Klösterl Sankt Anna am Walchensee

Klösterl Sankt Anna am Walchensee © Liz Collet

Klösterl Sankt Anna am Walchensee © Liz Collet

Wer den Walchensee besucht, dem fällt als eine der Sehenswürdigkeiten das St. Anna-Klösterl mit dem kleinen Türmchen auf dem Giebeldach am südlich gelegenem Ufer auf, vor allem, wenn es abends das warme Licht der untergehenden Sonne auf seine Mauern fällt. Noch zauberhafter aber mutet es winterlich verschneit an, wenn ringsum alles in dicke weisse Schneehauben gekleidet ist.

Der kleine Turm des Klösterls beherbergt allerdings keine Glocken, wie mancher auf den ersten Blick meinen möchte. Der Glockenstuhl ist vielmehr im Garten des Klösterls im Wald aufgestellt. Doch sind seine 4 Glocken bis zum vis-à-vis und 330 m entfernt liegendem Ort Walchensee zu hören, im Einzelnen :

Glocke I (Meine Zeit steht in deinen Händen, g‘) Czundnochowsky 1958
Glocke II (ohne Bezeichnung, b‘) Czundnochowsky 1960
Glocke III (Hl. Josef, c“) Czudnochowsky 1960
Glocke IV (Hl. Kreuz, es“) Czudnochowsky 1960

Einen Eindruck ihres Klanges vermittelt dieses Video mit einer Aufnahme vom Einläuten des Sonntags am Nachmittag des 9. Juni 2012.

Es hat eine mehrere Jahrhunderte alte Geschichte, die auch von der Konkurrenz klösterlicher Gemeinschaften erzählt und den Machtrangeleien um Besitz und Rechte. 1688 errichtete Wolfgang Holzer (Frater Onuphrius) aus Warngau auf der Halbinsel Zwergern am Walchensee mit Unterstützung der bayerischen Kurfürstin Maria Antonia von Österreich, der Tochter Kaiser Leopolds I., eine Tertiärgemeinschaft der Unbeschuhten Karmeliten.
Sechs Jahre später wandelte er sie in ein Kloster der Hieronymiten um. Dieser Orden der „armen Eremiten des hl. Hieronymus von der Kongregation des hl. Petrus von Pisa“ war 1377 von dem Pisaner Pietro Gambacorti auf dem Berg Montebello in Umbrien gegründet worden. Die Mönche trugen einen schwarzen, mit Gürtel und Kapuze versehenen Habit und als Kopfbedeckung ein Birett. Sie befolgten eine strenge, an der Augustinerregel, den Bettelorden und den Schriften des hl. Hieronymus orientierte Lebensführung.

Für sie ließ die Kurfürstin 1686 zunächst eine Einsiedelei mit Kapelle zwischen den Siedlungen Walchensee und Zwergern an einsamer Stelle unterhalb des Katzenkopfs errichten.
Das Grundstück hatte Propst Bernardus vom Schlehdorfer Augustiner-Chorherrenstift zur Verfügung gestellt. Es lag im strittigen Grenzgebiet der Benediktbeurer und Schlehdorfer Besitzungen am südlichen Seeufer.
1687 erhielt Frater Onuphrius die Genehmigung des Kurfürsten zunächst für die Ansiedlung von vier Klausnern. 1698 wurde die Klosterkirche zu Ehren der hl. Anna geweiht. Das benachbarte Kloster Benediktbeuern duldete die Neuansiedlung der „Waldbrüder“ allein aufgrund der Fürsprache der Kurfürstin.

1690 lebten bereits neun Brüder im Kloster. Es gab jedoch wiederholte Auseinandersetzungen wegen der Fisch- und Jagdrechte und schliesslich kam es sogar zu einem „Bierkrieg“: Nachdem die Eremiten selbst eine Brauerei in Betrieb genommen hatten, beschwerte sich der Walchenseer Gastwirt über erhebliche Umsatzrückgänge.
Auch hielten die Hieronymiten sich nicht an die ihnen auferlegte Beschränkung hinsichtlich der Zahl der Mitglieder ihres Klosters – 1694 lebten bereits 14 Klausner am Walchensee.
Auf Beschwerden des Abts von Benediktbeuern wurde die Zahl der Brüder auf sechs begrenzt. Pater Onuphrius versuchte diese Begrenzung durch Tochtergründungen zu erfüllen, an denen die überzähligen Brüder stattdessen leben sollten. Doch gelang ihm nur die Einrichtung einer Filiale 1697 im niederösterreichischen Schönbach. 1699 lebten immer noch zehn Brüder im Kloster. So verhängte zeitweise sogar der Vatikan das Interdikt über die Gemeinschaft.

Erst 1713 genehmigte der Vatikan schließlich die Einrichtung.

Daraufhin versuchte das nahe gelegene Kloster Benediktbeuern, in der Nachbarschaft selbst eine religiöse Gemeinschaft anzusiedeln.
Diese Querelen mit dem Kloster Benediktbeuern hatten schliesslich zur Folge, dass die Hieronymiten 1725 der Einladung zur Übersiedlung nach München in das Kloster St. Anna im Lehel folgten und den Sitz am Walchensee aufgaben.

Danach fiel das Klösterl Sankt Anna an die Abtei Benediktbeuern, die hier einige Patres zur Seelsorge ansiedelte. Die Kapelle wurde von dem Barockbaumeister Johann Michael Fischer umgebaut und in barocker Formensprache ausgeschmückt. Im ehemaligen Klösterl errichtete man ein Wirtshaus.

Mit der Säkularisation kam das Anwesen unter die Verwaltung Bayerns und diente bis in die 1960er-Jahre als Wohnhaus für die Pfarrer und Lehrer von Walchensee. Als erster Geistlicher zog hier der letzte Prior von Benediktbeuern ein. Er wirkte gleichzeitig als Lehrer in der im Klösterl eingerichteten Schule.

1979 erwarb die Diözese Augsburg das Haus, ließ es restaurieren und nutzt es seitdem als Jugendbegegnungsstätte.

Das Klösterl ist heute ein Jugend-Bildungs-Haus der Katholischen Kirche, als Selbstversorgerhaus und Gruppenunterkunft konzipiert, und steht direkt am Ufer des Walchensees. Das Haus wird hauptsächlich für Kurse, Freizeiten, Ausflüge genutzt. Es verfügt über 8 Schlafräume für 24 Personen. Der Zeltplatz für ca. 20 Personen kann im Winter bis 14 Personen im Matratzenlager aufnehmen, oder parallel zum Haus gebucht werden. Mehr über die Ausstattung lesen und sehen Sie HIER

Weitere Infos über die Freizeitangebote dort sind HIER zu finden. Und Bilder aus dem Klösterl selbst (Innenansichten) sind HIER zu sehen.

Jugendhaus Klösterl Walchensee
Zwergern 1
82432 Walchensee

Telefon Büro: 08858/308
Telefax: 08858/929104
E-Mail: kloesterl@t-online.de

Anmeldungen an:
Kath. Jugendstelle (Regio )
Waisenhausstraße 1
82362 Weilheim
Telefon: 0881/61252
Telefax: 0881/9276602
E-Mail: regio.weilheim@bistum-augsburg.de

Alte Ansichten des Klösterls aus dem 19. Jahrhundert finden Sie HIER auf der Website der Bistums Augsburg.

Bild:

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