„Earth Hour 2015“ – In Murnau mit einer Nachtwanderung

Vollmond im Blauen Land© Liz Collet

Vollmond im Blauen Land© Liz Collet

Fotografen kennen das Arbeiten mit „available light“, dem verfügbaren Tages- und sonstigem vorhandenem Licht.

Zur sog. Blue Hour ergeben sich besonders schöne Licht- und Farbstimmungen. Aber auch sonst hat Fotografie mit „available light“ eine eigene Qualität und für viele Vorzüge, die Blitzlicht eh nicht und Studiolicht auch mit professioneller Beleuchtung nur in Grenzen ebenso herstellen kann. Vor allem aber ist letztere auch mit einem Energieaufwand verbunden, den man mit Blick und Augenmerk auf umweltbewusstes Arbeiten kritisch hinterfragen kann.

Auch dann, wenn Auftragsarbeit, Deadlines und Wetterlage vielfach eben bei professioneller Fotografie nicht erlauben, nur bei ausreichendem Tageslicht Arbeit erledigen zu können.

Arbeiten mit Tageslicht.

Leben mit Tageslicht.

Leben nach den und mit den Tages- und Jahreszeiten – das ist jahrhundertelang und länger Alltag für den Menschen gewesen. Noch bis ins vorige Jahrhundert. Nicht nur für Bauern und in Land- und Forstwesen.

Öl-, Petroleum- und schliesslich elektrisch beleuchtete Lampen trugen ebenso wie die Industrialisierung dazu bei, dass künstliche Beleuchtung Arbeitszeiten verlagern liess in Schichtarbeiten und verlängern liess in Überstunden und eine rund um die Uhr rund um dem Globus verfügbare Lebens- und Arbeitswelt.

Ob diese der inneren, der biologischen Uhr, der Chronobiologie gut tut, ist längst in Frage gestellt. Doch während in Bereichen von Arbeitsrecht und Arbeitsmedizin und -politik beansprucht und diskutiert wird, wie man Arbeitnehmer vor Überbeanspruchung durch „Allavailability“, die jederzeitige Erreichbarkeit schützen müsse und könne, treiben dieselben Arbeitnehmer in ihrer Freizeit freiwillig Verzicht auf „Offline“-Phasen, auf Auszeiten, die Natur und Körper eigentlich vorgeben und benötigen.

Es ist keine nostalgische Romantik, die zur Frage und selbstkritischen Überprüfung eigenen Lebensstils und alltäglich gewohnt gewordener Tagesrythmen führt, ob es nicht sinnvoll ist, sein kann, sich zumindest im Rahmen des Möglichen, also im Rahmen der nach Arbeitszeiten möglichen verbleibenden Tageszeiten wieder mehr daran zu orientieren, wie man mit dem verfügbaren Tageslicht leben kann. Ohne zusätzliches, künstliches Licht.

Und damit Strom zu sparen.

Aber nicht nur Strom zu sparen.

Sondern Energie zu sparen. Energie zugleich wieder aufzutanken.

In mehr als einem Sinne. Und wieder mehr auf die eigenen Sinne vertrauen, auf Körpergefühl, das seine eigene innere Uhr hat.

Eigentlich.

Oder wovon ist denn die Rede, wenn so vielfach geklagt wird über ein Leben und Arbeiten gegen die innere Uhr, gegen individuelle Chronobiologie?

Als Kind erlebte ich bei meinen Grosseltern im Pfaffenwinkel noch das Leben nach dem und mit dem Tageslicht als völlige Selbstverständlichkeit.

Man stand winters nahe vor der und in den übrigen Jahreszeiten weitgehend zeitgleich mit der Morgendämmerung auf, mein Grossvater etwas eher, meist gegen 5 Uhr. Da wurde nicht automatisch und sofort Licht gemacht und gar noch in allen Räumen. Man sparte mit dem Licht, man drehte Strom nicht einfach auf.

Winters wurde morgens zunächst der Ofen eingeschürt und das Kaffee- und Teewasser aufgesetzt. Der Lichtschein des Feuers war das erste Licht, das einzige. Neben dem, welches durch die Fenster fiel, nach und nach mit der morgendlichen Dämmerung. Der Ofen war die einzige Warmwasser- und Heizquelle in der Wohnkuchl und auch Wohnung meiner Grosseltern. Die beiden Schlafräume, Flur und WC wurden nicht beheizt.

