Beginn der Karwoche

Morgenlicht © Liz Collet

Morgenlicht © Liz Collet

Die Osterferien haben begonnen, in Murnau wie andernorts gibt es für Kinder und Jugendliche interessante Programme für die Ferientage. Auch ein Blick in die Museen lohnt für solche beispielsweise beim Franz-Marc-Museum in Kochel und im Schlossmuseum in Murnau.

Mit dem Beginn der Karwoche geht für alle diejenigen der Endspurt der Fastenzeit einher. Manchen gilt die Karwoche nur als eine weitere „kurze“ Arbeitswoche des Feiertages am Karfreitag wegen. Und einigen ist selbst die Feiertagsruhe am Karfreitag als „stillem Feiertag“ schon ein Dorn im Auge, die selbst an solchen wenigen stillen Feiertagen zwar Freizeit und Ruhe vor der Arbeit, aber nicht Respekt für Stille mancher Feiertage haben wollen. Oder nicht mehr können, ohne sich des Hamsterrades von Dauerberieselung und Permanent-Online-Zeiten, ebenso wie Lärm- und Lichtsmogs gewärtig zu sein, sich aber wundern und beklagen über Burnout und Stress. Besinnung und Besinnlichkeit ist manchem fremd, der in absurdem Widerspruch dazu Hotelangebote sucht und bucht, bei denen ihm OFF-Line Zeit als new trend verkauft und mit einem neudeutschem Marketingbegriff – digital detox – als chic promoted wird. Eigentlich kostenlos zu haben, Knöpfchen genügt. Wenn man mit Sinn, Selbstbesinnung und einem Minimalmaß an Verstandes-Bewegung …aber lassen wir das.

Als Karwoche oder stille Woche wird die letzte Woche der Fasten- und Passionszeit bezeichnet. Der Name Karwoche bzw. Trauerwoche leitet sich vom althochdeutschen Wort »kara« oder »chara« für »Kummer«, »Klage« oder »Trauer« ab. Sie beginnt am letzten Sonntag vor Ostern, dem Palmsonntag, und beinhaltet die stillen Tagen Montag bis Mittwoch und die eigentlichen Kartage Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag.
Dieser Zeitraum wird traditionell im deutschsprachigen Raum als Karwoche bezeichnet. In der römisch-katholischen Liturgie heißt die Zeit von Gründonnerstag bis zur Feier der Osternacht »Heilige Woche« und ist keine reine Trauerwoche.

 Spitzenaussichten © Liz Collet, Hohe Kiste, Hohe Kisten, Estergebirge, Gebirge, Alpen, Bergspitze

Spitzenaussichten © Liz Collet

Die Karwoche wird von viele Bräuchen und Traditionen gesäumt, die auch heute noch gepflegt werden.

Palmprozessionen am Palmsonntag werden zur Erinnerung an Jesu Einzug in Jerusalem vielerorts durchgeführt, Buchs- oder Weidenzweige werden geweiht, die nach der Messe zu Hause als Schutz vor Unheil an Kruzifix, Heiligenbilder oder Spiegel befestigt werden.
Die Palmzweige, die in der Kirche verbleiben, werden im nächsten Jahr an Aschermittwoch verbrannt und ihre Asche zur Spendung des Aschenkreuzes verwendet.

Birnbaum in Blüte © Liz Collet

Birnbaum in Blüte © Liz Collet

In der katholischen Kirche wird an Gründonnerstag traditionell die Chrisammesse (lat. Missa chrismatis) gefeiert, bei der die heiligen Öle Chrisam, Katechumenenöl und Krankenöl geweiht werden.
Wenn die Messe vom letzten Abendmahl gefeiert wird, läuten während des Glorias sämtliche Glocken. Während der Kartage verstummen Glocken und Orgel aus Trauer über den Kreuzestod Jesu. Erst beim Gloria in der Osternacht ist das Glockengeläut wieder zu hören.

Obwohl der Name Gründonnerstag nichts mit der Farbe Grün zu tun hat, wird in vielen Gegenden ein grünes Essen gekocht. Meist ist das eine Suppe aus mehreren grünen Kräutern, die Gesundheit für das ganze Jahr schenken soll. Für meine Grossmütter gehörte eine Kerbelsuppe unbedingt dazu.

 Zwetschgenbaum in Blüte © Liz Collet

Zwetschgenbaum in Blüte © Liz Collet

In vielen Gemeinden finden an Karfreitag traditionelle Prozessionen statt oder es wird der Kreuzweg begangen. Am Nachmittag, meist um 15 Uhr zur Todesstunde Christi, wird die Feier vom Leiden und Sterben Christi gehalten. Dabei ist das Altarkreuz mit einem violetten Tuch verhüllt und anstatt mit Glocken wird vielerorts mit Ratschen und Klappern zum Gottesdienst gerufen.

Der Karsamstag ist der letzte Tag der 40-tägigen christlichen Fastenzeit und Karwoche. An diesem Tag gibt es keinen Gottesdienst, der Altar der Kirche trägt keine Kerzen oder Blumen.
Der Tag ist ein Tag des Gedenkens der Grabesruhe Jesu.

Die Osternacht, die Nacht zwischen Karsamstag und Ostersonntag, ist im liturgischen Jahr der katholischen und anderer Kirchen die „Nacht der Nächte“: die Nacht der Auferstehung Jesu Christi von den Toten und damit die Nacht des Durchgangs der Gläubigen aus dem Tod ins Leben.

