Bayerischer Tourismustag 2015: „Stille, Ruhe und spirituelles Reisen“

© Liz Collet

© Liz Collet

Mit dem diesjährigen Thema fokussiert der Bayerische Tourismustag etwas, das – je nach persönlichem Naturell und individueller Lebenssituation – mancher vielleicht als das bezeichnen könnte, was Urlaub ohnehin immer sein sollte: Erholung, Auszeit, Aus.Ruhe.n, Ruhen, Ruhe finden.

Naturgemäss ist Urlaub auch seit Jahrzehnten DIE Gelegenheit im Jahr, Neues zu erleben und zu entdecken, Abenteuer – und Eventreisen haben längst die Reiseziele der Deutschen abgelöst, welche in den 50- er und 60-er Jahren beginnen konnten, überhaupt in Urlaub zu fahren.

Nicht „nur“ in die Sommerfrische, die für viele andere bereits mehr als das war, was die meisten sich leisten konnten. So wie die Künstler der Gruppe des Blauen Reiter, die wie viele andere von München auf ’s Land und ins Blaue Land in die Sommerfrische reisten und sich in der Region auch niederliessen, wie Franz Marc (in Sindelsdorf) und Gabriele Münter (in Murnau).

Kultur- und Bildungsreisen sind neben den Event- und Erlebnis- / Abenteuerreise die aktiveren, Urlaub als Erholung und Sommerfrische die ruhigeren der Ferien- und Urlaubstage. Für mich persönlich waren die Winterferien am Staffelsee jedes Jahr seit 1992 die beiden Wochen im Jahr, auf die das diesjährige Motto des Bayerischen Tourismustages schon all diese Jahre zutraf. Manchmal auch Sommerwochen hier am See. Während beruflich bedingt viele Reisetermine und andere Ferienwochen eher den aktiveren, belebteren Teil der Reisen bilden, seien sie im In- oder Ausland.

Der Hype um’s Pilgern, bei dem viele plötzlich meinten, jedermann erklären zu müssen, sie seien dann mal weg, den ein Buch anstiess, löste bei mir daher (ehrlich gesagt) eher ein Schmunzeln aus. Weil er zeigt, wie so oft zeigt, dass Menschen jahre- oder jahrzehntelang eher Trends nachlaufen, weil und wie alles das machen. Bis wieder einer einen Trend anstubst, dem alle nachlaufen – und sei es, indem sie dann allein hunderte Kilometer allein laufen. Was dann sehr schnell nicht mehr der Fall ist, weil da wo viele allein laufen, dann viele wieder nicht allein laufen. Aus – die Auszeit. Vorbei die Stille, die Ruhe, das ……ja, auch das spirituelle Reisen.

Obwohl es nicht viel mehr braucht, als die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Zu denen eben auch Aus- und Ruhezeiten gehören. Wo man keinen sieht und hört oder allenfalls sehr wenige, Familie und Kinder beispielsweise. Und sonst niemanden. Natur pur. Zeit pur. Offline completed.

Doch wieviele haben seit langem gar nicht mehr selbst das Gefühl, Urlaub gehabt zu haben, …nein: Urlaub zu haben, wenn sie nicht pausenlos und aus dem Urlaub selbst Selfies und andere Bilder von sich, den Menschen um sich und der Location schiessen und posten? Urlaubsschein gerät zum schönen Urlaubs-Schein. Fern vom Alltag? Pas du tout! Eng vernetzt mit dem Alltag, den Freunden, den Kollegen (die sollen ja besonders sehen, wie toll man Urlaub macht), den Chef womöglich noch. (Wundern sich dann aber, wenn der sie im Urlaub dann auch was fragt oder aus dem Urlaub zurückruft, wegen überraschendem Engpass beim Personal…..) Kein Abstand, keine Distanz zu Alltag, zu sich im Alltag, kein Abstand gewinnen, keine Perspektivenwechsel von Arbeit zu Urlaub, wo die Perspektive doch vor allem die eine gleiche bleibt: Sich im Bild vor auswechselbarem Hintergrund – Selfie im Urlaub. Selbstdarstellung  statt Selbsterfahrung. Als fände kein Urlaub statt, wenn nicht alles fix fixiert, gepostet und verbreitet ist. Anhaltender Dialog – am langen Lasso? An der eher kurzen, selbst um den Hals gehängten kurzen Leinen, kein Loslassen des Alltags.

