Ortsspaziergänge: Verwurzelt{es} – nicht nur im Blauen Land

Verwurzelt © Liz Collet

Verwurzelt © Liz Collet

Holz, Wurzeln oder Treibholz – ein Stoff, aus dem so manche Träume sind und blühen. Heute ist es chic und trendy, aus Treibholz so mancherlei DIY zu fabrizieren. Aus Holz auch.

Mit meinem Grossvater, der aus Holz und Wurzeln urige Gesichter schnitzte, war ich viele Jahre und viele Male unterwegs im Wald. Nicht nur, um Gesichter im Holz zu suchen. Wald und Holz gehören für mich von jeher zum Leben, draussen unterwegs.

Drinnen als Möbel und Gebrauchsgegenstände.

Wie ein wunderschöner Ahorntisch, der mich seit 18 Jahren und über drei Umzüge begleitet und den ich mir für das Konferenzzimmer meiner zweiten Kanzlei ausgesucht hatte. Oder sagen wir: er fand mich, als ich eigentlich noch gar nicht nach einem solchen gesucht hatte, aber im Sommer 1998 bereits die neue Kanzlei einzurichten begann, während ich die alte noch führte und dazu auch Prozesstermine quer durch Deutschland wahrnahm. Unter anderem in Würzburg für eine Krankenversicherung. Vor der Rückfahrt nach München und auf der Suche nach einer Gelegenheit für ein kleines Mittagsmahl ein einem äussert heissem Sommertag durch die Altstadt flanierend kamen wir an einem etwas abseits gelegenem Geschäft vorbei. Wir, denn es war einer der höchst wenigen Tage, an denen ich einen beruflichen Termin in Begleitung meines Knirpses wahrnahm, der einzige Gerichtstermin, um genau zu sein. Und nicht einmal der  Richter, der als äusserst knurrig galt, konnte sich eines heftigen Schmunzelns erwehren, als der 9-jährige Knirps artig und als einziger in der ersten Reihe  der Zuschauerbänke im Gerichtssaal sitzend von ihm nach dem Grund seiner Anwesenheit gefragt, artig und wohlerzogen antwortete:

„Ich bin hier heute die Öffentlichkeit, hat meine Mama gesagt. Darf ich bitte zuschauen? Ich bin auch sehr leise.“

Selbige Mama beherrschte sich, beim Blick auf das schlagartig nicht mehr knurrige, sondern verschmitzt grinsende Richtergesicht, das dem Knirps wohlwollend und bejahend zunickte, nicht allzusehr zu schmunzeln und verhandelte erfolgreich, aber leider danach bei keiner weiteren Gelegenheit in Würzburg. Das Justizgebäude – die Verhandlung hatte noch im alten Justizgebäude stattgefunden –  war  als Gebäude einen Blick wert. Würzburg ist es eh, aber dafür gab es zuvor und danach andere Gelegenheiten für Termine und Besuche. 

Auf dem Weg zu einem fränkischen Mittagsschmankerl für uns geschah es dann. Der Ahorntisch fand uns. Ein Ahorntisch, der seine Tischplatte und Zusatzeinlegeplatten nicht nur aus wunderbarem Ahornholz gearbeitet fand, sondern diese auf Kugellager bewegen lässt, das in unteren Teilen eingelegt ist. Ein Lieblingsstück, das mit dem hellen Holz an die Naturschönheit und Einzigartigkeit des Ahornbodens in der Eng erinnert und das der kleine Laden mir (ebenso wie ein anderer Laden aus dem Blauen Land meinen handgefertigten Bauernschrank) nach Verhandlungsgeschick mit Augenzwinkern und verschmitztem Schmunzeln in die Kanzlei meiner Isarmetropole lieferte.

Wegen der Entfernungen und der kleinen Läden eigentlich nicht üblich, schon gar nicht kostenfrei. Aber manchmal schlägt auf beiden Seiten der Verhandlungen eben ein Herz für Holz. Und es genügt ein Handschlag mit der Vereinbarung „bei nächster Gelegenheit, wenn wir einen Transport ungefähr in Ihre Gegend haben, das kann auch erst in 2, 3 Monaten sein…“, um Herzenswünsche und gar noch transportkostenfrei erfüllt zu bekommen. Sogar schon wenige Wochen später. Auf manches lohnte es sich ohnehin auch länger zu warten.

