Ortsspaziergänge durch Murnau: Das Alte Postamt und ein famoser Landschaftsgärtner

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet,Zweigeschossiger historisierender Satteldachbau mit Treppengiebeln und Fassadenmalerei, von Franz Holzhammer, bezeichnet 1923, Denkmalliste, Denkmal, Baudenkmal, Denkmalschutz, Bahnhofstrasse 1, D-1-80-124-8

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet

Diese schöne Fassadenmalerei ist am Alten Postamt an der Bahnhofstrasse 1 zu sehen, das seit einigen Jahren leider nicht mehr als Postamt fungiert und durch eine Poststelle im Eingangsbereich des Supermarktes Feneberg ersetzt wurde. Um Irrtümern zu begegnen – Bahnhofstrasse 1 liegt nicht direkt am Murnauer Bahnhof. Die Zählung der Hausnummern beginnt wie üblich bei Strassen dem Ortskern am nächsten gelegen. Gleich nebenan an der Kohlgruber Strasse sind im Kultur- und Tagungszentrum (KTM) auch Infos für den Gast und Touristen zu erlangen.

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet,Zweigeschossiger historisierender Satteldachbau mit Treppengiebeln und Fassadenmalerei, von Franz Holzhammer, bezeichnet 1923, Denkmalliste, Denkmal, Baudenkmal, Denkmalschutz, Bahnhofstrasse 1, D-1-80-124-8

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet

“Postamt” ist ein dehnbarer Begriff heutzutage und ein bisserl old school auch. Denn “amtlich” ist die Post seit ihrer Privatisierung vor geraumer Zeit eh nicht mehr wirklich zu nennen. Und so mancher mehr oder weniger kleinere Ort hat damit zu kämpfen, wenn Mitarbeiter derjenigen Poststellen ausfallen, welche eigentlich dort arbeiten, wie im “Zwei-Seen-Land” (Kochelsee und Walchensee) immer mal wieder (siehe hier und da und dort)

 
Altes Postamt in Murnau © Liz Collet,Zweigeschossiger historisierender Satteldachbau mit Treppengiebeln und Fassadenmalerei, von Franz Holzhammer, bezeichnet 1923, Denkmalliste, Denkmal, Baudenkmal, Denkmalschutz, Bahnhofstrasse 1, D-1-80-124-8

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet

In Murnau gab es einst jenes hübsche  Postamt in den hier zu sehenden Bildern, das ich noch lebhaft besucht kenne, als wir seit 1992 hier im Blauen Land jedes Jahr im Winter und auch oft im Sommer und zwischendurch mal Urlaub machten oder sonst auf einen Ausflug hergekommen sind.

Das Gebäude des Postamtes steht – auch nachdem es seit 2010 nicht mehr als Postfiliale betrieben wird –  noch und zwar vis-à-vis des Kultur- und Tagungszentrums an der Kreuzung Kohlgruber-Bahnhofstrasse/Burggraben/Postgasse. Genauer: auf der Ecke Bahnhofstrasse/Kohlgruberstrasse selbiger Kreuzung. Nicht nur  dort wird derzeit in Murnau rege alles an Strasse und Erdboden aufgerissen, was Bagger und Bauschaufeln hergeben, weil auch vor dem Kultur- und Tagungszentrum alles ein bisserl schöner werden soll. Auch an anderen Ecken, Flecken, Strassen und engen Gassen wird geschaufelt, gebaut und mit dem Kran auf- und teils abgerissen und gewerkelt. Das muss so sein, damit uns erstens nicht langweilig wird, wenn der Verkehr gar ohne Hürden und Baustellen fliessen und fahren könnte, ohne Grund zum Granteln und Brummeln zu haben. Sondern auch damit es immer noch a bisserl schöner wird, hier am Ort und für Sie und uns.

