Araber sind in Murnau!

Araber aus der Konditorei Krönner © Liz Collet

Araber aus der Konditorei Krönner © Liz Collet

„Araber! In Murnau!? WOOO hast Du die gesehen??“

Ihr Blick zog alle dramatischen Register. Und davon hat die Moosbichlerin ohne Übertreibung einige zu bieten.

„Ja, sag einmal: Darf man denn ein Törtchen Araber nennen?“ hat mich die Moosbichlerin mit gesenkter Stimme und einer Miene gefragt, als würden wir uns zu mittelalterlicher Zeit zu einer Missetat verabreden, für die man leicht heisse Fussies bekommen konnte. Sie wissen schon: Hexen, Scheiterhaufen, reichlich angewärmte Fußsohlen und so.

Dabei hat sie sich vorsichtig nach allen Seiten umgeguggt, ob uns auch womöglich keiner höre, wenn wir von vielleicht recht ungehörigen Dingen plaudern. Als ich ihr von den Arabern erzählt hatte.

Jenen Arabern, die ich in der vorigen Woche am Marktmittwoch in der Konditorei Krönner mitten in Murnau’s guter Stube zum ersten Mal entdeckt hatte. Dummerweise hatte ich nicht umgehend eines der süssen Schlingelchen mitgenommen, sondern mit dem Gedanken gespielt, mir allenfalls erst eines vielleicht am Sonntag zum Kaffee zu holen und dann auch erst zu fotografieren.

Trotzdem war es überraschend mühsam, der Moosbichlerin zu beschreiben, um was genau für eine Schlemmsünde es sich handle. Aus welchem Teig, welche Form, welche Füllung etc. Am einfachsten war es dann gewesen, geschwind eine Skizze wegen der Form zu zeichnen und ihr die Zutaten zu beschreiben. Es lag weniger an meinen Zeichenfähigkeiten, dass die Moosbichlerin auch dann noch recht ausgiebig so tat, als könnte sie sich so gar nicht vorstellen, wie diese Araber aussahen. Und so schlich sich der leichte und leise Verdacht insgeheim ein, dass die Moosbichlerin sich nur ein bisserl begriffsstutzig stellte, damit ich sie vielleicht kurzerhand in’s Krönner mitnehme und auf einen Kaffee und einen Araber zum Verkosten mit ihr zusammen. Probieren kann man’s ja mal, könnte sie sich gedacht haben.

Probieren könnten auch SIE den Araber mal, den Sie aber nicht jeden Tag beim Krönner antreffen. Also in der Kuchen- und Tortentheke antreffen. Denn am Sonntag hatte auch ich dann Pech – der hübsche Plan, mir einen zu gönnen für den Sonntagskaffee und auf dem Balkon der kleinen Burg zum Haferl Kaffee zu naschen, scheiterte.

„Die Araber haben wir nicht jeden Tag.“ lautete die nette Auskunft der Tortenfee hinter der Krönner’schen Tortentheke am Sonntagnachmittag.

„Wann haben Sie sie denn sonst so?“ versuchte ich es.

„Mal so, mal so.“ war alles, was ich als Prognose bekam. Sie finden das vielleicht ein bisserl zu vage und unbefriedigend als Auskunft. Aber hier kann Ihnen das passieren. Den Charme so offen bleibender Antworten erkennen Sie vielleicht nicht auf Anhieb? Nun – das Leben bleibt spannend. Sie können einfach immer wieder hin gehen [ – ja, hübscher Nebeneffekt und fast schon eine Marketingstrategie de Luxe, gell? 🙂 – ] und sich die Spannung erhalten, ob es sie oder was es sonst stattdessen alles so Gutes dort gibt. Und wenn es dann wieder welche gibt, ist es ein freudiger Überraschungshupfer im Tag. Und dann schlagen Sie zu! Und nehmen sich – carpe diem, carpe dolci! – sofort eins mit. Denn das haben Sie dann spätestens gelernt: Schieben Sie keine Arbeiten auf. Aber schieben Sie auch nicht auf, zuzugreifen, wenn sich eine süsse Versuchung ergibt, die so schnell vielleicht sonst nicht wieder des Weges kommt, um ihr erliegen zu können.

Da ich das Letztere am vergangenen Mittwoch nicht bedacht und getan hatte, setzte ich hoffnungsfroh auf den Gedanken, dass am Markttag mittwochs immer ein bisserl mehr los ist und ——–liess mich überraschen, ob das vielleicht ein Grund sein würde, dass wieder Araber sich einfinden könnten in der Kuchentheke beim Krönner. Und freute mich gleich noch ein bisserl mehr auf den wöchentlichen Markthupf, der sich zur lieben Gewohnheit bei mir entwickelt hat, alles das vom Ober- bis zum Untermarkt zu erledigen, was sich dabei wunderbar verbinden lässt. Sei es ein Hupf ins Rathaus, in eine der Buchhandlungen, zur Drogerie, zum Metzger und zur Bank, zur Suche nach den Haken und Schrauben, die man bei der Gelegenheit mit einem kleinen Umweg zum Paul in die Bahnhofstrasse mitnimmt, und anderes mehr, wenn man eh schon mal unterwegs ist. Wenn das für Sie so klingt, als sei der Markttag so ähnlich wie zu Mittelalters Zeiten, als man von nah und fern kam, um das besorgen zu können, was man nicht selbst auf Hof und im Werkstätten fabrizieren konnte, dann ist da durchaus noch ein kleiner Kern Ähnlichkeit vorhanden. Markttag ist immer ein bisserl besonders. Hier und da ein Ratsch mit Menschen, die man kennt und auch nicht kennt, aber mit denen man gut gelaunt gern beim Marktschnuppern ins Gespräch kommt.

