In Gottes Hand und Carpe Diem

 In Gottes Hand © Liz Collet

In Gottes Hand © Liz Collet

Wenn Sie mit einer Gruppe eine Führung in eines der Klöster der Region unternehmen, kann dieses je nach Wochentag und Saison dort lebhaft besucht sein und wenn Sie mit einem Reisebus dort ankommen, tun Sie immer gut daran, sich zu vergewissern, dass Sie Parkmöglichkeiten dort finden und sich für den Fall von Veranstaltungen mit grösserem Publikumsandrang darauf einzustellen, sich nach anderen parkmöglichkeiten umzusehen. Der Blick auf Websites ist da regelmässig hilfreich vor der Fahrt dorthin. Nicht immer, nicht alles aber wird man dort erahnen.

Dass selbst der Parkplatz des Klosters Benediktbeuren (der nicht grade klein ist) überfüllt und Zufahrt von Pkws zudem blockiert und mit Stau belegt sein kann, ist eher ungewöhnlich. Musikanten und Trachtenkleidung lassen nicht auf den ersten Blick ahnen, um was es sich handeln könnte. Aber die vorsichtige Nachfrage bei einem von ihnen brachte schnell die Antwort. Und der Blick über die Friedhofsmauer zeigte, dass und wie viele Menschen betroffen Anteil und teilnahmen an dem Begräbnis eines Mannes, der mit 43 Jahren Frau und 3 Kinder hinterliess, sehr beliebt gewesen war. Und – wie einer der Trauergäste mir sagte – „mit 43 auch nicht hätte sterben müssen. Krebs. Teufelskrankheit, das.“ Man spürte Ohnmacht, Traurigkeit, Betroffenheit und ein wenig Zorn über einen ungerechten Tod, der auch die mitnimmt, die zu früh gehen müssen.

Wir näherten uns dem Friedhof nicht, nahmen den Weg in die Basilika und über den Innenhof des Klosters, den Kreuzgang und fanden diesen in strahlendstem Sonnenschein, mit wenigen Besuchern, einer Sonntagsruhe mit plätscherndem Brunnen und zwischen dem leisen und dennoch anhaltendem Leben dort und bei den hohen alten Bäumen, die mehr als Menschenalter erreicht hatten und dem Abschied, den andere nur wenige Schritte entfernt nehmen mussten, lagen nur wenige Schritte und die Klostermauer und -Pforte zum Kirchhof.
Es beschäftigt, einen selbst und die Gäste, was unabänderlich und am Ende für jeden unvermeidlich sein wird.

Unvermeidlich.

So wird nicht empfunden von Menschen, deren Angehörige und Freunde Abschied nehmen. Die es als ungerecht empfinden. Untröstbar. Bis die Zeit lehrt, sich damit zurecht- und abzufinden. An strahlend sonnigen Tagen, ebenso wie an anderen.

Ich erinnere mich einer Bemerkung einer Verwandten bei der Beerdigung eines meiner beiden Grossväter, der zwei Tage vor Weihnachten gestorben und am Tag nach dem 2. Weihnachtsfeiertag beerdigt worden war, bei leichtem Schneefall. Die Vorstellung der kalten Erde, die sie schrecklich fand, in die er nun gesenkt wurde. Und ich erinnere mich an Worte des Pfarrers bei der Beerdigung meines anderen Grossvaters an einem der sonnigsten und heissesten Julitage des damaligen Jahres. Dass es ein strahlender Tag sei, an dem der Verstorbene nun heimkehren dürfe. Ich habe dem Pfarrer nichts darüber gesagt, was mein Grossvater mit dem Wort „heimkehren“ ganz sicher nie verbunden hätte. Worte,die trösten wollen, darf man nicht auf Goldwaagen messen, Trost suchen und finden ist für jeden eine eigene Aufgabe. Sie wird nie allen gerecht und kann es nicht. Es war ein unsagbar heisser Tag gewesen und eine liebe Studienfreundin hatte mir noch morgens in Regensburg einen Korb mit Kirschen mitgebracht, nicht ahnend, dass ich an dem Tag erst über München und dann weiter an meinen Heimatort fahren musste. Für den letzten Weg zu und mit meinem Grossvater. Der Korb lag auf meinem Schoss während der Bahnfahrt von Regensburg, wunderbare, süsse tiefrote Kirschen, die meinem Grossvater geschmeckt und Freude gemacht hätten, wenn er sie mir über die Ohren hängte als Kind, wie wir sie assen und gemeinsam Kirschkerne-Weitspucken übten, einmal sogar von einer Friedhofsmauer. Und sie in die Erde steckten, um neue Kirschbäume zu pflanzen. Wie man Kirschbäume und Apfelbäume pflanzt und noch pflanzen sollte, selbst wenn es der letzte Tag wäre, ja…….selbst wenn es in der letzten Stunde wäre. Die die wenigsten kennen. Nicht bei unvorhersehbarem, nicht bei absehbarem kommendem Ende.