Wie man unschwer konstatieren kann, ist es bis dahin dann noch ein wenig Arbeit und auch an Zeit, die es braucht, bis dieses Ziel erreicht ist.

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet,Zweigeschossiger historisierender Satteldachbau mit Treppengiebeln und Fassadenmalerei, von Franz Holzhammer, bezeichnet 1923, Denkmalliste, Denkmal, Baudenkmal, Denkmalschutz, Bahnhofstrasse 1, D-1-80-124-8

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet

 

Davon lassen wir uns aber nun nicht abschrecken, auch nicht von dem Lindwürml, welches an der Fassade prangt und dieselbe und das Gebäude gegen die Bagger zu verteidigen grimmig gestimmt und gewillt scheint.

Sondern sehen uns – wenn schon dem Bauzaun geschuldet nicht näher an das Gebäude herankommend –  eben auf Bildern die Details an, welche 300 mm Linsen meiner Kamera erlinsen lassen.

Das historische Postamt in Murnau wurde von den Münchener Architekten Franz Holzhammer, Robert Vorhoelzer und Sigmund Schreiber erbaut. Das Gebäude besitzt ein Wandgemälde um das spitzbogige Portal, das den Blick lohnt.

Wundersames Getier zu Füssen des Postboten mit seiner Posttasche und Posthorn auf selbiger und an der Seite und dem Brief mit Siegel in der Hand und seines Rosses fällt manchem andernfalls nicht oder erst nach genauerer Betrachtung ins Auge, welches über den Bogen zu dessen Spitze zu klettern scheint. Im Hintergrund eine Eberesche, die ugs. gern als Vogelbeerbaum bezeichnet wird und 1997 Baum des Jahres war, trägt reichhaltig rote Früchte. Diese – verarbeitet auch für den Menschen ein schmackhafter Genuss –  werden gern von Vögeln und Eichkatzerln genascht. Doch nach Eichhörnchen sieht das wundersame Getier im Bild unten rechts am Spitzbogen auch nicht recht aus.

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet,Zweigeschossiger historisierender Satteldachbau mit Treppengiebeln und Fassadenmalerei, von Franz Holzhammer, bezeichnet 1923, Denkmalliste, Denkmal, Baudenkmal, Denkmalschutz, Bahnhofstrasse 1, D-1-80-124-8

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet

Allenfalls das direkt unter der Bogenspitze rechts zu sehende Tier mutet einem Hasen gleich an. Die übrigen kann man bei den einen für Haselmäuse und Siebenschläfer, (welche die Eberesche als Lebensraum und Nahrungslieferanten schätzen), beim anderen vielleicht als Biber zuordnen. Letzterer wegen des breiten Schwanzes und weil diese früher wie inzwischen wieder in der Gegend leben. Manche bereiten einigen Bäumen Ärger und sorgen für Diskussionsstoff.

In einem Bilder-Vortrag zeigt am Mo 10. Oktober 2016 , 20.00 – 21.30 Uhr im Gasthof Stern in Seehausen am See der Referent Dr. Volker Zahner was für ein famoser Landschaftsgärtner der Biber ist oder sein kann und welche Möglichkeiten der Landschaftsgestaltung Biber bieten. Biberreviere in Murnau und Umgebung sind im Murnauer Moos, im Seidlpark und an der Ach.

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet,Zweigeschossiger historisierender Satteldachbau mit Treppengiebeln und Fassadenmalerei, von Franz Holzhammer, bezeichnet 1923, Denkmalliste, Denkmal, Baudenkmal, Denkmalschutz, Bahnhofstrasse 1, D-1-80-124-8

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet

Ein Adler darf beim früheren Postamt natürlich seinerzeit auch nicht fehlen, der manchem den Weg erleuchten sollte, wo die Post abzugeben und abzuholen sei.

