Blümerlkaffee?

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Blaublütige Blümerltasse im Blauen Land und Nusstorte zum Kaffee © Liz Collet

………besonders an so regnerischen Markttagen wie dem heutigen beim Murnauer Mittwochsmarkt schmeckt der starke Kaffee aus dem Blümchenhaferl, dem blaublütigen doppelt wohltuend.

„Chapeau!“ jedem der Marktleute, die auch bei solchem regnerischen und heute sehr kühlfrischem Wetter nicht nur Woche für Woche frische Schmankerl liefern und bieten. Sondern das auch immer mit der besten Laune und immer freundlichem Wort und Ratsch verbinden. Das kann ja nicht allein an meiner eigenen guten Laune liegen.

Marktmittwoch in Murnaus guter Stube

Darüber, was heute beim Hupf zum Markt in Murnaus gute Stube beim Schreibwarenladen, vom Lechner, vom paradiesischem Eden, vom Käse und vom Gemüsebauern im Einkaufskörberl landete und beim Plausch schon für die nächste Woche ausgemacht wurde, was dann auf dem Zettel stehen wird? Das plaudere ich nachher noch in weiteren Beiträgen aus. Erst mal heisst es stärken. Statt Mittagessen heute Kaffeepause. Stärken für die Weiterarbeit am Werkeltisch. Und ein bisschen trösten. Mit dem Haferl Kaffee und einer Nusstorte vom Erl (diesmal aus dem Laden am Obermarkt und nicht nebenan bei mir um’s Eck), der von 26.5. bis 8.6.2015 seinen sommerlichen der beiden Betriebsurlaube macht.

Betriebsurlaube? Ja! Sowas gibt es hierzulande nämlich nach wie vor, dass Geschäfte des Einzelhandels hier für Urlaubswochen schliessen. Für manche, die sich schon in ihrem Anspruch an Dienstleistungsservice darüber empören, wenn ein Metzger oder anderer Laden sich die Freiheit leistet, am Mittwochnachmittag den Laden zu schliessen, mag das die schiere Ketzerei des Einzelhandels und Handwerks sein. Nicht selten regen sich aber gerade solche Mitmenschen darüber auf, welche ihre Haupteinkäufe eh im Supermarkt, Discounter oder gar online erledigen und dann vielleicht das eine einzige Mal vor einem mittwochs nachmittags geschlossenem Metzger standen, als sie sich eine Leberkässemmel eingebildet hatten. Es kommt solchen Mitmenschen gar nicht mehr in den Sinn, dass auch und gerade Einzelhändler mit Geschäften, die als Familienbetrieb geführt werden, auch einmal einen Tag oder einen halben in der Woche wenigstens benötigen, an dem sie Dinge wie Behördengänge, Arztbesuche, Friseurtermine, Termine in der Schule mit Lehrern der eigenen Kinder, vielleicht mit einer älteren Tante oder Onkel einen Termin erledigen, den diese altersbedingt nicht mehr allein wahrnehmen können oder wollen oder selbst einmal einen Einkauf erledigen wollen und müssen. Wer heute beklagt, dass der Einzelhandel und Fachgeschäfte allerortens an Boden verlieren und verschwinden gegen Ladenketten, Discounter und Onlinehandel, sollte bei der eigenen Bequemlichkeit und Anspruchsdenken vielleicht mal wieder drei Gänge zurückschalten und sich selbst kritisch hinterfragen: Liegt es nicht vielleicht an einer überzogenen Anspruchs- und Erwartungshaltung, wenn er rund um die Uhr und jeden Tag der Woche Einkaufsangebote erwartet, anstatt seinen eigenen Tagesplan besser zu organisieren?

