms „Mythos Bayern – 100 Jahre Freistaat“.

Für die Landesausstellung 2018 in Ettal werden geschätzte 100.000 bis 200.000 Besucher erwartet. Sie findet von 03. Mai bis 04. November 2018 (täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet) statt.

Dieser Zeitraum bietet somit in nahezu drei Jahreszeiten während ihrer Dauer Gelegenheit für Besuche der Region/en rund um das Kloster Ettal. Für Kurzurlaube wie für Ferien.

Wobei ich persönlich auch die Monate Dezember und Januar wegen der romantischen Schneelandschaft für Besuche der Klöster und Schlösser und der Langlaufmöglichkeiten im Graswangtal und Schneewanderungen besonders reizvoll finde. Aber für Winter und Weihnacht im Ammergau, Zugspitzland und Werdenfels wiederzukommen, ist eine mit dem Ende der Landesausstellung im November nicht ausgeschlossene Option.

Zur Landesausstellung 2018 werden Sie auch hier im Blog von mir noch einige Informationen und Neuigkeiten peu à peu zu lesen finden. Wenn Sie also Lust haben, mir virtuell und vielleicht auch bei den möglichen Führungen durch’s Land folgen zu wollen, freu ich mich. Details zu letzteren gern auch auf Anfrage (gern auch telefonisch oder per Mail).

Erste Informationen zur Bayerischen Landesausstellung 2018 finden Sie auch bereits hier:

Weitere Schmankerl – kulturell, kriminell und kulinarisch bunt gemischt peu à peu virtuell und gern auch vor Ort dann auch bei mir.  Auf eines davon darf ich Sie bereits jetzt und für diesen Sommer aufmerksam machen:

Am 16. Juli 2017 findet das Klosterfest im Brauereihof in Ettal statt. Es gibt neben Musik aus der Region, Biergarten,  zahlreiche Aussteller eine „Bayerische Olympiade“, Führungen durch die Sehenswürdigkeiten des Klosters, regionale Künstler, natürlich heimische Köstlichkeiten vom Klosterhotel „Ludwig der Bayer“, ein buntes Kinderprogramm  und andere Überraschungen.

Das Programm beginnt um 10.00 Uhr mit einem Festgottesdienst. Musikalisch wird der Tag um 14.00 Uhr mit einem Sommerkonzert des Benediktinergymnasiums und um  16.00 Uhr von der Blaskapelle Ettal eingerahmt. Mehr zum Programm finden Sie auch im Flyer des Kloster Ettals, den Sie hier als Download Flyer (PDF) nutzen können.

 

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