Neben Mobiliar ist Holz der Roh- und Stoff, der mit Papier zum Lesen, Schreiben,

Veranstaltungsnotiz © Liz Collet

Veranstaltungsnotiz © Liz Collet

Zeichnen, Malen in unterschiedlichsten Formen und Qualitäten, zum Lernen noch viele andere Träume und Fantasien Leben verleiht. Als Stoff, aus dem und auf dem das wird, was Wissen reicher macht.

Mehr oder weniger reich machte Holz zu allen Zeiten jene, denen es gehörte und die es verarbeiteten und damit handelten oder es handwerklich oder kunsthandwerklich in Formen zu gestalten vermochten, die bis heute zu sehen und zu bewundern sind.
Für den Bau von Klöstern als ersten Ansiedlungen in der Gegend am Kochelsee und andernorts wurden Wälder gerodet und wer in Klöstern und ihren Kirchen um sich blickt, wird von den Bibliotheken über die Architektur und Einrichtung und Ausstattung viele dieser alten Baumbestände dahinter erahnen. Die in meinem Geburtsort an der Romantischen Strasse im Pfaffenwinkel gelegene Papierfabrik war nicht die Einzige, die gut im Geschäft war.

Wer vom Blauen Land ins Ostallgäu fährt, kann unterwegs so manche Spuren entdecken, die mit dem Transport des Holzes bis in die Fuggerstadt Augsburg und weiter einhergehen.

So hatte beispielsweise der Ort Lechbruck am See vor dem Bau der Bahnstrecke Marktoberdorf–Lechbruck und der Lechregulierung eine lange Tradition als „Flößerdorf“. Die Lechbrucker Flößer waren zuständig für das Flößen von Gebirgshölzern, Stein- und Baumaterial, Holzkohle und Lebensmitteln aus dem oberen Lechtal bis in den Augsburger Raum. Nicht wenige Flöße sind bis 1819 sogar donauabwärts bis Wien, Budapest und Belgrad gefahren.

Wussten Sie, daß die Flößerei 2014 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde?

Aber auch einige Holzlager entlang der Strecke, die man nach Füssen fahren kann, spiegeln die Bedeutung, die Holz unvermindert und wieder neu gewinnt, etwa bei den Träumen aus Holz beim Bau von ganzen Holzhäusern. Ein Betrieb ist unübersehbar an der Strasse zu entdecken mit einem Turm, der beinahe auch Burgen und Schlösschen zieren könnte, …….. die von der dortigen Strasse aus fast schon bei gutem Wetter im Ostallgäu erkennbar sind. Wer auf der Seite des Unternehmens blättert, sieht aus Wald gewachsene und gewerkte Träume für Lebensraum des Menschen.

Man kann aus Holz und in Holz und Wurzeln manches an Fantasie hineinlegen und an Werken herausholen.

Die – wie mein Grossvater sagte, wenn es um Material zum Schnitzen ging und die Suche danach  – schon in selbigem zu sehen und zu erkennen seien, wenn man nur genau hinsehe. Wir fanden Wurzeln, die wie Krokodile oder Drachen aussahen oder Holz mit knorrigen Verwachsungen und Verästelungen, aus denen es mal ein Eichhörnchen, mal ein anderes Tier durch Schnitzen zu befreien galt und vieles anderes mehr. Und aus so manchem kleineren Stück lassen sich allemal noch Knöpfe und Verschluss-Stücke und vieles sonst herstellen, die nicht nur handgestrickte Deko oder Joppen und Pullover zieren und ausstatten.

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Bienvenue Printemps! © Liz Collet

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Frühling’s Augenblicke im Blauen Land © Liz Collet

Grossväter wie diese sind die besten, die unsere Köpfe nicht nur mit Wissen für den Verstand, sondern auch mit Geschichten für die Fantasie und die Kreativität und den Spass zu füllen verstehen. Und so lernte ich in Rinden von Bäumen, in Holz mit und ohne Astlöcher, Holz und Wurzeln und Treibhölzern Figuren und Gesichter und Fabelwesen zu „lesen“ und zu entdecken, wie man in den am Himmel hängenden und ziehenden Wolken alles Mögliche zu erkennen vermag. Fest verwurzelt träumt es sich am schönsten.

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen:
Wurzeln und Flügel.“

Johann Wolfgang von Goethe

Verwurzelt © Liz Collet

Verwurzelt © Liz Collet

Was flüstert Ihnen IHRE Fantasie zu, was aus diesem Gartenfabelwesen der Natur oder aus Holz und Treibholz zu Ihnen herüberblickt?

Einen vergnüglichen Tag!

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