1992 verbrachte ich den ersten meiner Winterurlaube am Staffelsee, 1993 dann auch den Sommerurlaub und beides seinerzeit noch in einer Ferienwohnung in Uffing, in einem Haus, das als letztes an einer kleinen Strasse zum See und am Rand der moosigen Wiesen lag. Uffing ist noch ein kleines bißchen kleiner als Murnau, hatte eine Metzgerei, eine Bäckerei, einen kleinen Tante-Emma-Laden mit Spielsachen und Zeitungen und Seife und was Sommerfrischler so brauchen, eine kleine Sparkassenfiliale, eine Kirche und ein, zwei Lokale zum Einkehren. Im Sommer war es ratsam, seine Urlaubswochen dann zu nehmen, wenn der Bäcker nicht Betriebsferien machte. Wenn man ofenfrisches Bäckerbrot und Semmeln und Gebäck und Kuchen mag, um sich die Sommerfrische zu versüssen. Zuerst stutzt man ein bisserl, dass es das noch gibt. Dann gewöhnt man sich daran und legt den Urlaub eben so oder fährt mit Rad oder Auto geschwind nach Murnau oder Seehausen hinüber, frühmorgens zum Bäcker. Und dann gewöhnt man sich so sehr daran, dass man es geniesst, dass es so ein Lebensgefühl noch gibt: Echte kleine Auszeiten, Sommerfrischen, in denen ein Betrieb eben schliesst und alle Mitarbeiter gleichzeitig Urlaub haben und nehmen können – und das sogar und eben mitten in den Sommerferien und nicht nur die, welche kleine Kinder haben und für die andere Kollegen zurückstecken müssen. Nein – alle haben Sommer. Und Sommerurlaub. Kein Stress mit Aushilfen oder Engpässen durch Urlaub einzelner, alle kommen gut erholt und gern und gleichzeitig dann wieder frisch ans Werk und in den Betrieb zurück. Lebensqualität ist in vielen kleinen Mosaiksteinen zu bewirken.

Man kann daran lernen, was man davon selbst für sich im Alltag übernehmen kann. Abgesehen vom „Wir-Gefühl“ eines Betriebes, bei dem es heisst „Wir machen Sommerurlaub von …bis…“, die Frage von Burnout oder von „Darf mein Chef mich aus dem Urlaub zurückholen, weil andere krank sind und er mich braucht?“ stellt sich da von selbst nicht.

Das geht natürlich nicht für jeden Betrieb, nicht jede Firma. Aber für die „kleinen Einzelhändler“ spricht nichts dagegen, dass auch diese ihre Freizeiten brauchen und nehmen können und sollten. Gute Kunden sind die, welche dafür auch Verständnis haben. Und sich darauf selbst einstellen. Ob mit Brot und Semmeln, die sie beim Bäcker einkaufen und für die Urlaubszeit des Bäckers einfrieren und dann nach Bedarf auftauen (die ist allemal besser, als die vielen industriellen TK-Pappbrötchen, die viele kaufen) oder während des Urlaubs einen Ort weiter einkaufen. Und für die älteren Nachbarn, die das nicht mehr so gut können, gibt es immer jemanden, der ihnen vom nächsten Ort das Gewünschte mit besorgt und mitbringt. Was nebenbei noch einen ganz anderen kleinen Nebeneffekt hat, wie man sich denken kann.

Ich vermisse meinen Bäcker nebenan, wenn er Urlaub macht.

Weil ich ihn schätze. Und seine Ware. Genug, um gut zu verstehen, dass es eben auch zwei Wochen im Sommer und noch mal Urlaub an Allerheiligen gibt, in denen der Ofen aus bleibt. Und in denen man sehnsüchtig darauf wartet, dass es ab morgens gegen 4 Uhr wieder aus der Nachbarschaft nach Brot und Backen zu duften beginnt, wenn man wach wird. Und frisch Gebackenes vom Meister ab 6 Uhr ……… Montags hat er übrigens immer geschlossen. Man kann damit gut leben. Auf beiden Seiten der Ladentüre und -theke. Wenn man den Einzelhandel und Handwerk und die Menschen, die sich nach wie vor in diesen Berufen gern engagieren und täglich für deren Erhalte arbeiten, wirklich wert.schätzt. Die gegen Billigkonkurrenten ohnehin genug im Wettbewerb anzukämpfen haben. Eines der Beispiele für Ungerechtigkeit im Wettbewerb ist übrigens dieses. Und wer dann noch meint, der Bäcker sei mit seinen Preisen zu teuer, der muss sich nicht wundern, wenn mehr und mehr gute Bäcker ebenso wie anderes Handwerk und Einzelhändler aufgeben müssen. Und Innenstädte oder Ortskerne verarmen und an Vielfalt ebenso verlieren, wie damit auch Arbeits- und Ausbildungsplätze und Angebot an Waren für den Kunden, der dann nicht mehr König, sondern wie Bettler abhängig von Monopolisten, mangelnder Beratung und schlechtem Service von solchen und Onlinehandel ist. 

Alles hat zwei Seiten. Auch die kleinen Dinge wie ein halber freier Tag für Einzelhändler, an denen er den Laden nachmittags schliesst. Und ein Schild in der Türe hängt „Mittwoch nachmittags geschlossen, morgen gern wieder für Sie da ab …..Uhr“. Um das erledigen zu können, was dann für ihn getan werden muss oder kann oder möchte. Um anderntags wieder gern für Sie im Laden zu stehen. Und nicht ein Schild ins Fenster zu hängen: „Wegen Geschäftsaufgabe geschlossen“.

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