169. Geburtstag König Ludwig II.

Nymhenburg leuchtet© Liz Collet

Nymhenburg leuchtet© Liz Collet

Heute vor 169 Jahren erblickte auf Schloss Nymphenburg der Märchenkönig, Ludwig II. Otto Friedrich Wilhelm von Wittelsbach, König von Bayern,das Licht der Welt ( * 25. August 1845 in Schloss Nymphenburg, König von Bayern 1864–1886, gest. 13. Juni 1886 im Starnberger See).

Im Schloss Linderhof in Ettal wird am Geburtstag des Kinis eine «König-Ludwig-Nacht» mit Konzerten, Führungen und Festbeleuchtung gefeiert. Im benachbarten Schlosshotel gibt es zu Ehren des Königs ein «Menu en bleu royal». Als besondere Programmpunkte bietet die Schloss- und Gartenverwaltung Sonderführungen in der Ausstellung «Vom Lynder-Hof zum Schloss», szenische Erzählungen an der «Alten Brücke» und eine Lesung im Forsthaus Linderhof an.

Werden Events wie diese mehr über den Monarchen vermitteln?

Person und  Erbe des Märchenkönigs sind weltbekannt und ziehen jährlich Millionen Besucher allein zu seinen Schlössern, natürlich besonders Neuschwanstein am Ende der Romantischen Strasse bei Füssen und im Ammertal.

Etwas weniger bekannt ist dann schon das Königshaus am Schachen, das ebenso wie die Berggaststätte auf über 1800 m Höhe liegt und nur zu Fuß erreichbar ist. (Gehzeit für Auf- und Abstieg ca. 6-7 Stunden!). Die Chance dort die Einsamkeit zu finden und zu behalten, lagen und lägen dort eigentlich näher, als zumindest heute Neuschwanstein bietet, das jährlich einen Besucherstrom in der Grössenordnung der Einwohnerzahl Münchens zu bewältigen sucht.

Oder dass sich König Ludwig mit Kaiserin Elisaebth auch auf der Roseninsel am Starnberger See traf. Und durchaus vieles andere über Person und Historisches über König Ludwig II, wenn man Menschen fragt, was sie wissen über ihn, was er als Monarch tat, abgesehen vom Bau der Schlösser, kulturell.  Wie viele Klischees, Etiketten das Bild von ihm mehr als wirkliches Wissen über ihn prägen, bleibt erstaunlich.

Der Geburtstag des Prinzen fiel auf den Tag des heiligen Ludwig IX., König von Frankreich und Stammvater des Hauses Bourbon. Sein Großvater und Taufpate Ludwig I. von Bayern, am gleichen Tag geboren, hatte Ludwig XVI. von Frankreich zum Paten gehabt.
Für das Selbstverständnis des späteren König Ludwigs II. blieb diese Beziehung zum Königshaus der Bourbonen zeitlebens prägend, der bereits mit  18 Jahren  1864 den Thron besteigen musste, ohne Lebens- und Politikerfahrung, wie ihm selbst durchaus bewusst war.

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1873 sagte er über sich selbst:

„Ich bin überhaupt viel zu früh König geworden. Ich habe nicht genug gelernt. Ich hatte so schön angefangen, Staatsrecht zu lernen. Plötzlich ward ich herausgerissen und auf den Thron gesetzt. Nun, ich suche noch zu lernen“

Kaum 2 Jahre nach Beginn seiner Regentschaft erlitt er 1866 die größte Niederlage seines Lebens, als das expandierende Preußen  im sog. „Deutschen Krieg“ Österreich und Bayern besiegte und Bayern damit außenpolitisch von Preußen abhängig und sein König nur noch ein „Vasall“ seines preußischen Onkels wurde.

Dies bedeutete eine Beschränkung auf die Funktion eines konstitutionellen Monarchen, eines Staatsoberhauptes mit Rechten und Pflichten, jedoch geringen politischen Spielräumen. Dies kann man als Motiv deuten, dass und warum er etwa in dieser Zeit begann, sich eine Gegenwelt zu schaffen, in welcher er sich als wahrer König empfinden konnte.

Die Förderung Wagners gehört dazu. Aber auch die Bruckners, der ihm seine   Symphony n°7 in E-Dur  widmete, die er in den Jahren 1881 bis 1883 schrieb und die 30. Dezember 1884 im Leipziger Stadttheater vom Gewandhausorchester Leipzig unter Arthur Nikisch uraufgeführt wurde.

