Weihnachtsengerl unterwegs

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Schutzengel © Liz Collet

Der 4. Adventssonntag scheint in diesem Jahr so sonnig herein in die Woche und letzten vorweihnachtlichen Tage, dass mancher betrübt den Traum und Hoffnung auf Weisse Weihnacht schon aufgegeben hat. Andere, vor allem in Flüchtlingsunterkünften oder Obdachlose werden dies weniger bedauern, weniger Gefahr vorweihnachtlicher Glatteisunfälle auf den Strassen und Unfallopfer durch solche kann man auch positiv sehen. So hat alles eben zwei Seiten. Nicht zuletzt auch für viele Schutzengel und Helfer, die bei Feuerwehr und Rettungsdienst und Krankenhäusern zumindest diese Notfalleinsätze nicht vermissen werden, die Arbeit geht ihnen sicher auch sonst nicht aus.

Die Geschichte eines Obdachlosen, dessen Zettel am schwarzen Brett eines Hamburger Supermarktes Aufmerskamkeit fand und mit einer Facebook-Aktion und Gruppe auch Unterstützung und ganz praktische Hilfen wird hier und dort erzählt.

Nicht jeder versteht, wenn Obdachlose nicht in Obdachlosenunterkünften unterkommen oder unterkommen wollen. Als junge Referendarin hatte ich nebenbei (nicht nur in der Anwaltskanzlei, die man als Referendarstation eh absolviert) in einer weiteren Kanzlei gearbeitet und dabei von einem Obdachlosen gelernt, warum das so ist. Er schneite – nicht vor Weihnachten, aber auch in der Winterzeit – eines Tages in die Kanzlei herein auf der Suche nach Hilfe bei dem Anwalt, weil er von „jetzt auf gleich“ am Abend nicht mehr in dem Kämmerchen übernachten durfte, das ihm im Dach eines Anwesens vom Besitzer überlassen worden war, der im Erdgeschoss eine Gaststätte betrieb. Es hatte keinen Streit oder Ärger gegeben, er hatte auch keine Gäste gestört, die ihn gar nicht zu sehen bekommen hatten. Es passte einfach der Ehefrau des Gastwirts nicht mehr und so sah er sich spätnachmittags in einem der kältesten Winter, die ich dort in der Stadt kannte und erlebt hatte, ohne Unterkunft wieder. Eine Nacht hatte er mehr oder weniger in Hausecken und -fluren überstanden, war anderntags auf Suche nach neuer Bleibe erneut erfolglos gewesen und hatte zuletzt seine Hoffnung in das Kanzleischild gesetzt und gehofft, dass Fragen vielleicht nicht abgewiesen würde, ob es nicht irgendeine Chance gebe, wenigstens noch für ein paar Nächte in jene Dachkammer zurückkehren zu können. Der Anwalt war da zunächst auch ratlos. Mir aber kam eine Idee. Doch diese Geschichte sei an anderer Stelle erzählt. Gelernt habe ich an dieser Geschichte viel über Menschen, über Anwälte, Richter, Gericht, Polizei und über Potentiale des Rechts, die nicht an §§ allein Gerechtigkeit und Hilfe leisten, wenn man im Rahmen der Gesetze naturellement den Mut zu kreativem, pragmatischem Denken und Handeln mit rechtlichen Möglichkeiten verbindet. Und auch mal den eigenen (anwaltlichen) Chef dazu ermuntern kann, das Recht nicht nur beim Buchstaben und der Hausnummer der §§ zu nehmen, sondern beim Schopf, wenn es darauf ankommt. Und dass es hilfreich sein kann, wenn man auch unter einem Richter oder einem Polizeibeamten Menschen begegnet, die menschlich denkend kreative Rechtsanwendung mit Augenschmunzeln beantworten und dem belohnen, was auch im Rahmen von Gesetzen erste und entscheidende Hilfe sein kann. Und muss. Gelernt habe ich daraus aber viel darüber, dass und warum ein Mensch eher bereit war, in einer Nacht bei Minus 15 bis minus 20 Grad herumzulaufen, als in einem Männerheim, einer Obdachlosenunterkunft zu übernachten. Und gelernt, dass manchmal Glück dazu gehört, auf die richtigen Menschen zu treffen, die vielleicht nicht alles verstehen und ebenso machen würden, aber genug Verständnis haben und zeigen, um Unmögliches zu versuchen und Mögliches bewirken. Und es sich leisten, Schutzengel sein zu dürfen, einfach nur weil man Wege und Türen wieder zu öffnen vermag, die einem anderen verschlossen wurden und schienen. Dass ich dabei auch durch eine Tür kam im Dachgestühl eines der ältesten Häuser jener Stadt, in der teils Mobiliar von Jahrzehnten und älter, teils sperrmüllartige Möbelstücke lagerten rund um eine alte Holz-Bettstatt mit Himmeldach, aber blossem Strohsack auf den Holzbrettern und begriff, dass dieses Wenige am Ende  alles war, was er sich gewünscht hatte und mehr als man ihm vergönnen hatte wollen, nur bis zu den wieder wärmeren Wochen und Tagen, da lernte ich auch viel. Was ich nicht gesehen hätte, hätte ich ihn nicht sicherheitshalber noch dorthin begleitet, um sicher zu sein, dass ihn der Gastwirt oder seine Frau nicht doch noch verjagen würden, dass nicht doch noch irgendwo ein Schlüssel umgedreht worden war auf dem Weg zu der Kammer, in der er wieder schlafen durfte. Nur  eine der anekdotisch anmutenden und doch wahren Szenen jener Geschichte, die wie für viele von Armut und Obdachlose Betroffenen keine Anekdote und ihren Alltag überhaupt nicht heiter ist. Eine Geschichte, die mit eben diesem Einblick neben dem Ausblick aus einem der ältesten Häuser der Stadt über deren Dächer, Zinnen und Türme als Kapitel endete. Dass unweit davon heute eine Obdachlosenhilfe logiert, ………ist ein anderes Kapitel.

