Gut gebrüllt, Löwe!? Oder: wie der Löwe „urbayerisch“ wurde

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Löwe und St. Kajetan © Liz Collet

Der Löwe. Hier vor der Feldherrnhalle und der Theatinerkirche in München. Aber auch sonst vielfach und (vermeintlich) allgegenwärtig als Symbol besonders in Bayern. Thronend, gleichsam, majestätisch selbst da, wo er „nur“ neben den Repräsentanten Bayerns, wie der Bavaria auf der Theresienhöhe steht. Oder an Portalen von Schlössern oder Residenzen.
Ein Glückssymbol jene vier Löwen vor der Residenz, die nach einem hübschen Aberglauben der Münchner  Wünsche in Erfüllung gehen lassen, wenn man den Löwenhäuptern das Löwenmaul reibt.

Der Löwe ist namensstiftend für die Bezeichnung „die Löwen“ der Fussballer eines DER Münchner Fussballvereine, in deren Wappen er als schwarzer Löwe steht: Der Turn- und Sportverein München von 1860 e. V., kurz TSV 1860 München, oft auch als Münchner Löwen oder (wie alteingesessene Münchner sagen) D’Sechzger bezeichnet. Ein Sportverein in München, der im Stadtteil Giesing seine Heimat und Wurzeln hat.

Mag ihm auch nicht der gleiche Erfolg im Laufe der Zeit geblieben und beschieden sein, wie dem zweiten der Münchner Fussballvereine – für „echte Münchner“ war es ausgemachte Sache, dass das Herz für D’Sechzger schlug und schlägt. Unverwüstlicher als deren Erfolge, bien entendu – Löwenherzen, eben.

Eines der Löwenherzen, die an der Isar schon oftmals Geschichte schrieben.

 Gründungsgeschichte gelegentlich auch. War es doch auch einer mit dem Beinamen „der Löwe“, der Kirche und bis dahin geltendem Recht trotzend mal eben die Isarbrücke bei Feringa (bei Oberföhring) zerlegen liess. Jene Brücke, die unter dem Brücken- und Zollrecht im Gebiet des Bischofs Otto von Freising stand. So dass mit der Zerstörung der Brücke die wichtige Fernstraße des Salzhandels von Reichenhall nach Augsburg perdu war.

Heinrich der Löwe versuchte so, dem Bischof von Freising die Einnahmen aus dem Brücken- und Marktzoll zu entziehen. Markt, Zoll und Münzstätte des Bischofs wurden so geschlossen und einige Kilometer entfernt auf dem Territorium Heinrichs des Löwen bei Munichen verlegt, um hier auf der Handelsstraße von Salzburg nach Schwaben den Zoll zu vereinnahmen.

Der weitere Verlauf ist Geschichte. Auch Stadtgründungsgeschichte mit dem dafür offiziell geltendem Datum 1158, als München urkundlich im Augsburger Schied erwähnt wird. Obgleich der Ort Munichen bereits zuvor bestand und damit nicht gegründet wurde. Der Augsburger Schied ist die am 14. Juni 1158 abgefasste Urkunde von Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Das Original wird im Hauptstaatsarchiv München aufbewahrt. Mit ihr erteilte Kaiser Friedrich I. Barbarossa beim Reichstag zu Augsburg Herzog Heinrich dem Löwen im Streit mit Bischof Otto I. von Freising das Recht, eine Zollbrücke über die Isar am Ort „apud Munichen“ zu betreiben.
München wurde das Markt- und Münzrecht bestätigt, musste aber ein Drittel der daraus resultierenden Einnahmen an den Freisinger Bischof abführen. Ob man den Augsburger Schied als Rechtsakt Barbarossas über die beiden Kontrahenten sehen oder als „bloss“ von ihm beurkundeten „Augsburger Vergleich rechtlich und rechtshistorisch auslegen kann und will, darüber bestehen unterschiedliche Deutungen, doch das ist eine andere Geschichte.

Der Bayern im Vereinsnamen tragende andere Fussball-Verein trägt hingegen zwar die weissblaue Raute in Vereinssymbol, aber keinen Löwen, wie manchmal irrig geglaubt wird.

Löwen sind DAS Wappentier Bayerns. Jedenfalls DAS Wappentier, welches Menschen nach dem Wappen befragt gleich nach oder neben der weiss-blauen Raute überwiegend auf Anhieb benennen.

Mal ist dann von EINEM Löwen als Wappensymbol die Rede, mal von zweien.

Diese beiden Elemente – weissblaue Raute und Löwe – sind die häufigsten Assoziationen, die spontan genannt werden. Dass im Bayerischen Wappen tatsächlich noch mehr Elemente und zudem auch eigentlich noch weitere Tiere abgebildet sind oder wofür diese stehen, ist dann schon nur noch einem kleineren Teil der Befragten wenn überhaupt bekannt.

