„Schon schön da – aber da leben?“ – Ein Leben in den Alpen

© Liz Collet

© Liz Collet

So einen Satz hat mancher derer schon gedacht, der – vor allem im Sommer – zum Urlaub in den Bergen, den Alpen war und ist. Im Sommer mutet das auch verlockend an, im Winter könnte mancher schon eher einen Gedanken weiter denken: Wie das wohl sein mag – wo alles nicht so leicht, so gut erreichbar, etwas abgelegener und alles von Hand und selbst zu tun und machen ist, was zum Leben dann gehören mag.

Lassen wir beiseite, dass und wie wenige noch aushalten können, offline und abseits von dem zu sein, was „jederzeit erreichbar und virtuell verbunden und verknüpft und vernetzt“ in seinem Alltag geworden ist. Kaum noch aushalten kann, mit sich allein zu sein. Mit Natur und auf sich gestellt zu sein. Für die es schon „extrem ist“, mal nur 7 Tage auf einer Alm und weit weg, von allem und allen zu sein.

Einer Redensart meines Grossvaters nach taugt keiner als Gesellschaft für andere, der nicht auch gut mit sich selbst allein sein kann. Ein Satz, der – wie ich im Laufe der Zeit und des Lebens und Kennenlernens vieler Menschen beruflich wie privat, real wie virtuell lernte – viel Wahres hat. Und der sich in viele Bereiche menschlichen Lebens weiter fortsetzt. Dort etwa, wo die einen gern im Shitstorm oder generell der Diskussion und Meinungsbildung mit der Masse, der Herde, mit denen laufen, die am meisten Likes und Zuspruch haben. Und die anderen auch dann eine eigene Meinung bilden, einen Schritt zurück treten, sich ein eigenes Bild machen und beides auch vertreten, wenn sie allein damit stehen. Und nach ihrer geäusserten Meinung aushalten, nein: gelassen hinnehmen, sich davon weder angreifen lassen, noch in ihrer Haltung beirren lassen, wo ihre Meinung und der Standpunkt, das wo und wofür sie stehen unbequem, Wind und Wetter gleichsam wie Stimmungen rau und rauer sind.

Aus welchem Holz Baum und Mensch gemacht sind, zeigt sich in Stürmen und Wettern wie Unwettern.

Meinungen von Mehrheiten müssen nicht richtiger als die Einzelner sein. Sie können sich nur in Demokratien leichter durchsetzen. Sie mögen demokratisch legitim sein, ohne moralisch oder ethisch richtig sein zu müssen. Das weiss das Recht – en passant bemerkt – auch, daher gibt es auch die hübsche Idee von Minderheitenschutz. Für diesen ist wichtig und unverzichtbar, dass auch notfalls ein einziger allein mit seiner Meinung und Haltung gegen alle anderen steht und stehen bleibt.

Das zu lernen, erst recht dort wieder zu lernen, wo Tendenzen zum Mitläufertum in candy- wie shitstorms systemimmanent verbreiteter anzutreffen und zunehmend zu beobachten sind, wäre nicht schlecht. Und ein paar Tage allein abseits und offline und sei es auf einer Alm in den Alpen zu sein, wenn es helfen würde, sich wieder mehr auf sich und eigene Stärken (und Schwächen) zu besinnnen und diese zu bilden, wie Meinung auch, wäre dann auch nicht das Dümmste. Auch für Umgang miteinander. Sozialen. Demokratischen. Und mit den Freiheiten auch der anderen, nicht allein der eigenen.

Es ist ein Klischee. Es ist kein Klischee: Natur prägt auch Naturelle.

Doch nicht allein das Leben der Menschen, wie etwa der Almbauern, ist dort ein anderes.

Auch das der Pflanzen, der Natur, der Ernte, der Kreislauf des Jahres und der damit einhergehenden Bedingungen des menschlichen, tierischen und pflanzlichen Lebens ist mit Hürden verbunden, die nicht jeder auf sich nehmen würde und kann, der es ganz schön fände, dort zu leben, wenn er für einen Ausflug, ein Wochenende oder auch einen Urlaub ist.

Der Lebens- und Jahreszyklus der Pflanzen in den kurzen und weniger warmen Alpensommern ist ein anderer, als im Tal. Pflanzen haben ausgeklügelte Strategien entwickelt. So wächst das Alpenglöckchen, das im Hochgebirge noch vor allen anderen Pflanzen blüht bereits unter der Schneedecke. Mit einer Wärmekamera kann man zeigen, dass die Pflanze dazu die Infrarotstrahlung der Sonne nutzt, die violette Blüte und der Stängel sind zehn Grad wärmer als der Schnee und schmelzen ihn einfach weg. Dann streckt sich die Pflanze Richtung Sonne und schafft es so vor allen anderen über die Schneedecke.

Der Klimawandel macht dem Alpenglöckchen nach neuesten Erkenntnissen übrigens nicht so viel aus. Das hat seinen Grund offenbar darin, dass das Gebirgsklima nicht einheitlich ist. So sind an steilen Hängen Temperaturunterschiede von bis zu fünfzig Grad dicht am Boden zu finden. So herrscht eine Vielfalt an Kleinlebensräumen, die es Pflanzen ermöglichen, an ein und demselben Hang neue Lebensräume zu erobern.

Schön, da zu leben – in den Alpen? DAS ist das Thema der folgenden (noch in der Mediathek des BR) zu sehenden Sendung, die sich mit dem Leben in den Alpen und den dortigen Gegebenheiten befasst. Auch mit der Veränderung der Alpen, den Folgen des Klimwandels für mögliche Felsstürze, Stauungen von Wassermassen etwa für die Zugspitze und Veränderung ihrer Masse.

Das kann durchaus gefährlich werden, wenn der sog. Permafrost-Boden in dieser Höhe auftaut. Dieser ist – wie der Name sagt – eigentlich ständig gefroren, was auch für die Stabilität der Berghänge mitverantwortlich ist. Schmilzt aber das Eis, ensteht eine Instabilität, als würde man einer Mauer den Mörtel zwischen den Steinen auswaschen. Hierin liegt ein Risikopotantial für massive Felsstürze, wie sie vor rund 3.700 Jahren beim Zugspitzgipfel bereits auftraten. Als  300 Millionen Kubikmeter Gestein abgingen.

 Hier zur Sendung, die Sie heute abends um 22 Uhr im BR sehen können, bereits in der Mediathek:

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