Im Salzkammergut sind Engerl für Kunden in Gmunden unterwegs, die mit kleinen Gesten grosse Freude machen für alle diejenigen, die im Weihnachtseinkaufstrubel die Parkzeit ihres Autos nicht rechtzeitig verlängerten. Ein Luxusproblemchen – wird mancher sagen, der dem Einkaufsrummel als weihnachtlichem Mittelpunkt des Festes der Liebe ohnehin weniger abgewinnen mag, das ihm zu sehr Gewinnmaximierung des Handels am Ende des Jahres scheint. Aber Parkzeiten sind auch für diejenigen, die nur wenig kaufen können oder gar nichts, aber Besorgungen zu machen oder zum Arzt, Apotheke oder Besuchen zu fahren haben (um nur wenige Beispiele jenseits weihnachtlichen Kommerzrausches zu nennen) nicht immer einzuhalten, wenn sie dabei und für andere Alltägliches im Advent besorgen müssen. Und Botschaften hilfsbereiter Engel und kleiner Gesten wie diese zaubern ein Lächeln ins Gesicht und nicht nur da hin.

Zu meinen Freuden der Woche gehörten (nicht nur, aber auch) neben freundlichen und netten Gesprächen Post des Suhrkamp Verlages mit 1720 g unerwarteter Freude, über die ich in eigenen Beiträgen hier dann noch mehr ausplaudern werde. Erst etwas später, weil diese Überraschung für mich meine kleine Weihnachtsüberraschung ist. Und auch wenn ich weiss, was die Post enthält, wird sie eben erst an Heilig Abend aufgeschnürlt.

Abends zur Bescherung und nach Rückkehr von Fahrten mit einer Gruppe netter Menschen, die ihre Weihnachtstage einen Katzensprung von hier in einem Ammergauer Hotel verbringen und die ich wie schon in den vorangegangenen Jahren nicht nur an Heilig Abend und am Feiertag bei Ausflügen begleiten darf und einiges erzählen über das, was es rechts und links des Weges und der Fahrten dieser Ausflüge zu sehen und zu wissen gibt. Immer, wenn ich von anderen dann gefragt werde, wie um alles in der Welt es mir den Spass machen könne, ausgerechnet an Heilig Abend oder an Feiertagen mir Zeit für sowas zu nehmen und das freiwillig, könnte ich eine lange Liste von Menschen aufzählen, die an eben solchen Feiertagen Arbeit und ehrenamtliche Arbeit und Hilfe erbringen, bei denen sie oft keine Hilfe mehr rechtzeitig bringen können, nur noch helfen, was dann noch an Hilfe möglich ist. Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, Rettungsdienste, Polizei, Feuerwehr.

Als Kind habe ich in der Adventszeit mit anderen Kindern des Richard-Strauss-Konservatoriums in München und mit Schülern der Musikschulen jedes Jahr mehrere Male von Tür zu Tür der Krankenzimmer Münchner Krankenhäuser gehend Weihnachtslieder gesungen. Vor allem im Schwabinger Krankenhaus. Bei Menschen, die wegen Krankheiten, Unfällen und auch schweren und unheilbaren Krankheiten Advent und Weihnachten dort verleben mussten. Manche, die Weihnachten nicht mehr oder nicht mehr lange überlebten. Adventlicher Schmuck neben Krankenbetten, an Fenstern  und an dem Christbaum, der im Krankenhausflur stand – Weihnachtsfreude und -frieden für viele unzufriedene Menschen draussen, kleinste Freuden bei manchmal grösstem Kummer der Menschen im Krankenhaus. Manche ohne Besuch ihrer Verwandten, ob sie solche hatten oder auch nicht. Man nimmt beim Singen vieles wahr, in Gesichtern, an einem Krankenbett, bei Menschen darin und um dieses herum.