Unabänderlich.

Nicht alles aber ist unvermeidlich.

Nicht jeder Tod ist unvermeidlich.

Und das ist ein Unterschied. Unabänderlich. Unvermeidlich.

Wir haben nicht alles in der Hand. Und selbst bei besten Bemühen werden Menschen Fehler machen und durch Fehler anderer Schmerz erleiden, ist beides nicht sicher ausschliessbar. Den Tod kann niemand bezwingen, nicht jede Krankheit ist heilbar, nicht beim besten, das für Menschen und nicht einmal, wenn es frühzeitig getan werden kann.
Manches liegt, wie die einen sagen: in Gottes Hand, wie die anderen sagen: nicht in ihrer, unserer Hand.

Und doch gibt es Leid, das vermeidbar ist, bei Unfällen etwa, bei denen Alkohol, leichtfertige Ablenkungen durch Handy oder auch überhöhte Geschwindigkeiten eine ursächliche Rolle spielen. Für den Unfall selbst, für das Ausmass des Unfalls und die Folgen für andere, nicht allein für den Fahrer selbst.

Drei Geschichten von Unfällen im nächsten Umfeld haben mich ganz besonders als Kind geprägt und berührt. Ich habe andere Unfälle erlebt und miterlebt, aber diese haben eine so besonderen Eindruck hinterlassen, denn sie machten spürbar Fragen von Glück, Unglück, Vermeidbarkeit, Ursachen und Wirkungen, Schicksalhaftigkeit oder Kontrollierbarkeit, ,……….und Verantwortung. Eigenverantwortung und die für andere, auch solche, die nicht im eigenen Auto sitzen.

Im einen Fall hatte ein älteres und eigentlich sehr armes Ehepaar alles getan, um dem einzigen Sohn Schule und Studium zum Lehrer zu ermöglichen und der Sohn tat das seinige dazu, war fleissig, brachte gute Noten, war ein netter und freundlicher Mensch zu Eltern und anderen und bestand alle Prüfungen bestens.Am Tag seiner Abschlussprüfung wollte er seine Eltern überraschen und hatte sich ein kleines Auto zusammengespart und gekauft, mit dem er vom Studienort zu ihnen heimfahren und mit ihnen und bei einem Ausflug das erreichte Ziel feiern und sich bei ihnen damit bedanken wollte. Er wollte sie damit überraschen und ihnen eine Freude machen. Und verunglückte auf dem Heimweg zu seinen Eltern durch einen betrunkenen anderen Autofahrer, der mit überhöhter Geschwindigkeit aus einer Nebenstrasse schoss und dem der junge Mann trotz sofortigen Bremsens nicht mehr hatte ausweichen können. Er starb noch am Unfallort. Seine Eltern lebten nur wenige Schritte entfernt von meinen Grosseltern und ich sah sie oft, wenn ich bei ihnen war. Und was Alkohol und überhöhte Geschwindigkeit im Leben eines Menschen, im Leben mehrerer anderer Menschen auslöschen und zerstören konnten.