Die Mahlzeiten fanden bei meinen Grosseltern immer etwas früher als anderswo statt. Mittagessen bereits zwischen 11 und halb 12, Abendbrot gegen 16 Uhr, spätestens bis 17 Uhr. Wer früher ins Bett geht, isst nicht gern zu spät.

Und abends ging man zwar nicht mit den Hühnern schlafen, aber nicht lange nach Einbruch der Dunkelheit zwischen 21 und 22 Uhr im Regelfall. Ausnahmen allenfalls wenn man später nach Hause kam. Und es gab in den Stunden frühmorgens und abends etwas, das ich als Kind liebte. Und auch seither und später mit eigener Familie gern pflegte: Dämmerstunde. Es wurde eben kein Licht angedreht, eingeschaltet.

Man sass beisammen, spielte Brett- oder Kartenspiele solange das Licht reichte, ratschte oder hörte vielleicht Radio oder schaute von Balkon oder Fenster hinaus und der Dämmerung zu, hörte, wie sich Geräusche veränderten, die Welt rundum von Tages- auf Abend- und Nachtbetrieb und weniger Betriebsamkeit umschaltete……..dimmte. Menschen, Geräte, Autos, Tiere, Vogelgezwitscher. Wenn überhaupt, dann vielleicht mit zunehmender Dämmerung eine Kerze oder ein Windlicht.  Und spürte ganz von selbst, wenn und wann man die „nötige Bettschwere“ bekam, um der inneren Uhr folgend dann schlafen gehen zu wollen – und gut zu schlafen! Nicht von multiplen künstlichen Lichtquellen und Geräten wie TV, PC, Smartphone und und und wachgehalten, auch bei schlechtem Programm im Fernsehen herumzappend und surfend, spät(er) nachts schlafen zu gehen. Und übermüdet morgens, dann „gestresst“ und sich nahe am „Burnout“ fühlend und klagend, wie überlastet man sei, aufstehen zu müssen.

Es ist ein spürbarer Unterschied zwischen dem Leben in Großstädten mit einer Ladenöffnungszeit bis 20 Uhr und allem, was sich danach dann noch anschliesst von Verkehrszeiten und -unruhe und Betriebsamkeit daheim mit Haushalt und Familie einerseits. Und dem, wie es sich mit mehr Lebens.Wert leben lässt andererseits an einem Ort wie in Murnau, an dem nur ein Teil der Geschäfte samstags länger als bis mittags geöffnet haben und auch wochentags viele nur Öffnungszeiten bis 17, 18 oder 19 Uhr. Ausnahmen wie die Supermärkte und Discounter ausser Betracht gelassen.

Man kann es regelrecht hören, wie sich ab ca 17 Uhr die Geräusche in Murnau verändern. Geräuschpegel und -arten. Das ist eines der (wohltuenden) Dinge, die ich schon seit den Urlaubszeiten im Blauen Land kannte und die mir gleich nach dem Umzug hierher aufgefallen  sind. Bei denen man ganz von selbst wieder geniesst, wenn es sich mit Tageszeit und Tageslicht leben lässt. Oder es Genuss pur allein schon ist, am Rande des Murnauer Mooses, vom Balkon und Fenster oder auch beim Abendspaziergang  aus mit freiem Blick auf Alpspitze und Hausberge zu sehen, wie sich die Blaue Stunde über das Blaue Land legt und nach und nach die Lichtfunken der Seilbahn und Bergstationen am Hang aufzublitzen beginnen und am Himmel einer um den anderen Stern, die hier zu tausenden besser zu sehen sind als über lichtversmogten Städten. Intensiver Tageslicht und Tageszeiten spüren und spürbar erleben, wenn man auf zusätzliches, künstliches Licht verzichtet und verzichten kann.

Nicht nur für eine Earth Hour im Jahr, sondern so weit und oft wie möglich. Nicht zuletzt dem eigenen Wohlbefinden, um nicht zu sagen: der eigenen Gesundheit zuliebe.

