Bissl Klappern und Plappern…?

 Das "Beurer-Haus" © Liz Collet

Das „Beurer-Haus“ © Liz Collet

…für goldenes Handwerk und Handel.

Unlängst hat ein Beitrag des Bayerischen Fernsehens sich des Themas Ladensterben und des Protests der Einzelhändler in Murnau angenommen. HIER können Sie noch das knapp 2-minütige Video des BR in der Mediathek sehen. Zu recht wird kritisiert, dass und wie  Onlinehandel nicht einfach nur Arbeitsplätze in Frage stellt, wenn durch den Umsatzrückgang im Einzelhandel vor Ort auch Personalkosten eben nicht mehr finanzierbar bleiben. Die spielen aber nicht nur ihre Rolle bei den Steuereinnahmen eines Ortes durch den Handel, sondern eben auch für die Kaufkraft der Einzelhändler und ihrer Kunden.

Natürlich leben auch viele heute mit und vom und über ihre Arbeit und Arbeiten auch über Internet und Onlinehandel. Auch einige meiner Produkte und Dienstleistungen wären ohne Internet gar nicht mehr praktizierbar, weil der Markt danach verlangt, wie etwa bei Fotoarbeiten als Fotografin für Agenturen. Und so manches Mal habe ich Onlineportale auch zum Einkauf neuer oder gebrauchter Waren oder zu deren Verkauf genutzt, wenn anders nicht erhältlich. Und wer würde nicht gern die schnelle Möglichkeit eines Internetinserats sogar über Facebook nutzen, wenn sich damit Käufer der Kinderkleidung, gebrauchter Möbel u.a.m. und Verkäufer finden, die dann am gleichen Wohnort beim persönlichen Treffen das verkaufen und kaufen, was sonst über Zeitungsinserate angeboten wurde. Internet hat Vorteile für solche privaten Verkäufe und gegenseitige Hilfe, bei gebrauchten Dingen.

Doch muss man im Auge behalten, dass es im Handel sonst, bei allem, was man sonst so kauft und neu braucht und sucht, mit vielen negativen Folgen verbunden ist, wenn man das vor Ort vorhandene Angebot des Handels nur beguggt, aber bei Online-Riesen des Internethandels kauft. Bei Büchern etwa ist wegen der Buchpreisbindung kein Vorteil gegeben, allenfalls noch Versandkosten obendrauf zu rechnen. Und bei anderen Waren schadet es nicht, zunächst das örtliche Handelssortiment zu sichten und was nicht vorhanden ist, wird mancher Einzelhändler ggf. gern ergänzen, wenn möglich und um seinen Kunden mit Service das zu bieten, was Onlinehandel nicht leistet.

Es kann nicht sein, dass der Blick allein auf Erhalt oder Verlust von Betrieben wie Geiger fokussiert wird – so erheblich der Verlust ist, an dem neben Gewerbeeinnahmen auch Arbeitsplätze hängen. Doch wer erst nach Ladenschluss mit wenig konkreten „Notfallrettungsvorschlägen“ das noch abwenden will, zumal und allenfalls mit Grundstücken, die nicht dem Markt Murnau, sondern einem einzelnen Gemeinderatsmitglied gehören, das es (durchaus lange bekannt und verständlich) für den eigenen Beitrieb braucht und nicht opfern muss, kann kaum erstaunt sein, dass damit nicht handel- und verhandelbar für den Verbleib des Unternehmens Geiger sein kann. Ein Jahr nach den Kommunalwahlen Zeit und nachdem lange bekannt war, dass Geiger abziehen könnte aus Murnau, blieb da wohl zu wenig genutzt an „Wirtschaftsförderungskompetenz“ , mit der man im Wahlkampf um Stimmen geworben hatte.

Da mutet dann eine kostenintensive zusätzlich geforderte Stelle eines „Wirtschaftsförderers“ nicht wirklich wie eine konstruktive Lösung an, sondern eher als der Versuch, Verantwortung auf einen Dritten zu delegieren, die – wenn solcher (angesichts der Hürden in Murnau für Wirtschaft, Handel und deren Förderung) scheitert – dann auch praktischerweise einen „Sündenbock“ als Verantwortlichen bieten könnte. Das mag dann partei- und kommunalpolitisch manchen von Verantwortlichkeit freizeichnen, löst aber das Dilemma und das Problem der Förderung von Handel und Wirtschaft leider nicht, nur weil man es aus der Rathausspitze auf den Inhaber einer neu zu schaffenden und auszuschreibenden Stelle verlagert. Der dann den Kopf hinhalten kann. Und muss. So macht man Wirtschaftsförderung nicht „zur Chefsache“, au contraire!

Wen wundert’s dass da nicht alle im Gemeinderat nur Applaus, sondern auch Kritik und Zweifel äussern.