Und wie Sie an den Bildern des heutigen Kaffee-Statt-Mittagessen-Schmankerls ersehen können, lachte mir das Glück – und ich schlug zu. Wie soll ich Ihnen nun also das Törtchen beschreiben, das als Araber aus Krönner’s Tortentheke in Versuchung führt? Es ist im Wesentlichen ein Törtchen aus wunderbarem Baiser, das – wie alle Baisers – ein bisserl süss daher kommt. Damit Sie das Törtchen nicht nur von aussen sehen, habe ich mal meinen süssen Verkostungsdreizack einen zugegebenermaßen nicht messerscharfen Innenblick gewähren lassen. Sie sehen, hauchdünn durchziehen das Törtchen innen feine Spuren von ein wenig Mokkasahnecreme, die obenauf als gaumenschmelzendes Hauberl sanfthellbraun zu sehen ist. Aussen ist eine helle, feine Buttercreme über das Baiser gestrichen und mit gebräunten, karamellisierten Mandelblättchen dekoriert. Oben noch einige hauchdünne Raspeln von dunkler Schokolade.

Araber aus der Konditorei Krönner © Liz Collet

Araber aus der Konditorei Krönner © Liz Collet

Eine insgesamt durch das Baiser recht süsse Sache, wie das aber eben bei Baiser so ist. Erfreulich ist die dafür weniger süsse und vor allem angenehm hauchdünn aufgetragene Buttercreme aussen und die zarte leichte Mokkasahne innen und obenauf. Wenn Sie mich nun fragen, was dieser Creation zum Namen verholfen haben mag, so konnte es mir keine der Tortenfeen aus dem Krönner beantworten, die ich danach fragte. Und so bleibt mir allenfalls die spekulative Vermutung, es könnte das Aroma von Mokka sein oder eine Anspielung auf die Herkunft von Kaffee (Kaffee und Arabien?).

Was mir persönlich noch ein wenig besser gefallen würde, wenn meine Fantasie schon durch einen solchen Törtchennamen nach Arabien gelockt wird, wäre ein bisserl mehr Intensität des Kaffeearomas in der Mokkasahne, gern verfeinert mit einer Kombination von Kaffee und Kardamom – auch ein Gewürz des arabischen Raumes und eine ohnehin geniale Aromenspielerei, die bei hausgemachten Schokoladentrüffeln ebenso wie bei hausgemachtem Parfait und eben auch bei Kaffee in der Tasse Genuss pur ist.

Und wenn Sie diese Araber für sich zuhause und Ihre Gäste beim Krönner kaufen, noch ein kleiner persönlicher Serviertipp: Servieren Sie dieses Törtchen mit frischen Beeren! Mir persönlich sind Johannisbeeren mit ihrem säuerlichen Kontrast, Brombeeren und Himbeeren besonders angenehm, aber auch Erdbeeren passen natürlich wunderbar. Solche und andere Ideen für den Kaffeetisch und andere Gelegenheiten mit diesen süssen Arabern sehen Sie in Kürze noch in weiteren Beiträgen im Blog.

Zusammen mit reichlich frischen Früchten genügt auch ein Törtchen leicht für zwei Personen – geteilte Sünden sind bekanntlich die süssesten Sünden.

Geniessen Sie sie!

PS: Beinahe hätte ich es nun vergessen. Die Frage der Moosbichlerin zu beantworten. Darf man Törtchen denn Araber als Namen für eine Creation geben? Political correctness ist heutzutage ja manchmal schier eine Gratwanderung, irgendeiner könnte wie bei harmlosen Schaumküssen, die auch aus Eiweiss geboren werden und eine Umtaufe erlebten, auch daran Anstoß nehmen. Chissà – wer weiss? Es gibt Amerikaner, Berliner und andere Gebäcknamen, die niemanden kränken und Bestand haben. Nicht mal, kichert die Moosbichlerin, nachdem ein Amerikaner sich selbst als Berliner bezeichnete. Der hat das zwar ganz anders gemeint, süss fanden es aber doch alle. Irgendwie. Wir wollen hoffen, auch Araber finden es irgendwie süss, dass sie nun in Murnau einer Creation Namenspaten wurden.

Ni X für U ngut.

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