Ebenso ein paar Jahre später bei der Arbeit in Bäckereien, wenn im Advent und vor allem an Heilig Abend bei manchen Menschen am Einkaufszettel verriet, ob sie Heilig Abend allein oder mit Familie verbringen, an Weihnachten daheim oder verreist sein würden. An den Bestellzetteln der Stamm- und nicht nur Stammkunden, die regelmässig sonst im Jahr oder an bestimmten und auch Feiertagen ihre Brot- und Gebäck-, Kuchen- und Tortenwünsche parat gelegt bekamen und an deren Bestellungen ich ablesen konnte, ob sie verreisten, daheim feierten, allein, mit Kindern oder Enkeln und wann sie wussten, ob diese #heimkommen würden oder wie früh oder spät sie das vor den Festtagen das wussten und ihre Einkäufe dafür planten. Man nimmt viel wahr, wenn man scheinbar nur ein paar Butterhörndl oder Brot oder Baguette oder Stollen und Weihnachtsgebäck verkauft und Bestellungen dafür aufnimmt. Und manchmal auch Abbestellungen. Und manchmal auch, wenn bestellte Ware nicht abgeholt wurde. Was eben manchmal nicht nur Rücksichtslosigkeit oder Vergessen von Kunden sein muss, sondern nur das, was uns sagt, dass ein älterer Mensch krank daheim oder ins Krankenhaus gekommen sein kann. Eine kleine Geste kann sein, bei diesem anzurufen, bei ihm auf dem Heimweg vorbeizugehen, mit der Ware, bei Nachbarn nachzufragen, ob alles in Ordnung ist. Oder bei einer ursprünglich grösseren Bestellung einer älteren Dame, die kurz vor Heilig Abend auf ihre sonstige Bestellmenge zurückschrumpfte, einen kleinen Engel aus Schokolade und einen aus Salzteig oder Handarbeit mit einem Tannenzweig heimlich in die Einkaufstüte zu packen mit Frohen Weihnachtswünschen aus der Backstube und mit den Namen der Verkäuferin(nen) der Filiale. Man kann Menschen auf vielerlei Weise kleine Engel zur Seite stellen, gegen Kummer, das Gefühl allein und einsam zu sein und für die kleine Prise Goldstaub, die Weihnachten Hoffnung und Freude schenkt.

Es ist nicht immer der materielle Wert oder ein Gegenstand, der etwas vom Goldstaub eines Gefühls, Glück zu haben, ins Leben rieseln lässt, wie sonst die weissen Flocken von Schnee um diese Jahreszeit, sondern die Unverhofftheit eines Momentes oder Erlebnisses, die dem Herz einen Schubs von Freude gibt zwischen dem Alltäglichen und Ärgerlichem, das Alltag eben auch in der Vorweihnachtszeit nicht aussetzen lässt, nur weil Advent und Weihnachten vor der Tür steht. Manchen Menschen wird die Türe gewiesen, die Kündigungen erhalten – am Arbeitsplatz, der Wohnung, bei der Arbeits- oder Wohnungssuche, als seien nicht 2000 Jahre und Gelegenheiten des Nachdenkens und Lernens vergangen. Darüber, dass und wie oft wir mit kleinen Gesten mit- statt gegeneinander mehr Lösungen als Probleme sehen und finden könnten. Ohne Verlust einer Seite, mit Gewinn für beide und mehr als zwei Beteiligte.

Vielleicht fällt auch Ihnen öfter, als Sie im Alltagstrubel denken und wahrnehmen mehr von diesem Goldstaub in den Schoß, den Sie übersehen, als Sie glauben. Und vielleicht fällt Ihnen für die verbleibenden Tage dieser Advents- und Vorweihnachtszeit der eine oder andere, das eine oder andere ein, was Sie mit wenig Mühe und Aufwand als Engel verschenken könnten. Mit Freude. Für einen anderen. Und der Freude, die es bereitet, anderen einen Moment von Glück und Unverhofftem zu schenken und schenken zu können, der mehr und länger als für den Augenblick im Herzen bleibt…..?

Ihnen allen einen Schutzengel an Ihrer Seite, wann immer er im richtigen Moment als helfende Hand nötig sein könnte

und einen schönen 4. Advent!

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