Viele kennen inzwischen die ganz eine einfache Idee der Earth Hour, die rasend schnell zu einem weltweiten Ereignis wurde :

Millionen von Menschen schalten 2015 zum neunten Mal für eine Stunde am gleichen Abend ihr Licht aus – überall auf dem Planeten. Bei der nächsten Earth Hour am 28. März 2015 gehen um 20:30 Uhr wieder die Lichter für eine Stunde aus. In diesem Jahr ist es bereits das neunte Mal, dass diese „Earth Hour“ stattfindet. Diese weltweit veranstaltete Umweltschutzaktion, die durch den WWF initiiert wurde, soll das Umweltbewusstsein fördern sowie Energiesparen und das Reduzieren von Treibhausgasen symbolisch unterstützen.

Im letzten Jahr beteiligten sich über 7000 Städte und Gemeinden in 162 Ländern an der WWF Earth Hour. In Deutschland machten 163 Städte und Gemeinden für eine Stunde das Licht aus.

Anstatt es beim „hippen“ Event zu belassen und dabei vielleicht das eine Mal im Jahr mitzumachen (oder auch nicht einmal das), würde ich persönlich es für sinnvoller halten, im Alltag wieder mehr auf ein Leben mit dem Tageslicht zu achten. Weil dann automatisch weniger Licht und Strom für diesen und en passant und im Kleinen und Alltgäglichen dann konsequenterweise auch andere Energiefresser weniger genutzt würden, die in den Abendstunden parallel und oft wie nur nebenher und ohne wirklichen benefit, ohne Nutzen. Eher gegen den Vorteil und Nutzen für das eigene Wohlbefinden. Bei Erwachsenen wie Kindern.

Übrigens trifft die Earth Hour diesmal auf das Wochenende, an dem bei uns erneut die Umstellung auf die Sommerzeit in der Nacht vom 28.3. zum 29.3.2015 stattfindet. Für alle „Sommerzeitlegastheniker“, die sich nicht merken können, wann sie beim Wechsel von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt die Stunde vor- oder zurückstellen müssen, habe ich HIER einen Link, unter dem Sie das exakt angezeigt bekommen.

Zurück zur Earth Hour, die auch in Murnau mit einer Veranstaltung „begleitet“ wird. Hier findet aus diesem Anlass eine Nachtwanderung statt: Von der beleuchteten Straße aus spazieren die Teilnehmer in die völlige Dunkelheit des nächtlichen Waldes. Dabei heisst es dann, auf die eigenen Sinne zurückzugreifen, die im Alltag oftmals in Vergessenheit geraten.

Wie fühlt es sich an, ohne Zivilisationsbeleuchtung in der Dunkelheit unterwegs zu sein und sich zurecht zu finden?

Und: Wie fühlt es sich danach an, wieder in das nächtliche Lichtermeer einzutauchen?

Ganz und gar finster wird es übrigens dann nicht sein. Zwar ist der nächste Vollmond erst am 4. April 2015, aber am 28.3.2015 zur „Earth Hour“ ist bereits wieder gut die Hälfte der Mondsichel im zunehmenden Mond zu sehen.

Der Markt Murnau a. Staffelsee  wird die Beleuchtung zur „Earth Hour“ an sämtlichen öffentlichen Gebäuden ausschalten.  Um diese Umweltschutzaktion zu unterstützen und damit auf den Klimawandel aufmerksam zu machen, sind Geschäfts- und Ladenbesitzer sowie Privatpersonen dazu aufgerufen, sich an ihr freiwillig zu beteiligen.

Die Teilnahme an der Nachtwanderung „Earth Hour 2015“ ist kostenlos. Achten Sie aber auf wetterfeste Kleidung und geeignetes Schuhwerk und natürlich darauf, zu Hause den Strom abzudrehen!

Nähere Informationen erhalten Sie beim – wie es HIER heisst – beim Umweltreferat des Marktes Murnau a. Staffelsee.

Dessen Kontaktdaten sind:

Umweltreferat
Schloßbergstraße 10
82418 Murnau a. Staffelsee

Telefon: 08841 476-175
Telefax: 08841 476-288
E-Mail: umweltreferat@murnau.de
Öffnungszeiten

Mo bis Fr 08.00 – 12.00 Uhr
Di, Do 14.00 – 16.00 Uhr

 

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