Ein bisschen einschneien lassen – es schneit nachhaltig weiter

© Liz Collet

Wenn selbst der Schneemann lieber in der Stube weilt © Liz Collet

Wir lassen uns an diesem Sonntag den Schneefall gefallen. Bei der Eiseskälte der Tage bleibt besser zuhause, wer nicht zwingend das Haus verlassen muss. Eisesglätte auf Wegen und Strassen lässt es geraten erscheinen, die unvermeidlichen Wege auf die Zeiten beispielsweise zu Bäcker und sonstigem Einkauf lieber nach und vor Dämmerung zu verlegen, wenn mehr geräumt und wenigstens ein bisschen gestreut ist. Die Regale und Kühlregale im Supermarkt und Discounter liessen gestern vermuten, dass entweder nach dem Feiertag oder wegen der Schneefälle und des Kälteeinbruches oder beidem gemeinsam akute Hungersnot droht. Für das Wochenende. Und dass nach dem Wochenende alle Supermärkte und Discounter für immer geschlossen oder durch hohe Schneelandschaft und eingeschneite Hungernde unerreichbar bleiben werden. Interessant war, welche Waren allesamt schon am frühen Nachmittag ausverkauft waren und nicht mehr nachgefüllt werden konnten. Weil keine mehr da waren oder weil die Mitarbeiter gar nicht mehr fix genug nachkamen mit dem Wiederauffüllen.

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Ich widerstand dem akuten Wunsch, mich ob solcher Katastrophenzustände in leergeräumten Warenregalen an einem eigentlich normalem Samstag, mit dem Kauf einer Weingummi-Tüte zu trösten. Das war leicht – auch das Regal war leer. Wo sind die Zeiten hin, in denen Menschen nach den Festtagen ächzten über die angefutterten Pfunde und ab Neujahr das Glück des Verzichts auf mehr als 1000 Kalorien per Tag mantrahaft ausriefen und beklagten, wieviele Vorräte sie noch von den Festtagen übrig hätten. So viele, dass sie schier wochenlang davon leben und nicht einkaufen müssten….. Man gebe ihnen EINEN Dreikönigsfeiertag an einem Tag vor dem Wochenende, würze das mit ein bisserl Schneefall und ….schwubbdiwubbs,  rasten sie im Kaufrausch aus, als ginge morgen die Welt unter.

Prepper werden geradezu juchzen vor den prall gefüllten Regalen ihrer Keller und Vorratsräume – das Wetter liefert ihnen eine praktische Gelegenheit der kleinen Generalprobe.

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Der Samstagmorgen beginnt mit noch ein bisserl mehr Schnee. Und eigentlich ist es recht hübsch, sich an einem freien Tag ein bisserl einschneien zu lassen. Ein paar Spielverderber räumen den Schnee dennoch weg (*leises Buhhh*), auch die Schneeräumfahrzeuge sind seit der „Five o‘ Clock Early Morning Tea Time“ brummend in den kleinen Strassen rundum unterwegs. Es ist ein Kampf gegen weitere Schneeflocken, die dicht und stetig und sanft und leise weiterfallen.  Zugegeben, es muss ja auch sein. Es ist wie mit den Schneemengen, denen man stetig Schaufeln und Schneefahrzeuge entgegenstemmen muss, damit sie noch unter Kontrolle bleiben und nach einem kuscheligem Sonntag kein Montagschaos besorgen lassen, wie mit den kleinen Löchern in Socken und Strickwaren oder anderer Kleidung – schliesst man sie nicht umgehend mit Stopfgarn, solange sie noch klein sind, werden sie immer grösser, zu gross, um sie noch stopfen zu können.

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Gut gefüllte Teekanne und Stopfgarn und der Nähkorb füllen den frühen Morgen. Wie in alter Zeit waren es immer schon Wintertage, wo Arbeit auf Feld und im Wald bei Bauern, auf dem Land und im Gebirge ruhten, an denen Ausbesserungs- und Handwerksarbeiten getan wurden. An Dingen und für Gegenstände, die man täglich und nach dem Winter wieder brauchte. So, wie Wintertage auch immer gut passen für manche Strickerei von Joppen und Pullovern, nicht nur solche für die Wintertage.