In der katholischen Kirche wird die Osternacht mit einer Liturgie gefeiert, die diesen Durchgang nachvollzieht. Sie beginnt außerhalb der Kirche beim Osterfeuer, an dem die Osterkerze angezündet wird. Hinter der brennenden Osterkerze ziehen die Gläubigen in die Kirche ein. Dort erhalten sie das Licht für ihre eigenen Kerzen, in deren Schein sie Vigil halten: Nach dem Gesang des Exsultet, der feierlichen Deutung der Stunde, hören sie Lesungen aus dem Alten Testament. Deren wichtigste ist der Bericht vom Exodus, dem Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer aus der Sklaverei in die Freiheit. Am Ende der Vigil wird im vollen Licht und unter Glockengeläut das Gloria sowie, nach der Osterepistel, das Halleluja angestimmt; beide waren in der vom Gloria des Gründonnerstages an bis zu dem Gloria der Osternacht verstummt. Nun folgt, mit Kerzen und Weihrauch verehrt, das Evangelium von der Auferstehung des Herrn und dessen Auslegung. Daran schließt sich die Tauffeier an, die seit ältester Zeit das zentrale Geschehen der Osternacht ist. In die Taufliturgie werden alle Gläubigen einbezogen; auch sie erneuern ihr Taufbekenntnis und werden mit dem geweihten Wasser besprengt. Den Höhepunkt und Abschluss der Osternachtsliturgie bildet die Hl. Eucharistie. Am Ende werden die mitgebrachten Speisen zum gemeinsamen Osterfrühstück gesegnet. Tisch und Altar verbinden sich zu den „Hauskirchen“.

Apfelbaum © Liz Collet

Apfelbaum © Liz Collet

In der Wieskirche bei Steingaden ist die Karwoche stets mit einem besonderem Programm mit Messen, Prozessionen, Feiern und anderen Terminen verbunden, die Sie interessieren könnten. Für die Sie aber zugleich auch darauf achten sollten, dass während deren Zeiten als Besucher Fotos nicht gemacht werden sollen und ein Herumlaufen zur Besichtigung störend ist. Details der Termine finden Sie HIER. Auch in allen anderen Kirchen sollte sich derartige Rücksichtnahme das ganze Jahr über von selbst verstehen.

Leider ist das nicht der Fall, nicht immer und nicht von allen. Gelegentlich verschlägt es einem die Sprache, dass und in welchem Ausmass sogar die Selfiesucht unerfreuliche Blüten treibt, wenn Besucherinnen den Mittelgang zum Altarraum mit einem Laufsteg zu verwechseln scheinen und aufreizend bis grenzwertig lasziv sich selbst von vorn und hinten mit herausgestreckter Kehrseite im Minirock Selfies schiessen, wie ich es selbst nicht nur in der Wieskirche schon miterlebte. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber unabhängig von individuellen konfessionellen oder nichtkonfessionellen Einstellungen sind manche Verhaltensweisen schlicht geschmacklos und No-Go.

Die Wieskirche, die ich Besuchern immer besonders gern auch im Winter und zwischen den Jahren und an den Weihnachtstagen aus mehreren Gründen ans Herz lege (nicht nur weil das Licht im Winter dann andere Eindrücke vermittelt),

Aus dem Dunkel ins Licht © Liz Collet

ist auch an den Ostertagen ein besonders lohnenswertes Ziel.

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Dass bei sonniger Witterung die Landschaft rundherum und mit den blühenden Bäumen, Sträuchern und Wiesen das Herz aufgehen lässt und die Wieskirche zu einem auch für Fotos im Frühling besonders schönen Motiv macht, sei dabei nur am Rande erwähnt.

In diesem Jahr besonders zu erwähnen ist, dass justament rechtzeitig zu den Kartagen das berühmte Kreuzigungsbild von Januarius Zick ( München 1732-1797 ) aus der Restaurationswerkstatt von Manfred Sattler, Schwangau, in die Wies zurückgebracht werden konnte. Es handelt sich um ein hochqualifiziertes Barockbild der Kreuzigung um 1750. Januarius Zick war der Sohn des Rokokomalers und Rembrandt-Schülers Johann Zick, ausgebildet in Rom von Anton Raphael Mengs (*12.03.1728, + 29.06.1779)

Das Bild stammt aus dem testamentarischen Vermächtnis an die Wieskirche von Prälat, Dr. Emmeran Scharl (* 30.10.1911, + 30.10.1967 ), Landvolkseelsorger in Bayern, Geistl. Beirat der Kath. Landvolkbewegung in Deutschland, an Prälat Alfons Satzger, Wallfahrtsseelsorger und Custos von 1946 bis 1978 an der Wieskirche. Und was es sonst Entdeckens- und Sehenswertes in der Wieskirche gibt, finden Sie in einigen meiner früheren Beiträge hier im Blog, natürlich auch auf der Website der Wieskirche und – wie ich persönlich denke – am allerbesten immer bei einem oder bei immer wieder neuen Besuchen des UNESCO-Weltkulturerbes in „meinem“ Pfaffenwinkel.

Ihnen wünsche ich eine schöne Karwoche bis zu den Osterfeier- und Osterfesttagen. Und für diese habe ich noch ein paar kleine Beiträge in petto. Schauen Sie gern wieder herein und wenn Sie Tipps und Kommentare hinterlassen wollen, freue ich mich wie stets! Und wenn Sie ein paar süsse Rezepte suchen für Langohren und Unschuldslämmer, habe ich HIER und DORT und auch DA etwas schon vorbereitet. Und ein weiteres süsses Rezept für das Osterfest folgt noch im Laufe der Woche.

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