Mit den Gefahren für den Einzelhandel und seine Existenzfähigkeit verlieren Orte mit dem fehlenden Angebot von Arbeits- und natürlich auch Ausbildungsplätzen auch den Reiz für junge Menschen und junge Familien, am Ort zu bleiben – oder schlicht auch bleiben zu können.

Viele Geschäfte, ihre Inhaber und Mitarbeiter  in Murnau sind engagiert und kreativ und bieten längst allerlei an, was neben ihrem eigentlichen Geschäft auf den ersten Blick nicht naheläge. Und keineswegs „nur touristische“ Produkte. Mit Blogs und Facebook-Seiten und Posts über alles, was sie zu bieten haben und aktuell bei ihnen los ist, nutzen sie moderne Medien – und dennoch bleibt es der persönliche nette Kontakt und Besuch der Läden und der Menschen darin. Noch. Wenn Murnau nicht übersieht, was auch weiterhin wichtig bleiben und gefördert werden muss.

Ich erlebe in Bäckereien (für die ich vitabedingt ein besonderes Augenmerk und Faible habe) hier Mitarbeiter, die freundlich, kompetent und gut gelaunt und stets bedacht auf die Wünsche und was man als Kunde noch gern wissen oder brauchen könnte achtend, den Einkauf zu Gute-Laune-Pausen im täglichen Allerlei machen, wie bei Meister und Erl. Die man mit Entzugserscheinungen vermisst, wenn der Betrieb Urlaub macht und zwei Wochen schliesst. Und montags eh.

Bäcker.Meister, Meister.Bäcker © Liz Collet

Bäcker.Meister, Meister.Bäcker © Liz Collet

Wenn hingegen im Discounter das „frische“ Brot auf Knopfdruck angefordert aus einem Kasten poltert oder die Ansage kommt, dass das Produkt heute nicht mehr vorhanden ist, geht der Kunde eben ans Regal verpackter Waren oder in den nächsten Laden. Weil es wenig Unterschied macht….?

Dann  ist da auch der Kaffeekocher mit hausgemachten Kuchen und Torten und regelmässigen musikalischen Programmeinlagen und neuerdings gar Lesebrillen für seine Kunden.

Da ist der Peter Kreitmeir, bei dem man neben seinem Angebot an Arbeiten als Goldschmied und Goldschmiedekursen, antiquarischen Büchern und Lesungen nie ohne ein wirklich nettes Gespräch aus dem Laden geht, für das er immer Zeit hat und findet. Und der seine Goldschmiede in wenigen Wochen in das Beurer-Haus in der Johannisstrasse verlegt. Ein wunderschönes, eines der besonders schönen Häuser in Murnau, das – wie Sie im Bild oben sehen können – mit sattem Goldgelb bei jedem Wetter sonnig anmutet und die paar Schritte vom Markt herüber auch schon für den „Strickpunkt“ lohnte, der Anfang Oktober in den Laden am Untermarkt wechselte. Da gibt es Strickabende, für die Sie schier schon vor Ihrer Geburt angemeldet sein müssten, so begehrt sind sie, wenn Sie mal daran teilnehmen möchten. Und immer Interessantes dazu und über neue Strickarbeiten im „Blög“ und jede Menge feinster Wolle nicht nur der Werdenfelser Schafwolle im Laden, der schon durch seine liebevolle Gestaltung zum Eintreten, Stöbern und Beute bei der Wolle machen verführt.

© Liz Collet

© Liz Collet

Da ist ein Spielwarenladen am Untermarkt, in dem man sich in Kaufladen-Kindertage mit der Art von Spielzeug zurückversetzt fühlen kann, die man selbst als Kind kannte. Und die man nur zu gern wieder entdeckt. Und schwer widersteht, nicht auch gern die Zehen ins Wasser am Brunnen davor zu halten, den Sommer über. In diesen Brunnen und einen der anderen in Murnau und bevor sie nun wieder abgedeckt überwintern.

Sankt Nikolaus © Liz Collet

Sankt Nikolaus © Liz Collet

Gleich dahinter könnte man den Weg an einer Wiese mit Schafen vorbei und hinauf zur Pfarrkirche Sankt Nikolaus gehen, die derzeit noch innen renoviert und saniert wird. Und auf deren Friedhof man nicht nur das Grab Gabriele Münters findet, sondern von dort auch einen der schönsten Ausblicke hinüber zu ihrem „Russenhaus“, dem Münter-Haus hat, in dem sie lebte. Und natürlich bis weit über das Murnauer Moos bis zur Alpspitze, dem Ettaler Mandl, dem Laber-Berg und einem Zacken der Zugspitze.

