Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft Murnau e.V.: Sportschießen für Gäste

Schlossmuseum Murnau© Liz Collet

Schlossmuseum Murnau© Liz Collet

Unlängst wurde am wenige Schritte entfernt liegendem Schützenplatz dessen Umgestaltung abgeschlossen und mit der Einweihung eines kleinen Brunnens mit Segnung von Diakon Klaus Remlinger und Pfarrerin Simone Feneberg neben einer Bank abgerundet. Nun verströmt er in Katzensprungweite leise plätschernd sommerliches Flair und lockt rund um das Wegkreuz

Wegkreuz am Schützenplatz © Liz Collet

Wegkreuz am Schützenplatz © Liz Collet

und die daneben liegenden Gärten und Anwesen nach wie vor nicht nur zur abendlichen Stunde so manche Katze zum Stelldichein an.

Nachbarn auf leisen Pfoten © Liz Collet

Nachbarn auf leisen Pfoten © Liz Collet

Den Bericht zur Einweihung mit Bild, in dessen Hintergrund Sie den Einsiedlweg zum Bäckermeister Erl sehen (hier der umgekehrte Blick Richtung Schützenplatz)

Bäcker.Meister, Meister.Bäcker © Liz Collet

Bäcker.Meister, Meister.Bäcker © Liz Collet

und das Hinweisschild für den Katzensprung zum Schloßmuseum nach rechts, lesen Sie hier.

Dieser Schützenplatz verdankt seinen Namen einer weit zurückreichenden Geschichte eines der Vereine Murnaus und einem Brauchtum, das über Generationen hinweg von Murnauer Familien und Bürgern gepflegt wird. Dazu gleich mehr.

Am morgigen 26. August 2016 lädt die Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft Murnau e.V. um  18.00 Uhr Murnaus Gäste sowie Interessierte zum Sportschießen ein. Zugleich haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Murnauer Marktmeisterschaften haben die Möglichkeit, diese Veranstaltung als zusätzliches Training zu nutzen. Das Schützenhaus liegt direkt am Staffelsee an der „Murnauer Bucht“ und auch in unmittelbarer Nähe zur Anlegestelle der Staffelsee-Rundfahrt am Achele.

Die Schießhalle verfügt über zweimal 8 übereinanderliegende Stände, davon
– 3 Armbruststände 10 m kombiniert
mit Luftgewehr (LG)
– 2 Duellanlagen für Luftpistole (LP)
– 1 Simulatoranlage für Trainigsschießen
ohne Munition

Die gemütliche neue Schützenstube ist für 25-30 Personen ausgelegt. Durch ein großes Fenster sieht man direkt auf den oberen Schießstand. In der alten Schützenstube haben 30-40 Personen Platz . Auserdem gibt es einen für Feiern geeigneten Schützensaal, der ebenfalls problemlos zu einem Schießstand mit 6 Ständen umgebaut werden kann.

Interessierte finden auch eine Dauerausstellung über

  • Graf Arco und die Befreiung Murnaus im Jahre 1809
  • 125 Jahre Schützenhaus Einweihung im Jahr 1877

Die Geschichte der königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Murnau kennt kein exaktes Gründungsdatum, doch die belegbaren Daten zeigen eine mehrere Jahrhunderte zurückreichende Geschichte und Brauchtum, das nachweisbar mehr als 250 Jahre umfasst:

Entstanden ist der Verein aus politischen Gegebenheiten heraus. Erstmals Erwähnung fanden die Schützen zu „Murnaw“ im “Lobspruch des Großen Schießens zu München” im Jahr 1577 urkundlich als Teilnehmer.  Dieses Dokument weist die kgl. priv. Feuerschützengesellschaft als den ältesten urkundlich erwähnten Verein Murnaus aus, der demzufolge bereits vorher bestanden haben muss. Von da an gibt es für die nächsten 200 Jahre keine erhaltenen Urkunden. Es wird vermutet, dass ältere Schriftstücke bei den großen Marktbränden zerstört wurden.

Erst 1758 richteten die Schützen des “gefreyten Marktes Murnau” eine Bittschrift an die Obrigkeit, statt der geforderten 15 Florentiner Gulden nur 5 fl. zahlen zu müssen. Dies wurde ihnen befristet gewährt. In der Folgezeit ist ein fragmentarischer Schriftverkehr und Urkunden bis in die Gegenwart erhalten. Aus diesem Grunde bezog man 2008 das 250. Gründungsfest auf diese Jahreszahl.