Auch die zweite hatte mit überhöhter Geschwindigkeit zu tun und löschte das Leben eines Sohnes aus und liess dessen Eltern und seine Witwe und einen Sohn im Babyalter zurück.

Bei der dritten war Alkohol, Übermüdung und überhöhte Geschwindigkeit im Spiel und verursachte eine Kettenreaktion auf der B17, die ich selbst miterlebte, da war ich dann 13 oder 14 Jahre alt.

An eimem schönen Sommerabend nach einem Fest in Apfeldorf waren wir am späten Abend auf dem Sträßchen von Apfeldorf zur B17, als wir vor dem Abbiegen nach links Richtung Schongau rechts an der B 17 eine Art Taschenlampenlicht sahen.

Meine Grosseltern im R4 vor uns und wir im Käfer dahinter beschlossen hinzufahren, um zu sehen, ob Hilfe benötigt wurde und fanden eine Kuh auf der Strasse vor und einen Autofahrer, der sie dort in der Dunkelheit angefahren, aber den Unfallort noch nicht gesichert hatte.

Meine Grosseltern hatten den R4 im Grabenstreifen auf der Seite Richtung Schongau abgestellt, wir unseren Käfer auf einem Feldweg zwei Autolängen von der b17 zurückgesetzt auf der Höhe der verletzten Kuh.

Mein Vater machte sich mit Warndreiecck und Warnlichtlampe auf den Weg am Seitenstreifen Richtung Schongau, um herannahende Autos zu warnen und damit die Unfallstelle in der erforderlichen Entfernung zu sichern.

Mein Grossvater tat dasselbe auf der entgegengesetzten Spur und bat einen Autofahrer, der den Weg entlang kam, an der nächsten erreichbaren Stelle Polizei zu verständigen, die dann für Aufnahme des Unfalls mit der Kuh und den Veterinär sorgen musste usw. Der Unfallfahrer war unverletzt, aber froh, dass er Hilfe erhielt, auch etwas benommen.

Während meine Mutter und Schwester im Käfer sassen und meine Grossmutter im R4, sicherte mein Grossvater neben diesem die Durchfahrt der wenigen Fahrzeuge, die an dieser Unfallstelle langsam und sicher passierten.

Ein Kleinbus kam von Schongau auf die Unfallstelle zu, verlangsamte und hielt an, da ein Fahrzeug entgegenkam und um dieses vorbeifahren zu lassen und zu fragen, ob Hilfe benötigt wurde. Ich stand nahe der Strasse auf dem Feldweg vor unserem Käfer und hatte den Blick auf die ganze Strasse zu beiden Seiten und den Unfallort und so prägte sich wie ein Film ein, was dann geschah.

Ich hörte Kinder und Jugendliche in dem Kleinbus hinten, die auf der Rückfahrt von einem Ausflug waren und halb und halb geschlafen und wach geworden waren.

Ich sah meinen Grossvater zum R4 und zu meiner Grossmuter gehen.

Sah den Fahrer des Kleinbusses wieder zu diesem gehen, um einzusteigen. Sah den Unfallfahrer bei der Kuh rechts von mir an der Strasse stehen und sie behutsam streichelnd, die ihm mitten ins Auto gelaufen war und nun nur noch ein Ende durch den Tierarzt oder Veterinär vor sich hatte.

Und sah links hinauf auf die Kuppe der Strasse, die dort lag und an der mein Vater eben auftauchte, nachdem er dahinter und auf dem Weg die Strasse gesichert hatte und zu uns zurückkommen, als hinter ihm gleissendes Licht von Fernlichtscheinwerfern über die Kuppe und dann mit einem heranrasendem Mercedes die Strasse hell aufleuchten liess, leicht schlingernd, meinen Vater beinahe erfassend, der mit einem Satz in den Graben sprang und laut warnend zu uns herüberrief.

