Ferienschmankerl für Seepiraten

Abgebräunter Leberkäse für kleine Piraten © Liz Collet

Abgebräunter Leberkäse für kleine Piraten © Liz Collet

Es gibt sie für jeden von uns, die Leibspeisen, die wir als Kinder liebten. Und von denen wir manche noch heute lieben.

Zu meinen Leibspeisen gehörten Schinkennudeln, Nudeln mit Käs‘ (das war geriebener Emmentaler und der wurde auf die gekochten und anschliessend in der Pfanne gebratenen Nudeln gestreut) und Apfelstrudel.  Sie hätten das abwechselnd die ganze Woche zubereiten können und mich nachts jederzeit dafür wecken.

Aber es waren nicht die einzigen Lieblingsgerichte – Mehlspeisen wie Dampfnudeln, Griessbrei mit Apfelmus oder Kompott, Reisbrei und andere preiswerte Speisen mochte ich ebenso, wie Nockerlsuppen, Bohneneintopf, Erbsensuppe und Linseneintopf, Würstl mit Kraut, Bratkartoffeln oder Tiroler Gröstl ……….und die Liste liesse sich fortsetzen.

In den Ferien gab es natürlich immer noch eine ganz eigene Küche…………sei es, dass die üblichen Essenszeiten nach der Schule nicht galten oder sei es, dass die Küche kalt blieb und der Picknickkorb gefüllt wurde oder es an Tagen, an denen eingekocht oder Marmelade gekocht wurde, nur eine schnelle sommerliche Küche gab. Und gar nicht zu reden von den heissen Sommertagen, an denen wir eh den ganzen Tag im Hof und über die Wiesen umeinanderflitzten, mit den Freunden spielten und am liebsten eh nur Eis geschleckt hätten oder höchstens mal ein Brot auf der Pfote essen wollten, um nur ja keine Minute Ferientag draussen zu verpassen, wenn wir als Räuber, Schandi, Cowboys, Jäger, Indianer, Ritter, Römer und Gallier zwischen Fangsterl, Versteckerles, Völker- und Federball und 1001 anderem Abenteuer Lagerfeuer hielten.

© Liz Collet

© Liz Collet

Dann packte meine Mutter schon mal einfach einen selbstgekochten Vanille- oder Schokoladenpudding in eine ihrer grossen Porzellanschüsseln und diese in ihren Einkaufskorb, eine Handvoll Löffel und Dessertschüsseln dazu und seilte den Korb vom Balkon oder Wohnzimmerfenster zu uns Gören und Rackern herunter ab. Und die ganze Rasselbande stürzte sich mit Juchu darüber her. Anstelle von Pudding konnte das auch mal ein oder zwei Dutzend Steckerleis (wie das Milcheis für 20 Pfennig) sein oder eine Portion Fleischpflanzerl mit Brezen dazu. Ferienzeit, das war auch Ferienküche mit Augenzwinkern über die Rasselbande, die wie die Wilden barfuss durch den Sommer unterwegs war und mit Grasflecken am Hosenboden, als Schwarzfussindianer abends erst wieder ins Haus gepilgert und geschlichen kam, müde von allen Abenteuern der Ferientage und noch von Balkon zu Balkon frisch gebadet oder geduscht mit Taschenlampen morste und kichern Pläne für Räuber und Schandi Gaudi des nächsten Tages ausmalte ………..bis irgendwann Ruhe wurde. Oder auch nicht. An den Tagen etwa, an denen wir am balkon die Wäscheleine vom Geländer zu den Haken der Wand und eine Decke darüber spannten und auf der Luftmatratze darunter oder ganz „im Freien“ auf dem Balkon schliefen. Und in die Sterne statt in die Röhre guggten. Wann haben Sie das zum letzten Mal gemacht?

© Liz Collet

© Liz Collet

Wir sind anderntags noch barfuss durch das taunasse Gras – im Nachthemd vielleicht sogar – durch Hof und Garten gezogen, um sich bevor die anderen wach werden den ersten der Äpfel des Tages vom Baum zu pflücken oder eine der Zwetschgen? Wenn die Sonne gerade erst langsam aus den Federn kommt und das Wasser in der alten Zinkwanne im Garten noch kalt von der Nacht ist? Und quietschwach macht? Und erst im Laufe des Tages von der Feriensonne langsam erwärmt wird?

