Ein Mittwoch im Juli im Blauen Land….

Kapuzinerkresse © Liz Collet

Kapuzinerkresse © Liz Collet

Noch ist Unterricht, noch sind keine Schulferien. Doch als läge bereits August über dem Land, dem Blauen Land, scheint die Stimmung und Hitze sich bereits in Ferienstimmung zu bringen. Einige Jahre habe ich die Winterferien am See verbracht, dazwischen auch einige Sommerwochen und einige Wochenenden und auch mal einfach Tage hier im Blauen Land, am See. Was im Winter das luxuriöse Gefühl der wunderbaren Abgeschiedenheit und Unerreichbarkeit war, bei Schnee, ohne Internet, irgendwann nur ein Handy (für Notfälle der Kanzlei oder andere und nur einmal täglich eingeschaltet und die Mailbox abgehört und als Notfalltelefon für den etwaigen Fall der Fälle), das war und ist hier für mich im Sommer das, was frühere Generationen auf wunderbare Weise mit dem Wort „Sommerfrische“ liebten und lebten.

Raus aus der Stadt, See, Natur, Wiesen, Wald, die Seele baumeln lassen, Schifferl schwimmen lassen, Ruderboot im See dümpeln lassen, Pritscheln mit dem Wasser am Ufer des Sees, Limo am Schnürl im See oder Bach kühlen, Sonnenhütchen und Radlfahren und vieles anderes mehr. Wie Buntstifte und Malpapier, Vorlesen und Lesen, Quatsch machen die grossen wie kleinen Kindsköpfe, Wolken zählen und Wolkenfiguren erraten, Grashalme zum Pfeifen bringen, Margariten- und Gänseblümerlkränze flechten und Wiesenblumen für die Vase am Abendbrottisch pflücken, Marienkäfer zählen und Kleeblätter suchen, dem Surren drumsumseliger Juni- und Julikäfer in der Abendstunde über den Windlichtern mit Kerzen zuhören und den Käfern beim Abendflug zusehen, bis sie von Glühwürmerl im Abendflug abgelöst werden.
Beeren pflücken, barfuss durch die Wiesen spazieren, Engelein flieg spielen, bis nach Jahr und Tag die Arme nicht mehr lang genug für die nicht mehr klein genug gebliebenen Kindsköpfe sind und andere Abenteuer folgten. Geblieben ist ………das Paradies der sommerlichen Freizeit und Freiheit. Die Sommerfrische, die Düfte nach Wiesen und Heu und Beeren und Obst und Vanille- und Früchteeis in die Luft legt. Tage frühen Wachwerdens, weil der schöne Tag lockt und es jeden aus dem Bett treibt, bevor es zu warm wird. Und die Tage nicht lang genug sein können bis in die lauen Sternennächte.

Was zu tun ist, wird morgens, wenn noch Frische im Land herrscht erledigt, so wie mittwochs im Juli in Murnau ………

Juli mittwochs Murnau

Früh gegen 7 Uhr fleissige Marktvorbereitung für den Markt zwischen 8 und 14 Uhr
nachmittags gegen 15 Uhr lazy sunny afternoon………
Summertime….and the livin‘ is………. immer a bisserl scheener als wia anderswo.

Sommerfrische im Blauen Land……. und am See freuen sich ein paar Segler über a bisserl Wind………..CLICK …….für einen Blick

Noch ……..klingt leise vom Staffelseegymnasium, der Mittelschule und der Realschule der Gong von Zeit zu Zeit herüber, während von den Wiesen bereits gemähtes Gras und erstes Heu Sommerdüfte ausschickt. Noch werkelt die Blogkritzlerin am Werkeltisch, wenn auch gern mit offenen Balkontüren emsig am Tagwerk. Und träumt allenfalls ein bisserl davon, ob sie die Füsse vielleicht dabei unter dem Tisch in ein kühles Bad in eine Schüssel parken könnte. Noch ……..nicht. Denkt sie sich. Der Sommer will ja erst noch richtig anfangen und a bisserl was hebt man sich noch für noch heissere Temperaturen auf.