Ich rief dem Fahrer des Kleinbusses und dem Mann bei der Kuh die Warnung zu und sah schon im gleichen Moment, während ich selbst weiter auf dem Feldweg zurücksprang den schwarzen Mercedes hinten in den Kleinbus rasen, abprallen,wegeschleudern über die Strasse und die Gegenfahrbahn und dort in die Front des im Grabenstreifen des R4 meines Grossvaters hineinprallen.

Der Mercedes hatte eine solche Geschwindigkeit und Wucht gehabt, dass er selbst dann noch nicht zum Stehen kam und weiter über die Strasse halb drehend und erst einige Meter weiter selbst im dann zum Stehen kam.

Während dies geschah, lief ich vor zum Kleinbus, aus dem Schreien der Kinder und Weinen zu hören und die Hintertüren eingebeult und verklemmt waren. Der Beifahrer hatte offenbar eine Zigarette geraucht und jemand schrie „Feuer aus, hier riecht es nach Benzin, es läuft Benzin aus“.

Ich versuchte zu helfen, die Türen zu öffnen, während ich meinen Vater zu dem Unfallmercedes laufen sah, der dort helfen wollte.

Und meinen Grossvater meiner Grossmutter aus dem angedätschtem R4 heraushelfen. Bevor er dann meinem Vater zu Hilfe eilte.

Wir holten die Kinder und Jugendlichen aus dem Kleinbus. Zu diesem Zeitpunkt traf das Polizeifahrzeug ein, kurz darauf der Veterinär und über Funk verständigt Notarztwagen und Rettungswagen.

Auch das weitere Geschehen ist tief haften geblieben, während der weiteren Maßnahmen am Unfallort, den wir irgendwann nachts dann schliesslich verlassen konnten und weit nach Mitternacht dann in die Wohnkuchl meiner Grosseltern heimkommend.

Der Unfall hatte schon anderntags Schlagzeilen gemacht. Denn die B17 war bekannt dafür, dass sie unterschätzt wurde, zu schnell befahren, mit Alleebäumen , die dann tödlich von Autos umwickelt wurden. Doch nicht die Bäume töten Menschen. Sondern falsche Fahrweise. Und Menschen verletzen damit oder töten damit Menschen.

Im Unfallmercedes waren zwei Ehepaare gewesen, von denen zwei Menschen starben, die beiden anderen teils schwer verletzt. Ohne den Mercedesfahrer – alkoholisiert und mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs – wäre ein „blosser“ Unfall mit einer ausgebrochenen Kuh ohne den Tod und Verletzung von Menschen geblieben.

Und es war nur der Reaktionsschnelligkeit meines Vaters zu danken, dass er nicht auch noch von dem Mercedes erfasst worden und vielleicht ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden wäre. Ebenso hätte es meinen Grossvater erwischen können, wenn er nicht auf der anderen Seite des R4, sondern davor , wie noch einen Moment vorher gestanden hätte. Von den Kindern im Kleinbus nicht zu reden, die – ein weiterer Glücksfall – mit dem Schrecken hinter den tief eingebeulten Rückseitentüren des Kleinbusses davon gekommen waren. An diesem Unfall ist teils nichts Schlimmeres geschehen, weil der Unfallort gut und richtig gesichert worden und sorgfältige andere Autofahrer vorher sicher daran vorbei gefahren waren.

Und weil viel Glück anteil daran hatte, dass nicht noch mehr Menschen zu Schaden kamen, als ein Autofahrer leicht Vermeidbares nicht vermied: Zu schnell zu fahren. Alkohol zu trinken, bevor er sich ans Steuer gesetzt hatte.

Ich fahre nicht immer tachonadelbrav die vorgeschriebene Geschwindigkeit, wenn Wetter und Tageszeit und Verkehr es zulassen. Ich bin mit Fahrlehrer und Vater unterwegs gewesen, die mir die 10%plus-Maximalregel beibrachten: Nie mehr als erlaubte Geschwindigkeit plus 10%, aber auch nicht drunter.Sonst halte man den Verkehr auf.