Bayern © Liz Collet

Bayern © Liz Collet

Im heutigen Grossen Bayerischen Staatswappen sind es tatsächlich zwei goldene und rotbewehrte (mit roten Krallen dargestellte) Löwen, welche das mittlere Element des Wappens (die sog. Volkskrone, heute Symbol für die Volkssouveränität) haltend einrahmen.

Dabei ist der Löwe im bayerischen Wappen quasi Bayerns prominentester Zugereister, kam er doch hierher, als die Wittelsbacher fern von Altbayern im Jahr 1214 Pfalzgrafen bei Rhein wurden. Seitdem veränderte sich das bayerische Wappen mehrmals. In Bayerns Schlössern und Burgen sind all diese Wappen zu entdecken. Sie erinnern an zentrale Etappen der bayerischen Geschichte.

Die  von beiden goldenen Löwen gehaltene und präsentierte Volkskrone setzt sich zusammen aus einem gevierten (also: aus vier gleich grossen Teilen bestehendem) Schild mit dem sog. Herzschild in der Mitte.

Dieses Herzschild in der Mitte zeigt die weiss-blaue Raute.

Die Volkskrone hat einen am oberen Rand einen mit roten und blauen Steinen geschmückten goldenen Reifen, der mit fünf ornamentalen Blättern besetzt ist. Die Volkskrone, die sich erstmals im Wappen von 1923 findet, bezeichnet nach dem Wegfall der Königskrone symbolisch die Volkssouveränität

Mit den beiden goldenen Löwen beidseits achten viele wenig(er) auf die vier Elemente des Schildes selbst. Befragt man Menschen nach dem Wappen, wird gelegentlich sogar nur das weiss-blaue Schild mittig mit beiderseitigem oder einem goldenen Löwen als Symbol genannt, die vier Elemente selbst sind nicht jedem so präsent, wie sie ihm auffallen, wenn man ihm das Wappen zeigt.

So ist eher wenigen bewusst und fällt eher wenigen der blaue, goldbewehrte Panther auf silbernem (bzw. weiss erscheinendem) Grund auf, der im unteren linken Quadranten des Schildes zu sehen ist. Manchen mutet er weniger als Panther, denn als Löwe oder Drachen an in seiner Form und mit der roten Zunge, die mit der gespaltenen Form für sie aussieht, als würde Feuer gespien. Dieser blaue Panther wurde ursprünglich im Wappen der in Niederbayern ansässigen Pfalzgrafen von Ortenburg geführt und erst später von den Wittelsbachern übernommen. Im heutigen Grossen Bayerischen Staatswapppen steht der blaue Panther für die altbayerischen Regierungsbezirke Niederbayern und Oberbayern.

Der goldene Löwe im schwarzen Feld (im oberen linken Quadranten des Schildes) war ursprünglich das Symbol der Pfalzgrafen bei Rhein. Nach der Belehnung des bayerischen Herzogs Ludwig im Jahre 1214 mit der Pfalzgrafschaft diente es jahrhundertelang als gemeinsames Kennzeichen der altbayerischen und pfälzischen Wittelsbacher. Ab 1923 stand der aufgerichtete, goldene und rotbewehrte Pfälzer Löwe im heraldisch rechten oberen Feld für den Regierungsbezirk Oberpfalz, bis 1945 auch für die Rheinpfalz. Seit 1950 steht er im linken oberen Feld.

Das Feld im rechten oberen Quadranten zeigt in Rot drei weiße (silberne) Spitzen. Dieses Symbol wird auch „Fränkischer Rechen“ genannte. Es wurde seit etwa 1350 als Wappen einiger Orte des Hochstifts Würzburg und seit 1410 auch in den Siegeln der Fürstbischöfe verwendet und steht heute im Grossen Bayerischen Wappen für die fränkischen Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken.

Im vierten Feld (rechter unterer Quadrant) sind auf Gold drei übereinander angeordnete, herschauende, schwarze und rotbewehrte Löwen zu sehen. Eigentlich sind es Leoparden. Sie gehen zurück auf das alte Wappen der Staufer, der einstigen Herzöge von Schwaben und repräsentieren mit diesem Symbol auch den Bezirk Schwaben.

Interessant ist auch, dass in den Wappen der sieben bayerischen Bezirke neben jeweils weiteren symbolischen Elementen als Wappentier der Löwe „nur“ drei Mal zu sehen ist – und zwar in den dreien, deren Namen mit „Ober-“ beginnt: Oberbayern, Oberpfalz, Oberfranken (was man sich so als „Eselsbbrücke“ leicht merken kann). Ein jeweils goldener Löwe in Oberbayern und Oberpfalz, ein schwarzer Löwe in Oberfranken. Das niederbayerische Berzirkswappen schmückt ein roter Panther, Mittelfranken und Schwaben zieren Adler, Unterfranken der bereits erwähnte Fränkische Rechen und als einzigem Bezirkswappen kein Wappentier.