Gut, wenn Nähkorb und Nähkasten gut bestückt sind für Bedarf, regelmässig nachbestückt parat. Vielen ist es bequemer geworden, Kleidung lieber so billig wie möglich zu kaufen und wegzuwerfen, als auszubessern. Und erschreckend wenige verstehen sich noch auf Umgang mit Nadeln, Faden und Stopf- und anderes Garn. Diametral gegen die vielfach real wie social medial kritisierten low budget Märkte und Kleidungsläden ob deren Auslandsherstellung zu miesen Arbeitsbedingungen in Indien & Co. und Wegwerfqualität stehen die Umsatzzahlen solcher Märkte. Die Klamotten in Wegwerfqualität wandern dann mit dem Feigenblättchen „Gutes zu tun“ in Kleidercontainer  und von dort aus gern wieder in die Dritte Welt, als Müll oder zur anderen Verarbeitung.  Die Altkleiderlüge ist auch eine Lüge, mit der sich nicht wenige selbst belügen.

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Nach den Fingerübungen des Morgens für Sticheleien mit der Näh- und Stopfnadel an Kleidungsstücken, die (wenn man geschickt damit ist) unsichtbar bleiben und tragbar nicht nur daheim, verspricht der schneereiche Sonntag neben einer kleinen Schnee- und Frischluftrunde nachher Zeit genug auch für ein paar andere Werkelarbeiten am Schreibtisch.

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Wen interessiert schon, dass jährlich 20.000 Menschen an Pestiziden sterben, die bei der Billigproduktion von Kleidung eingesetzt werden?

Schizophren mutet die Aufregung um den Verbrauch von Trinkwasser (neben Getreide und Futtermitteln) für Fleischproduktion an, während der Verbrauch von Wasser für Herstellung von Billigkleidung ausgeblendet und ignoriert wird. Umso schizophrener, als Kleidung eigentlich jahrelang halten kann, während Ernährung immerhin ein täglich neu anfallender Bedarf ist. Letzteren muss man nicht täglich mit Fleisch decken, aber wieviel Kleidung bei manchen monatlich und monatlich wieder neu und billig gekauft wird, steht in keinem angemessenem Verhältnis dagegen. Jedes Jahr fallen allein in Deutschland 750.000 Tonnen gebrauchte Kleidung an.

 

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Hand auf’s Herz: Wieviel Kleidung in Ihrem Kleiderschrank ist älter als 1-2 Jahre und wieviel Kleidung kaufen Sie Jahr für Jahr neu und entsorgen Sie jedes Jahr oder unter’m Jahr?

Es ist ein wenig aus der Mode gekommen, womit so mancher von uns noch ganz und gar üblich gross wurde: „Gute Kleidung“ für Sonntag bzw. Arbeits- und sonstigen Alltag draussen und diejenigen Kleidungsstücke, die nach und nach schon etwas in die Jahre gekommen, daheim getragen werden. Auch aufgetragen, das war ganz normal. So, wie Arbeitshosen oder Schürzen bei der Arbeit in Werkstatt, bei Werkelarbeiten, im Haushalt. Spiessig, altmodisch, überholt, überkommen?

 

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Hmmm…. wägen wir ab, wieviel Chemie und fragwürdige Stoffe im Stoff in heute und vor allem billig produzierten Stoffen stecken, aus dem sog. Mode und Bekleidung gemacht wird, die in 10, 20 Jahre alten Kleidungsstücken nicht war und allemal nach ungezählten Wäschen nicht mehr zu finden ist, ziehe ich letztere lieber an und vor. Manchmal staune ich selbst, wie viele Jahre manches meiner Lieblingskleidungsstücke bereits auf dem Leib hat, das den Leib umhüllt, kleidet, wärmt und unvermindert nützlich ist – manche für „draussen“, manche für „daheim“. Bei manchen fällt es mir erst dann auf, wenn ich – wie an solchen Wintertagen auch gut zu erledigen – manches aussortiere und entsorge. Nicht mehr aufbewahrungspflichtige berufliche Unterlagen, aber auch anderes, von dem man sich trennt, das man umräumt und zwischen anderes sortiert. Fotos beispielsweise, auf denen Kleidung zu sehen ist, die auch heute noch im Kleiderschrank hängen und liegen und regelmässig getragen werden.