Mehr noch aber prägen die Schlösser König Ludwigs II diese Gegenwelt:

Schon 1868 entstanden Idealentwürfe  für eine „Neue Burg Hohenschwangau“ hoch über dem beschaulichen Hohenschwangau seines Vaters, für einen „Byzantinischen Palast“ und für eine Kopie von Versailles. Von Anfang an war die Gegenwelt epochenübergreifend.

Der Name Neuschwanstein für die „Neue Burg“ entstand erst viel später, mehr zu Idee und Entstehungsgeschichte mit Bildern, Skizzen uam HIER;

Ebenfalls interessant: Video / Filmbeitrag „Schloss Neuschwanstein“ – (ZDF-Reihe „TERRA X – Superbauten“, 43 Minuten)

Die „Neue Burg“  versetzte in das christliche Königtum des Mittelalters, das seit 1878 auf Herrenschiemsee errichtete neue Versailles vergegenwärtigte den barocken Absolutismus der bourbonischen Könige Frankreichs. Linderhof im Graswangtal wurde ab 1869 zu einem Sammelplatz für Illusionen verschiedenster Herkunft, unterstützt von modernster Technik.

Die Liebe zu moderner Technik ist vielen weitgehend unbekannt. So besuchter er 1867 gemeinsam mit seinem Großvater König Ludwig I. die Pariser Weltausstellung und gründete 1868 die „Polytechnische Schule München“ mit Hochschulstatus, die heutige Technische Universität München und zahlreiche wissenschaftliche Institute.

In Schloss Hohenschwangau liess er ein Photolabor einrichten und förderte die Drucktechnik mit der Finanzierung der Erfindung des Lichtdrucks durch Joseph Albert. Das weltweit erste Elektrizitätswerk mit einer Dynamomaschine stand in Schloss Linderhof. Der Farbstoff Indigo wurde auf seine Anordnung hin erstmals künstlich entwickelt. Sein sog. Nymphenschlitten gilt als das erste elektrisch beleuchtete Fahrzeug der Welt.

In seinen Schlössern wurde Elektrizität eingesetzt. Es gab auf Neuschwanstein Zentralheizung,  Telefon  im oberen der Stockwerke, fliessendes Wasser in allen Räumen des Schlosses, beheizbare Bassins, elektrische Rufanlagen für die Dienerschaft, Wasserklosetts und Aufzüge. Der kleine Rumfordherd setzte den Spieß durch Eigenwärme in Bewegung und konnte so die Umdrehungen des Spießes dem Grad der Hitze ständig anpassen.

Schon beim Bau Neuschwansteins wurden die beiden Lastkräne  mit Dampfmaschinen betrieben.

Neuschwanstein © Liz Collet

Neuschwanstein © Liz Collet

Einen wunderschönen virtuellen Rundgang 360° Panorama auf mehreren Ebenen und in mehreren Bereichen von Schloss Neuschwanstein geniessen Sie hier.

Und in der Venusgrotte von Schloss Linderhof stand eine Wellenmaschine zur Verfügung. Auch stellte er zur Entwicklung und Erprobung der Flugtechnik  finanzielle Mittel bereit.

Neben solchen praktischen Technikeinrichtungen hatte er auch fantasievolle und verspielt anmutende Pläne, wie der Entwurf eines Flugwagens in Pfauenform zeigt, mit dem er über den Alpsee vor seinem Schloss schweben wollte. Der Flugwagen mit einem Ballon darüber sollte von einem Seil gezogen werden, das von einer Dampfmaschine gezogen werden sollte.

Was verspielt anmuten mag, findet sich jedoch vielfach seit vielen Jahren wieder: Was unterscheidet solche Ideen von dem, was Menschen später umsetzten in ungezählten Seilbahnen und anderer Technik, die – wie eine Seilbahn über die Elbe zum Musicaltheater – ebensowenig „nötig“ erscheinen können?

In Murnau hat man ihm vor  120 Jahren das König-Ludwig-Denkmal an der Kohlgruber Straße in Murnau gesetzt.Regelmässig hatte König Ludwig II  auf seinem Weg mit der Kutsche zwischen München und seinen Aufenthalten in den Bergen in der „Post“ Halt gemacht. Mehrere hundert Besucher nahmen jetzt an der Gedenkfeier teil.

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