Ferientage, das sind die Tage, an denen alles andere Regeln hatte und hat – gar keine nämlich. Wenn schon das Frühstück draussen stattfand……… und manchmal bestand es aus den Beeren, die wir von den Sträuchern im Garten zupften – frisch und nicht lang gezögert ins Goscherl, während wir kaum in den Sandalen oder barfuss zu „unserem“ Edeka rübersausten, Milch holen. Brezen kaufen oder Semmel für Marmelade, die an solchen Tagen gekocht wurde.

Sommernaschkatzen.

Und auch wenn es heutzutage oft heisst, „alle Kinder“ lieben nur noch Spaghetti Bolognese, Pizza und Pommes (rotweiss). Hört man aber genauer hin oder tischt das wieder auf, was schon zu „meiner“ Zeit auf den Tisch kam, dann entdecken auch Kindsköpfe von heute neu und Neues, was wir schon liebten. Kindergarten- und Schulfreunde dbmS, die angeblich nichts anderes hätten essen wollen, als diese drei Gerichte, futterten mit Genuss Schinkennudeln ebenso weg, wie abgebräunten Leberkäse mit Salat und knusprig geröstetem Brot und Spiegelei, selbstgemachte Lebernockerlsuppe oder Backerbsensuppe, bei denen sie zusehen und die Nockerl- und Backerbsenmasse anrühren durften, Pfannkuchen mit Marmelade, hausgemachte Reibedatschi, für die sie Kartoffeln schälen und reiben durften und vieles andere mehr.
Dazu musste ich nicht einmal den Leberkäse wie im Bild als Piratenschiff ausschneiden, habe es aber gern für nette kleine Kindsköpfe als Gäste auch getan. Viele der Ideen, die im Alltag und für Anlässe wie zu Geburtstagen, Kindergarten- und Schulfesten in den Sinn kamen und von mir zubereitt wurden, fanden erst Platz in Notiz- und Rezeptbüchln. Und später dann auch in der Arbeit für meine Bilder für Agenturen und für die Food-Themen.Wo sie dann für Speisekarten in der Gastronomie, für Kinder- und andere Kochbücher oder Kinderkochkurse und vieles andere mehr ihren Markt und ihre Geniesser suchen und finden. Und bis ich – vielleicht, hoffentlich? – eines Tages auch Enkel bekochen und begrossmuttern kann, machen sie derweil anderen als Schmankerlideen Spass.

Abgebräunter Leberkäse für kleine Piraten © Liz Collet

Abgebräunter Leberkäse für kleine Piraten © Liz Collet

Mehr bunten Salat als „nur“ Bratkartoffeln (nix gegen wirklich gute Bratkartoffeln, die liebe ich) und knackfrische Paprika, Karotten, wunderbare Tomaten und Gurken dazu und einen frischen Kräuterquark, da entern auch Mini-Piraten im Nu die Kombüse und kapern sich bis zum letzten Happs, was auf Tisch und Teller kommt. Garantiert.

Und weil ich immer wieder mal gefragt werde, ob ich es nicht schade fände, dass dann immer „Ränder“ und das übrig bleibe, was man beim Ausschneiden solcher Formen dann nicht brauche: Wie kommen Sie nur immer auf die Idee, da bliebe auch nur ein Schnibbsel oder Schnitzelchen unverwendet? Der „weggeschnittenen Rand“ vom Leberkäse landet als gewürfelter Leberkäse anderntags in Suppe, Salat, Kartoffelsalat, Rührei oder „Schinkennudeln“, für die bei uns nicht nur Schinken, sondern Salami und überhaupt alles an Wurst verwendet wird, was gern als Resterl Verwendung findet. Und beim Ausstechen von Herzen aus Paprika, Karotten oder anderem Gemüse kommt alles andere ebenso in Salat, Suppen oder Gemüseeintöpfe, Strudel und anderes mehr. Was nicht am selben oder anderen Tag verwendet wird, kann man bestens ins TK-Fach geben und hat so zB immer genug Gemüse, das man für Saucen und Suppen gebrauchen kann.

Was waren IHRE Leibgerichte als Kind……..oder sind es heute noch? Und welche Leibspeisen mögen Ihre Kinder oder Enkel? Lassen Sie es mich wissen, schreiben Sie mir gern einen Kommentar dazu und wenn Sie einen Blog haben, in dem das Gericht zu lesen und zu sehen ist, freue ich mich besonders, wenn Sie den Beitrag hier verlinken.

Ferienküche© Liz Collet

Ferienküche© Liz Collet

Und…………………nun: Schöne Ferien!

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