Vielleicht auch, weil immer verkümmerter die Fähigkeit, die vielen auch früher beim Urlaub schwer fiel: Abschalten nach Arbeit, bei Urlaubsbeginn, Wechsel von Arbeitsmodus zu Urlaubsrythmus und langsamer Gangart, bis hin zum Stillstehen und Stehenbleiben und Ruhen können. Aus-Ruhen. Aus.Zeit. Innere Uhr wieder einpendeln, um Kraft tanken und schöpfen zu können.

Dabei braucht man gar nicht mal weit zu laufen und zu fahren, um ein bisserl Ruhe und Alleinsein und Stille finden zu können. Zugegeben – da liegt dann am Weg eben nicht das trendy Cappuccino Café, wo man dann Pause machen kann.

In den ersten Jahren meiner Kindheit bedeuteten Wochenenden und Ferientage vor allem den Ausflug an die Isar, Kinder im Kindersitz auf dem Fahrrad oder mit der Tram und dem Kinderwagen und dann entlang der Isar baden und picknicken, den Geruch des feuchten Sandes und der Erde am Isarufer unter den schattigen Bäumen. Oder an einen der Seen. Oder Ferienwochen bei meinen Grosseltern im Pfaffenwinkel in Wald, auf Wiesen, in Bergen, an Seen. Viel Wandern und Spazieren durch die Natur und diese entdecken und kennenlernen. Kein Baum oder Strauch, keine Blumen, die man dabei nicht kannte und Tiere, die man nicht entdeckte. Und mit den ersten (kleinen und dann auch grösseren) eigenen Rädern dann Radausflüge mit den Eltern in München und rund um München, Schleissheim und Schleissheimer Wald, Unterführing oder Isarauen eben. Später, mit eigenem Kind dann rund um Regensburg ins Grüne, aber auch nach Umzug zurück nach München auch Unter- und Obermenzing mit dem Rad, weiter hinaus über Gauting nach Starnberg und rund um den Starnberger See mit dem Rad und abseits von diesem ins Grüne. Und eben schliesslich auch die Urlaubswochen im Blauen Land – ein wenig erstaunte Reaktionen im Kollegen- und Freundeskreis und die Frage: „Und was kann man da machen? Da ist doch nichts los....?!?“

Weil in den Augen vieler Urlaub ohne „Äktschn“ und „IiiiÄvänts“ keiner sein könne.