 Und geht man dann auf der anderen Seite der Kirche wieder hinunter, kommt man beim Karg, der Weissbierbrauerei heraus und am Käseladen mit den wunderbaren Sorten von Heublüten- und vielen anderen genussreichen Käsesorten. Schwer wird’s, da zu widerstehen. Also dem Käse. Dem Weissbier mancher auch.

Bevor man die wenigen Schritte weiter wieder Richtung Markt am Rathaus vorbeischlendert. Das wird – wie man lesen konnte – nun doch ein bisserl länger brauchen, bis die nun neu durchzuführende Ausschreibung beanstandungsfrei erfolgt sein wird und das Bauvorhaben doch noch realisierbar wird.

Das war dann eine deutliche Fehleinschätzung, bei der man  sich noch im September und schon nach der Beschwerde der bei der Vergabe des Auftrags übergangenen Gewinner des Wettbewerbs (Bembé Dellinger) für das Sanierungskonzept gegen die Vergabe des Auftrages an die nur zweitplatzierte Firma „Schoeps & Schlüter“ mit Blick auf das Nachprüfungsverfahren gelassen und überzeugt geäussert hatte, „dass juristisch alles einwandfrei ist“. Dagegen hat die Vergabekammer Südbayern die Murnauer Verwaltung im Zuge eines sogenannten Nachprüfungsverfahrens inzwischen eines Besseren belehrt, das Prozedere zur Vergabe der Architektenleistungen für das prestigeträchtige Bauvorhaben wiederholen zu müssen. Dort wird also noch eine Weile auf einen Neubau zu warten sein.

Man spaziert daran vorbei  grad auf die kleine Metzgerei Pfleger zu, bei der man an sich halten muss, wenn es frisches Brät und passierte Leber für Nockerl in der Suppe, aber auch so manche andere Schmankerl gibt, zu denen der Wochenplan verführt, der im Schaufenster ankündigt, wann was an jeweiligem Fleisch von Lamm und Rind usw im Geschäft zu bekommen ist. Der Familienbetrieb Eduard Pfleger wurde  im 19. Jahrhundert gegründet und wird jetzt bereits in der vierten Generation fortgeführt.

Schaut man von dort den Markt rauf und runter, könnte es einem im Wald von Postkartenständern vor manchen Geschäften manchmal scheinen, als seien nur solche zu finden. Und Eisdielen, Café und Gastronomie. Die sind zwar wichtig – natürlich. Aber auch diese werden weiterhin daran arbeiten müssen, ihr Angebot reizvoll und abwechselungsreich zu halten. Mehr noch: Unverwechselbarkeit zu intensivieren, die für Murnauer und Menschen der Region wie Gäste gleichermassen anlockt, sie auch zu besuchen.

Das, was es überall und auf jeder Speisekarte gibt und einige tourismustypische Geschäfte, das allein kann es nicht sein, darf es nicht werden.

Man kann und darf aber eben nicht übersehen, dass es auch mit den Cafés, Eisdielen und Gastronomie auf Dauer weder für Urlaubs- noch Tagesgäste des Blauen Landes interessant sein kann, die gute Stube Murnaus zu besuchen, durch Ober- und Untermarkt und auch durch die anderen Gassen und Wege zu flanieren und zu spazieren, die hübsche Ecken und Flecken hätten, wenn es ausser dem Griff zu einer Eiswaffel und vielleicht einer Mahlzeit nicht auch am Markt selbst genug Reizvolles und Abwechslung zu Sehen und Schnuppern und Shoppen und Spazieren gäbe. Das wäre zu schade, denn gerade die Fussgängerzone würde dazu eigentlich einladen – wenn sie, ja: WENN sie die Chancen behält und wahrnimmt und ergreift, eine bunte Vielfalt an interessanten Läden zwischen die zum Verweilen und Essen und Trinken einladenden Sitzplätze zu erhalten und zu beleben.

Und was wünschen SIE sich für Murnau – im Handel, beim Handwerk, in der kulinarischen und Geniesser-Ecke? Wenn Sie übermorgen zur Leonhardifahrt nach Murnau kommen, oder morgen zum Mittwochsmarkt oder am Sonntag zum Novembermarkt, dann ………..schauen Sie sich doch vielleicht auch mal danach um, was Sie in Murnau und Murnau’s guter Stube gern haben, warum Sie hierher kommen, wo Sie gern reinschauen, in welche Läden und was Sie gern noch hätten. Und wenn’s mögen, dann lassen Sie Ihre Vorschläge gern in einem Kommentar unter dem Beitrag zurück. Ich freue mich darauf.

Bis dann?

Und ………..natürlich bis zum Mittwochsmarkt. Und die Leonhardifahrt, auf die sich eh schon alle freuen. Und auf einen nächsten Ratsch und Plausch. Rund um…………..Murnau.

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3 Antworten zu “Bissl Klappern und Plappern…?

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