Spannend und faszinierend ist – nicht nur geschichtlich – daher eine derzeit in Füssen zu sehende Wanderausstellung  der Bayerischen Schlösserverwaltung. Sie bereist die Regionen Bayerns mit einer großen Wanderausstellung über Bayerns beliebtes Wappentier, die in den Schlössern und Burgen jeweils für etwa sechs Wochen Station machen wird.

Die Ausstellung ist seit 16. September und noch bis 13. November 2016 in Füssen zu besichtigen.

Zur Ausstellung, die derzeit in Füssen zu sehen ist (weitere Termine und Orte der Wanderausstellung HIER):

Der Löwe als heraldisches Symbol ist kurpfälzischen Ursprungs und stand darüber hinaus jahrhundertelang für Altbayern. Der Löwe in seiner Rolle als Symboltier betrachtet steht für Eigenschaften wie Stärke, Mut, Würde und Autorität.
Symboltier des Landes Bayern wurde er besonders im 19. Jahrhundert und bildete als solches eine Alternative – oder wenn man so will: Gegenpol – zum preußischen Adler.

Für die Wanderausstellung werden Löwen aus den verschiedenen bayerischen Regionen, aus unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Materialien zusammengeführt. Die ausgewählten Exponate stellen eine „Menagerie bayerischer Löwen“ dar und erzählen unterschiedliche Geschichten zu ihrer Herkunft, Bedeutung und Funktion.

Themenschwerpunkte der Ausstellung bilden die Funktion des Löwen als Hüter des Hauses, seine heraldische Herkunft als pfälzischer Löwe, sein Ruf als König der Tiere und seine reale Präsenz in den Menagerien der Renaissance als Tier der Könige.

Zudem wird die Verbindung zu Herkules mit dem nemeischen Löwen als beliebtem Herrscherideal im Absolutismus und zu Herkules als postulierter Ahne der Wittelsbacher deutlich. Im 19. Jahrhundert erschien der Löwe häufig als Begleiter der Bavaria und bediente in Karikaturen die Klischeevorstellungen über Bayern.

So setzte  auch das Wahlplakat einer Partei mit einem Reißnagel unter dem leicht angelupftem Gesäss des Löwen um Wähler werbend an und gefiel sich in der Rolle des Reißnagels, der Bayerischen Regierung und deren Partei unter dem Löwenpopo stichelnd das Gefühl geben zu wollen, sich nicht allzu bequem sitzend und behaglich ungestört in der Regierungsmacht zu fühlen. Motto: Kleiner Reissnagel kann grossen Löwenpopo bewegen.

Gut gebrüllt, Löwe, pardon: gut gebrüllt, kleiner Reißnagel!

À proPOs, also…à propos „Brüllen“ und „Löwe“…das können Sie dort sogar ausprobieren und üben. In der Brüllkabine. Dort  können junge und alte Löwen und Löwinnen testen, ob sie es mit dem bayerischen Löwen aufnehmen können.

Die Wanderausstellung gibt Erwachsenen wie Kindern nicht nur in dieser die Möglichkeit, in geradezu spielerischer Weise viel über die Geschichte Bayerns erfahren. Kinder und Jugendliche können unter anderem auch mit einem Quiz auf Löwensafari gehen.

 Themen der Ausstellung:

  • Im Zeichen des Löwen – Der Löwe als bayerisches Wappentier
  • Herkules in Bayern – Phantastischer Ahnherr und Herrscherideal
  • König der Tiere – Tier der Könige
  • Der bayerische Löwe – Das Tier an Bayerns Seite
  • Hic sunt leones – Löwen allerorten

Weitere Informationen:

  • Die Ausstellung ist im Eintrittspreis des Museums der Stadt Füssen enthalten. Schulklassen und Kinder unter 7 Jahren erhalten freien Eintritt.
  • Jeden Sonntag um 14.00 Uhr wird eine öffentliche Führung durch die Ausstellung angeboten (ohne Aufpreis).
  • Führungen in Englischer Sprache finden an folgenden Sonntagen um 14.15 Uhr statt: 25. September, 2., 23. und 30. Oktober, 6. und 13. November.
  • Außerdem besteht die Möglichkeit, exklusive Führungen auf Deutsch und Englisch zu buchen. Die Kosten betragen pro Führung 30 Euro (Englisch 40 Euro) zuzüglich eines reduzierten Eintrittspreises von 4 Euro pro Person. Melden Sie sich dafür bitte beim Kulturamt der Stadt Füssen
    Tel. +49 (0)8362-903-146 oder kultur@fuessen.de

Weitere Informationen finden Sie zur Löwenausstellung HIER.

Museum der Stadt Füssen
Barockkloster St. Mang, Lechhalde 3, 87629 Füssen
+49 (0)8362 903146
kultur@fuessen.de
www.museum.fuessen.de

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