Mit der Wandlung der Zielsetzung des Vereins von der gemeinsamen Waffenübung zum reinen Sportverein stieg auch die Mitgliederzahl von 38 im Jahre 1797 auf 150 zu Beginn des Jahres 2000. Eine Besonderheit des Murnauer Schützenvereins ist die traditionelle Mitgliedschaft über Generationen hinweg. So sind alte Murnauer Bürgerfamilien bereits in der 5. Generation Vereinsmitglied.

Über Jahrhunderte hinweg wurde der Verein vom Engagement seiner Schützen getragen. Dies schloß aber nicht das Interesse von Personen öffentlichen Lebens an einer Mitgliedschaft aus, zu denen Herzog Max Emanuel von Bayern, die Grafen Alfred und Alban von Quadt-Wükradt, Erbgraf Otto von Quadt-Isny, Prinz Philipp von Thurn und Taxis Hohenberg, mehrere Murnauer Bürgermeister, Pfarrer Adam Pessenbacher oder Prof. Dr. Max Dingler und viele andere zu zählen sind.

Die Mitgliedschaft für den Murnauer Adel wie z.B. die von Poschinger, von Treuberg oder von Seubert war genauso selbstverständlich wie die Mitgliedschaft nahezu aller Murnauer Bürger, Kaufleute, Handwerker und Bauern.

Mit der neuen Schützenordnung von 1868 entfielen öffentliche Aufgaben, aber auch der “Schützenvorteil”, also die Gestellung der Schießanlage am Schützenplatz von der aus in Richtung Eichholz geschossen wurde, der Unterhalt des Schützenstadels und Zuschüsse zu Büchsen, Pulver und Blei.

Am 18. Januar 1870 beschloss man eine Neugestaltung der Schützengesellschaft und auch der Schützenplatz war durch die zunehmende Bebauung in seiner Umgebung für die weitere Ausübung des Schießsports nicht mehr geeignet.

Zu dieser Zeit erwarb man daher ein Grundstück am Staffelsee auf Seehauser Flur, baute ein neues Schützenhaus und weihte es 1877 mit einem großen Festschießen ein.

Allerdings erwies sich das Grundstück zum Schießen als zu klein. Zwar mochte der Grundstücksnachbar nicht verkaufen, fand sich aber (wir gehen davon aus: ohne vorgehaltene Waffen) dazu bereit, zwei Enklaven zur Errichtung eines Scheiben- und eines Sau-Stands abzugeben.

Nach der Grenzbereinigung mit der Gemeinde Seehausen steht das Murnauer Schützenhaus schlussendlich nun auf Murnauer Flur.

Der Zuspruch zum Schießsport bei den Murnauern war gross und der zunächst nicht vorhergesehene Ansturm auch auswärtiger Schützenkameraden zu  zahlreichen Fest-, Gedächtnis- und Wettkampfschießen ließ das Schützenhaus bald zu klein werden und machte den Anbau einer Schießhalle 1890, die Erweiterung um eine Schützenstube 1898 und die Vermehrung der Schießstände 1905 erforderlich.

Nicht realisiert wurde hingegen die geplante Verlegung der gesamten Schießsportanlage 1921 ins Murnauer Moos neben dem Ähndl.

Nachdem die FSG Murnau im letzten Kriegsjahr gezwungen war, ihr Schützenhaus als Notunterkunft zu vermieten, liessen die Mieter es völlig verkommen.

So war erneut Engagement der Schützenkameraden zur Renvoierung des Schützenhauses 1950 für seine eigentliche Bestimmung erforderlich, der 1959/60 ein großzügiger Umbau folgte.

Dennoch war die der Renovierung 1960 zugrunde liegende Bausubstanz des Gebäude-Hauptteils aus dem Jahre 1877 mittlerweile so marode, dass nur noch ein Teilabbruch mit anschließendem Neubau die Situation retten konnte.  In einem – von der Planung bis zur Fertigstellung – nahezu 10 Jahre dauerndem Kraftakt leisteten die Vereinsmitglieder nahezu 9000 Arbeitsstunden, unterstützt von ortsansässigen Handwerkern, Firmen, Gönnern und Spendern.

So wurde am 24. Oktober 1998 von der FSG Murnau nun kein Schützenhaus mehr, sondern ein allen modernen Anforderungen entsprechendes Sportzentrum eingeweiht.