Für mich hingegen war (und ist) Urlaub: Telefonisch nicht erreichbar zu sein (abgesehen von Notfallnummern), was mit einer Ferienwohnung ohne Telefonanschluss perfekt war. Und als aus Gründen ein Handy unverzichtbar war – dieses nur im Notfall nutzen zu müssen oder können und die übrige Zeit auszuschalten. Internet – im Urlaub tabu. Stattdessen ………das, wozu man grade Lust hat. Und nur das. Baden am See, Schwimmen, Radeln, Spazierengehen, Langlaufen, Skilaufen, Kachelofengemütlichkeit bei knisterndem Feuer, Kerzenlicht-Dämmerstunden, Kuschelabende mit dem Kind (und nicht nur dem Kind) , Schneewanderungen und -spaziergänge, Schlittenfahren, Hängematte unter schattigen Bäumen bei Tage mit gutem Buch (zum Lesen oder Vorlesen), zum Schnuppern von Wildblüten und -kräutern mit geschlossenen Augen, wenn der Wind ihren Duft sacht über Wiesen und Felder herüberweht. Zum Sterneguggen und -zählen, die zu zigtausenden mehr hierzulande zu sehen sind. Nachtschwimmen bei Mondschein oder winterliche Fackelwanderungen um den See, Schneemänner- und Iglubauen, Sammeln von Gräsern und Blüten zum Trocknen und Pressen und Kennenlernen und Dekorieren, Beeren und Schwammerlsuchen. Ich bin ein Momentnsammler, schon lange bevor diese vertont verewigt wurden. Kleinigkeiten, Auszeiten. Steh bleib’n. Zwischen den Jahren, an den ruhigsten Tagen des Jahres zwischen den Jahren. Zwischen den Wochen des Jahres mit Arbeit. Zwischen Tagen der Woche. Zwischen Terminen des Tages. Und wenn nicht im Urlaub – wann denn dann? Wo nur die Lust und Laune den Weg und die Richtung vorgibt. Ob über den See, beim Dümpeln oder Rudern im Bood, beim Barfußlaufen über die Wiesen am Hang und am Berg. Beim Spazieren durch’s Dorf spazieren und wenn man beim Bäcker um  5 Uhr früh noch wirklich gutes Brot beim Backen beobachten und dann zum Frühstück holen kann. Am Hof vorbei, in dem wie auch auf den Wiesen noch Vieh steht, alles das…………und ein ruhiger Platz zum Baumeln  lassen von Füssen ins Wasser vom Steg und der Seele vom Alltag, alles das……..Jahre und Jahrzehnte zu uncool, zu wenig Äktschnpotential.

Bis…………. es geweckter Trend, gewachsenes —- neu vermarktetes oder neu erwachtes Bedürfnis und Bedarf wird.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner lädt zum Bayerischen Tourismustag am 30. November 2015 nach Nürnberg ein. Auf dem Programm steht unter anderem eine Podiumsdiskussion, an der auch Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer teilnimmt. Das Motto des diesjährigen Bayerischen Tourismustages ist  Stille, Ruhe und spirituelles Reisen am  Montag, den 30. November 2015, ab 10:00 Uhr in der NürnbergMesse, NCC Ost .

Das Programm:

  • 9.00 Uhr Einladung zum Frühstück
  • 10.00 Uhr Willkommen durch Moderatorin Eva Grünbauer
    Offizielle Begrüßung durch Staatsministerin Ilse Aigner
  • 10.30 Uhr Prof. Dr. Lothar Seiwert
    Keynote: Vom Leben auf der Überholspur und im Hamsterrad
  • 11.00 Uhr Anselm Bilgri
    Keynote: Ora et labora – Balance von Arbeit und Leben
  • 11.30 Uhr Prof. Dr. Christian Antz, Fachhochschule Westküste
    Fachvortrag: „Ruhe, Stille, Pilgern. Gastgeberschaft von Kirche und Tourismus“
  • 11.50 Uhr Bianca Keybach, Geschäftsführerin Oberstaufen
    Tourismus Marketing GmbH und Frank Wagner,
    Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Oberstaufen
    Best Practice: „ATEMPAUSEN – Der touristische Weg in die Kirche“ –
    ein Modell der Partnerschaft am Beispiel Oberstaufen
  • 12.00 Uhr Podiumsdiskussion
    Teilnehmer:
    Staatssekretär Franz Josef Pschierer
    Anselm Bilgri
    Prof. Dr. Christian Antz
    Thomas Roßmerkel, Referent für Kirche und Tourismus in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
    Wolfgang Zettler, Direktor Bayerisches Pilgerbüro e. V.
    Moderation: Eva Grünbauer
  • 12.30 Uhr Einladung zum gemeinsamen Mittagessen
  • 14.00 Uhr Informationsveranstaltung „Die Zukunft des Destinationsmanagements und -marketings im Freistaat Bayern“
    Präsentation durch Prof. Dr. Harald Pechlaner
  • ca. 16.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Durch den Tag führt die Moderatorin Eva Grünbauer.

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