Im Motiv rechts der Pforte und des Spitzbogens lassen sich Kohlmeisen in den Zweigen entdecken und mutmassliche Gimpel, also Dompfaffen und ein Fink oder Spatz. Ob es sich bei diesem Baum rechts an der Fassade um Schlehe nach den Blättern handelt und wegen der blauen Früchte in ihrer den Vogelbeeren gleichenden Dolde um eine blaue Fruchtform, um Apfelbeeren , schwarze Vogelbeeren | Schwarze Eberesche ,  Zwergvogelbeeren, konnte ich (bisher noch) nicht herausfinden.

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet,Zweigeschossiger historisierender Satteldachbau mit Treppengiebeln und Fassadenmalerei, von Franz Holzhammer, bezeichnet 1923, Denkmalliste, Denkmal, Baudenkmal, Denkmalschutz, Bahnhofstrasse 1, D-1-80-124-8

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet

Vor dem Postamt stand bislang noch eine der wenigen Telefonzellen. Augenblicklich ist auch dieses der Baustelle gewichen – ob es anschliessend wieder dort stehen wird – chissà, wer weiss das schon.

Die meisten Telefonzellen schwinden aus dem öffentlichen Raum, weil – vermeintlich – eh jeder ein eigenes Telefon in der Tasche habe. Dass man auf solche hin und wieder aus mehr oder weniger planbaren oder unvorhersehbaren Gründen angewiesen sein kann, habe ich nach meinem Umzug hierher erlebt. Und die Telefonzelle vor dem Alten Postamt war mir da so sehr Hilfe, wie ein Internetzugang, den ich in der kleinen Bücherei nutzen durfte, die gegenüber im Kultur- und Tagungszentrum zu finden ist.

Manche Telefonzellen werden neuen Karrieremöglichkeiten gewidmet – als öffentliche kleine Leihbüchereien. Dazu wird manchernorts von Kindern für’s ganze Dorf und seine Gäste unter Anleitung des Holzbildhauers Johannes Volkmann (Papiertheater Nürnberg) geschnitzt, bis eine wönzögö, aber bildschöne Dorfbücherei in einer Telefonzelle am und in Riegsee fertig ist und die ersten Bücher einziehen können. Die dann durch viele  Hände neugieriger Bücherwürmel im Blauen Land des grünen Lindwürmels gehen und von vielen gelesen werden und getauscht und wieder eingestellt, um den nächsten Freude zu machen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Dazu – psssssssssssttt…. stille Post! –  demnächst noch ein eigener Beitrag hier im Blog. Denn auch die Blogkritzlerin hat ein paar Bücher aus dem Regal gesucht, die demnächst bei einem neuen Spaziergang hinüber an den Riegsee in die kleine Dorfbücherei mitwandern dürfen.

Das frühere Postamt in Murnau steht vis-à-vis der Bücherei im Kultur- und Tagungszentrum, so dass die vormals am Postamt stehenden Telefonzellen wohl nicht auf eine ähnliche Karriere hoffen dürfen.

Das alte Postamts-Gebäude ist in der Denkmalliste eingetragen und stellt mit seinem zweigeschossigen, historisierendem Satteldachbau mit Treppengiebeln und Fassadenmalerei ein besonders schönes Stückerl Architektur in Murnau dar, das der Architekt Franz Holzhammer schuf. Holzhammer schuf eine Reihe von Bauwerken im Besonderen für Postgebäude, mehr über ihn hier.

Und wo dieser Drache zu sehen ist, dieses Rätsel ist hiermit nun auch aufgelöst.

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet,Zweigeschossiger historisierender Satteldachbau mit Treppengiebeln und Fassadenmalerei, von Franz Holzhammer, bezeichnet 1923, Denkmalliste, Denkmal, Baudenkmal, Denkmalschutz, Bahnhofstrasse 1, D-1-80-124-8

Altes Postamt in Murnau © Liz Collet

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2 Antworten zu “Ortsspaziergänge durch Murnau: Das Alte Postamt und ein famoser Landschaftsgärtner

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