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Im Seniorenhäuschen nebenan sitzen unter Sonnenschirm und Sonnenhütchen die Damen bei Eistee und Kartenspielen und wenn die eine von ihnen mal in der Sommerwärme des Nachmittags ermüdet und mit dem Kopf auf der Schulter der Pflegerin gelehnt einschlummert, dann bleibt diese eben so sitzen und lässt sie schlummern, während die anderen Damen rund um den Tisch plaudern, Memory legen, Rommee spielen und die anderen drei Pflegekräfte sich damit beschäftigen, am zweiten Tisch den anderen Damen Gesellschaft zu leisten, frische Lebensmittel und grosse Packungen mit Eiscreme ins Haus zu bringen, die angeliefert wurden, Wäsche auf der Wäschespinne aufzuhängen und abzunehmen, Kaffeetassen in den Garten zu den Tischen unter dem Obstbaum und Sonnenschirm zu bringen oder eben Saft, Schorle und Eistees. Und frischen Kuchen. Und dann duftet es nach gutem, stark gebrühtem aromatischem Kaffee, der auch die Blogkitzlerin so sehr in Versuchung führt, dass sie sich einen aufbrühen muss. Und die Fellracker nach frischem Gebäck lechzen.

Und verbäte es mir nicht mein Respekt vor anderen Menschen, diese nicht ungefragt und einfach so abzulichten mitten in ihrem Leben, in das der Blick von der Balustrade meiner kleinen Lindenburg mir täglichen Aus- und Einblick erlaubt, so könnte ich widerlegen, dass (jede!) Pflege in Deutschland so aussehe, wie aktuelle Skandalbilder eines Einzelnen mit löchriger Story und Medien dies glauben machen wollen, die mit Schlagzeilen entsprechender Art dessen Bilder unkritisch und ohne sich an manchen Lücken und Widersprüchen seiner Geschichte zu stören, weiter verbreiten. Schlechte Schlagzeilen sind wie Klischees beliebter als Fakten.

Rund um die schönen hölzernen Tische und Bänke und Stühle streicht Minki, die Miezekatze, die gelegentlich auch zu mir herauf in die kleinen Lindenburg zu Besuch hüpft.

Zitronenmelisse © Liz Collet

Zitronenmelisse © Liz Collet

Es ist Sommerfrische. Und während andernorts die Empörungskultur Wellen schlägt über Fotos, die der Bewohner eines Senioren- und Pflegeheims viral verbreiten lässt, was ihm zu essen vorgesetzt werde und Medien seine Fotos und Darstellung kritiklos übernehmen und verbreiten, die eigentlich reihenweise Fragen stellen müssten über Ungereimtheiten des Falles (dazu von mir an anderer Stelle bereits mehr und auch mit den Fragen, die keiner stellt und die zu stellen wären), sieht Pflege und Betreuung hier und nebenan ganz anders aus. Und an manchen anderen Orten mutmasslich auch. Aber das sind – so sehr sicher an vielen Stellen der Pflege manches im Argen liegt und Pflegenotstand und inakzeptabler Zustände herrschen – nicht so schlagzeilenkomfortable Bedingungen. Über die sich so prächtig klischeehaft jeder empören und jeder seinen mehr oder weniger qualifizierten, sachlichen oder fachlichen oder polemischen und skandalisierenden Kommentar abgeben kann.

Kapuzinerkresse © Liz Collet

Kapuzinerkresse © Liz Collet

Die Blogkitzlerin schaut über den Werkeltisch in einen sommerlichen Garten auf den Apfelbaum, dessen Früchte ebenso ungefähr auf halbem Weg bereits der Ernte entgegenreifen, die Himbeersträucher, Blumen und Wiese und Damen, die – wären da nicht die Rollstühle und Rollatoren einiger von ihnen und die Pflegekräfte für die 11 dort wohnenden Damen plus ein Herr – man für Sommerfrischler einer Ferienpension halten könnte, die es sich dort in den Ferien gut gehen lassen. Sommerfrische. Juli. Im Blauen Land.
Und es duftet nach Kaffee………… schee.

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