Josefitag – Gelegenheit für einen Ausflug mit der Wendelsteinbahn

© Liz Collet

Am heutigen 19. März ist Josefi, Josefitag oder Josefstag, wie er hier und da geheissen wird. In einigen Teilen der Schweiz ist er bis heute Feiertag, in Österreich haben Kinder schulfrei, wenn er nicht wie dieses Jahr ohnehin auf einen Sonntag fällt. Auch bei uns war er eine Zeit lang Feiertag. Allerdings wurder 1921 der Josefstag als offizieller Feiertag in Bayern abgeschafft. Er blieb dann noch bis 1969 als kirchlicher und arbeitsfreier Feiertag „staatlich geschützt“.

Der Name Josef ist bei jüngeren Generationen – meiner bereits eingeschlossen – aus der Mode gekommen, als Taufnahme ebenso wie als Rufname Sepp. Jedenfalls in der Stadt, auf dem Land ist das teils noch anders gewesen und wird auch wieder gern gepflegt und gewählter Vorname; bei manchen als erstem Vor- und Rufnamen, bei anderen als mindestens zweitem Namen.

Bundesweit soll Josef als Vorname tatsächlich abgeschlagen auf Platz 165 in der einschlägigen Hitliste, Josephine  2016 bei den Mädchen immerhin auf Rang 51 gelandet sein.

Regional ist der Name Josef eher wieder gern verwendet, da ist auch der Josefitag noch bewusster. Mindestens als Namenstag.

Der Namenstag spielt bei Katholiken ohnehin eine andere Rolle, als sogar Geburtstage. Er geht auf die Verehrung des heiligen Josef von Nazareth zurück. Dieser wurde zunächst von den Ostkirchen, ab dem 9. Jahrhundert allerdings auch von der römisch-katholischen Kirche, verehrt. Josef von Nazareth gilt als Ziehvater Jesu und Ehemann der heiligen Mutter Maria. Traditionell beten Arbeiter, insbesondere Handwerker, Josef als ihren Schutzpatron an, da er Zimmermann gewesen ist. Ursprünglich was dieser Tag ein Hochfest der römisch-katholischen Kirche. Bereits im Mittelalter haben die Menschen den heiligen Josef geehrt. 1870 ernannte ihn der damalige Papst Pius IX zum Schutzpatron der katholischen Kirche.

In der katholischen Kirche hat der heilige Josef als „Nährvater Jesu“ eine besondere Stellung. Er ist Schutzherr vieler Pfarrkirchen, Klöster oder Kapellen. In Tirol hat er es sogar zum Landespatron gebracht. Viele Ordensgemeinschaften, wie zum Beispiel die Sankt-Josefskongregation Ursberg, sowie Bruderschaften und Vereine tragen seinen Namen.

Im Berchtesgadener Land war die Weihe des „Baumwollbrotes“ am 19. März ein gern gesehener Festbrauch. Dieses Brot besteht aus einem Kranz von vier aneinandergelegten Hefeteig-Broten, welche besonders viele Rosinen enthalten.

Als Kind einer sog. „Mischehe“ (meine Mutter evangelisch, mein Vater katholisch) und Enkelkind einer „Mischehe“ meiner Grosseltern mütterlicherseits mit vertauschter Glaubenszugehörigkeit auf Mann / Frau (Grossvater evangelisch, Grossmutter katholisch) wuchs ich mit Fragen, die Reformation, Ökomene , Toleranz und Religionsfreiheit auf, bevor ich darüber irgendwas in Unterrichtsstunden lernte. Das Wort „Mischehe“  war und ist, wurde mir früh vertraut, erstaunlich langlebig selbst bei verschiedenen Konfessionen von Ehepartnern. Und wurde unterschiedlich vom Umfeld gebilligt oder auch nicht. Toleranz, leben und leben lassen, chacun à son plaisir, ist das Zauberwort.

Und dazu gehört auch der Umgang mit  Brauchtum und Traditionen im Alltag, die es gab, unabhängig davon, ob und wie oft oder nicht die jeweiligen Familienmitglieder den Gottesdienst besuchten oder nicht.