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Eines der kuscheligsten Kleider, das – heute – mit einer gemütlichen selbstgestrickten Jacke den Sonntag daheim behaglich macht, aus einem weichen Stoff ist ein solches – und seit 18 Jahren gern und oft getragen und bedurfte nicht einer einzigen Ausbesserungsstichelei bislang. Wertschätzung, Werthaltigkeit und Nachhaltigkeit haben Bedeutung erst dann, wenn sie auch und auch tragfähig gelebt werden.

Vor ein paar Tagen habe ich beim Nachkaufen von schwarzem Stopfgarn für ein paar wollene Strumpfhosen ein nettes Gespräch im Wollgeschäft mit seiner Inhaberin geführt über die Wolle für eine neue Joppe  und einen neuen Pullover, die Mengen, die ich dafür brauchen werde. Der Preis der Wolle pro 100 g war für mich weder unerwartet, noch unangemessen, im Gegenteil. Trotzdem nannte sie ihn fast entschuldigend und als bedürfe er der Rechtfertigung, obgleich diese regional hergestellte Wolle kaum teurer als von anderswo importierte und gehandelte Wolle ist und der Preis für die Menge einer Jacke oder eines Pullovers absolut konkurrenzfähig mit den Preisen fertiger Pullover und Jacken aus Wolle ist, die für durchschnittlich gute und oftmals nicht einmal solche Qualität in Kaufhäusern oder Boutiquen – lokal wie online – bezahlt werden. Letztere werden kaum je mehr als wenige Jahre wenn überhaupt getragen. Meine eigenen handgestrickten Pullover und Jacken – Norweger, Jaquard, Aran|Irische, Segelpullover u.a. –  sind teils jünger, teils noch aus meiner Studienzeit und völlig tadellos, sie haben sich vielfach mit ihrer Wolle bezahlt gemacht. Dass selbstgemachte Wollware zudem vielfach lieber und länger getragen wird – nur eine Fussnote unter den Anmerkungen. Aber Lieblingsstücke überleben länger. Mit einer ganz eigenen Wärme.

Allererste Klasse © Liz Collet

Allererste Klasse © Liz Collet

Eine Wärme, die überlebt und anhält und bleibt, selbst dann und viele Jahre nachdem wir mancher Joppe leider entwachsen sind. Wie dieser, die meine Grossmutter für mich gestrickt und mit heissgeliebten sog.  „Katzenaugen-Knöpfen“ bestückt hatte. Sie strickte manches und so manches auch aus Resten von Wolle und aufgeribbelten Wollpullovern und -jacken. Und auch aus sog. Kammgarnresten einer Fabrik, die in verknuddelten Knäueln dort ab- und anfielen und nur entsorgt worden wären. Die wir mühsam entwirrten und zu Knäueln aufrollten und dann häkelnd und strickend verwendeten. Manche in so dünnen Fäden, dass wir sie doppelt legten, aber den fertigen Jacken und Pullis, ebenso wie Puppenpullis, -kleidern und -jäckchen war dies nicht anzusehen.

Wertigkeit ist keine Frage des Marketings. Sollte keine des Marketings sein. Sie sollte alltägliche Normalität sein. Sie beginnt in kleinen Dingen. Und ihrer Wertschätzung.

Einen schönen gemütlichen Sonntag!

Licht, Kerzenlicht, espressotasse, Keramik, Keramikleuchter, Keramikkerzenhalter, Kerzenhalter aus Keramik, Tasse, © Liz Collet

Gemütliche Stimmung in der kleinen Lindenburg © Liz Collet

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