Schützengesellschaften schießen nicht nur – sie sind und waren über Jahrhunderte hinweg Träger von Tradition und Brauchtum. So hat die kgl. priv. Feuerschützen-Gesellschaft Murnau es auch immer als ihren Auftrag gesehen, bei Jubiläen, Festen, Feiern, Umzügen und Begräbnissen zu repräsentieren.
Eine Besonderheit des Murnauer Schützenheims ist die große Sammlung künstlerisch anspruchsvoll gestalteter und gut erhaltener Schützenscheiben. Aus ihnen sprechen rund 200 Jahre Murnauer Geschichte. Die älteste Schützenscheibe datiert von 1810.

Ein Glücksfall für den Verein war der Maler Carl Spitzweg, der anlässlich einer Sommerfrische in Benediktbeuern oft nach Murnau kam. Er malte 1854 den Murnauer Schützen eine Vereinsfahne auf einen Hopfensack. Sie hängt heute, wohl restauriert, als Leihgabe beim Bayerischen Sportschützenbund in Hochbrück.

All diese Kostbarkeiten verdankt die kgl. priv. Feuerschützen-Gesellschaft Murnau ihrem damaligen 1. Schützenmeister Jakob Lettenbichler, welcher 1945 noch kurz vor der Beschlagnahme des Schützenhauses rettete, was zu retten war. Er räumte das Schützenhaus völlig aus und verteilte den Bestand incl. aller erhaltenen Schriftstücke, Urkunden und Pokale auf Privathäuser, befreundete Familien und geheime Verstecke. Damit entzog er den unersetzlichen Bestand dem Zugriff durch Beschlagnahme, Plünderer und Diebe. Wie er dies schaffen konnte ist bei der Fülle des Materials heute noch ein Rätsel.

Umso trauriger ist der Verlust von 11 Scheiben aus dem Zeitraum 1800 – 1900, welche 1988 bei einem Einrbuch gestohlen wurden.

Jakob LETTENBICHLER war es auch, der die Schützengesellschaft nach dem Umbruch 1945 auch ohne aktiven Schießbetrieb als Verein weiterführte, indem er alle Grundabgaben zahlte, sowie weiterhin Miete kassierte und verbuchte.

Im Kassabuch des Vereins sind die letzten Buchungen während des Krieges mit Datum vom 12. April 1945 eingetragen und die ersten unter amerikanischer Besatzung bereits wieder am 26. Mai 1945.  Hätte er dies nicht getan, wäre die Schützengesellschaft, wie viele andere, erloschen und das Prädikat “königlich privilegiert” auch nach einer späteren Wiedergründung nach der geltenden Rechtsprechung verloren gewesen. Die FSG Murnau wurde die folgenden Jahre als Verein weitergeführt und hat 1949, drei Monate nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland, den Schießsport – allerdings damals nur mit Luftdruckwaffen – wieder aufgenommen.

Quelle: Auszüge des Beitrags zur Murnauer Chronik
Im Original zusammengestellt von Dr. Maximilian Kellner, FSG Murnau
Der ungekürzte Beitrag ist beim Vereinsvorstand erhältlich

Quelle: Auszüge des Beitrags zur Murnauer Chronik (PDF) und hier abrufbar.

Am 26.8.2016 können nun Gäste auf Einladung der FSG Murnau am Sportschießen teilnehmen. Für eine Einlage von 4 Euro werden fünf Probeschuss und zehn Schuss für die Wertung auf die Ring- oder Wildscheibe gemacht. Weitere Schuss können nachgekauft werden. Geschossen wird stehend aufgelegt mit Luftgewehren des Vereins. Das Mindestalter beträgt 12 Jahre.

Gäste erhalten das Gästeschießabzeichen der Königlich priviligierte Feuerschützengesellschaft Murnau e.V. bei Erreichen folgender Ringzahlen:

  • ab 80 Ringe in Bronze
  • ab 86 Ringe in Silber
  • ab 92 Ringe in Gold

Bei einer Beteiligung von mindestens fünf Schützinnen und Schützen wird eine Ehrenscheibe ausgeschossen.
Informationen erhalten Sie auch auf der Website der Königlich priviligierten Feuerschützengesellschaft Murnau e.V.

Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft Murnau e.V.
Seestraße 25
82418 Murnau am Staffelsee

Telefon: 08841 6764455
E-Mail: 1.schuetzenmeister@feuerschuetzen-murnau.de

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