Der Namenstag war meiner Grossmutter väterlicherseits (Jahrgang 1913) enorm wichtig, der eigene am 25. November wie der Josefitag am 19. März ihres Mannes. Und ihren Namenstag als Enkel (oder als sonstige Familienmitglieder) zu vergessen, hätte sie mehr verletzt, als ihren Geburtstag zu übersehen. Beide Tage habe ich nie vergessen, aber allein an ihrer Freude an den beiden Tagen, wenn man ihr dazu gratulierte und an den Josefitag ihres Mannes dachte, war die unterschiedliche Wertigkeit beider Tage unverkennbar.  Auch unter ihren Bekannten gratulierte man sich zu Namenstagen.

Namenstage waren – das war von Kindesbeinen an für mich daher normal – also für jeden unterschiedlich wichtig bei den Familienmitgliedern, sogar unterschiedlich unabhängig von jeweiligen Konfessionen. Meine Eltern legten bei sich und eigenen Kindern gar keinen Wert auf eigene Namenstage, wohl aber darauf, dass man die derjenigen beachtete und gratulierte, denen sie etwas bedeuteten.

Schon als Kind  war der März für mich leicht in 9-er-Tagen geordnet und merkbar. Am 9. März war der Geburtstag meines katholischen Grossvaters Josef väterlicherseits (Jahrgang 1913), der am 19. März auch Namenstag am Josefitag hatte und am 29. März der Geburtstag meines evangelischen Grossvaters Friedrich mütterlicherseits (Jahrgang 1911) . Meiner katholischen Grossmutter Marie Antonie mütterlicherseits (Jahrgang 1917) waren Namenstage völlig unwichtig.

Als meine Grossmutter väterlicherseits Katharina ein paar Jahre nach dem Tod meines Grossvaters ein weiteres Mal heiratete, traf es sich bei der Namenshäufigkeit jener Generation noch weniger zufällig, dass auch dieser den Vornamen Josef hatte. Und ein paar Tage zuvor auch im März Geburtstag. Er, der Seppi, Jahrgang 1900, nahm keinen der beiden Tage wichtig, freute sich aber immer über Besuch, egal ob wegen Namens- oder Geburtstagen oder einfach so, weil Sonntag war. Oder weil ein netter Besuch jeden Werktag wie einen Sonntag anfühlen liess. Man besuchte ihn und die Grosseltern nicht nur an Namens- und Geburtstagen, sondern regelmässig mindestens an den Sonntagen oder holte sie zu sich zum Sonntagsessen und -kaffee. Ob Namenstag oder nicht. Und nicht nur an eben Namenstagen erinnert man sich an sie, als sie lebten, um zu gratulieren und zum Besuch. Seit sie nicht mehr leben, nicht weniger, nicht weniger liebevoll – auch ihrer liebenswerten Eigenheiten und Gewohnheiten und Vorlieben. Für Namenstage inklusive. Mit einem lächelnden Auge und einem ein klein bisschen wehmütigem über die Dinge, die mit manchen Menschen und Generationen verloren gehen. Weil sie wie Namen aus der Mode kommen.  Oder aus der Mode zu kommen scheinen.

Dem Josefitag wird aber in Bayern auch heutzutage noch hohe Bedeutung beigemessen. Damit Tradition und Brauchtum nicht in Vergessenheit geraten gratuliert die Wendelsteinbahn allen Josefs und Josefinen auch heuer wieder mit einem besonderen Namenstagsgeschenk: Zu Ehren ihres Namenspatrons fahren alle Josefs, Seppen, Beppis und Josefas am Sonntag, 19. März 2017 gratis mit Zahnradbahn, Seilbahn und ggf. Liften. An den Talstationen ist ein Personalausweis vorzulegen. Im Wendelsteinhaus und auf der Mitteralm spielt zur Unterhaltung eine zünftige Musi.

Grad an einem Sonntag doch eine besonders schöne Gelegenheit für einen gemeinsamen Familienbesuch und -ausflug, oder?

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