Also fahre ich nicht tachonadel-artig. Aber nur dann, wenn die Verkehrslage und Wetter etc es erlauben. Und auch dann niemals mehr als maximal 5 km/h mehr als erlaubt. Nicht aus übertriebener Gesetzestreue, auch wenn diese selbstverständlich ist.

Sondern weil die Folgen für andere (und nicht nur für einen selbst) im eigenen Auto und ausserhalb des eigenen Autos schon bei vorschriftskonformem Verhalten und bei nicht vermeidbaren Ereignissen schwer genug sein können. Selbst wenn man schnell und richtig reagiert und bei korrektem Verhalten. Weil der Gedanke, Verantwortung für etwas übernehmen zu müssen, was ich leicht vermeiden oder wenigstens mildern hätte können in seinem Ausmass für mich und andere, mir den Preis nicht wert ist: Die Freiheit, sich über Regeln hinwegzusetzen als angebliche Freiheit, die man sich nehmen könne. Die angeblich keinem weh tue. Die angeblich von Ordnungshütern und Geschwindigkeitskontrollen völlig überzogen und nur zur Abzocke für Punkte und Bussgelder eingeschränkt werde. Es ist und wäre immer schon schwer genug, mit dem Unvermeidbarem zurechtzukommen, bei dem man sich im Fall der Fälle und von Unfällen, dem Leid, auch dem Tod von Menschen fragt und vorwirft, welchen Anteil man daran hat oder hätte vermeiden können. Den Preis wäre es mir nicht wert, daran Schuld zu tragen, Vermeidbares nicht vermieden zu haben. Es verhindert nicht, schützt nicht davor, selbst Unfälle zu erleben. Auch von anderen vermeidbar verursachte Unfälle. Nicht zu schnell zu fahren, keinen Alkohol am Steuer aber sind leichte Regeln. Und kein Termindruck sollte Ausnahmen von der Grundregel erlauben: Lieber sicher ankommen, als vielleicht gar nicht mehr.

Unlängst habe ich unschöne, abfällige Kommentare über Ordnungshüter bei Facebook gelesen unter dem Bild eines meiner dortigen Kontakte, der wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung herausgewunken wurde und einen Punkt kassierte.

Wundern mich Menschen, die offenbar ein negatives Grundbild der Polizei haben? Sich auch abfällig über diese äussern und andere Kommentierende in rüden Worten beschimpfen, die die Arbeit der Polizei richtig finden und dass Temposünden auch Folgen haben? Nein, das wundert mich nicht. Es ist nicht das einzige Feindbild unter einer Reihe von Berufen, die man – vor allem in Sozialen Netzwerken – offenbar hemmungslos herabwürdigen kann als „Abzocker“ und anderes mehr.

Wundert mich, dass es mehr mitfühlende Kommentare für einen Temposünder gibt, der erwischt wurde und Schimpfen über die Beamten, als Kritik am Verhalten des Temposünders? Nein, auch das wundert mich nicht. Aus verschiedenen Gründen wundert mich das nicht, sondern ist sogar vorhersehbar zu erwarten.

Nicht nur, weil es ein Temposünder ist, der als Mensch sonst beliebt ist und Sympathie geniesst, gute Laune verströmt und den ich auch sympathisch finde. Und so ist mir klar, dass ich einen Sturm der Entrüstung auslösen würde, würde ich Kritik an ihm üben. Den Sturm der Entrüstung scheue ich nicht. Trotzdem kommentierte ich dort nicht. Manche Reaktionen wären zu vorhersehbar, als dass es (immer) die Beteiligung an der Diskussion sinnvoll erscheinen liesse.

Was mir aber schwer fällt, zu vermeiden, ist als Kommentar zu der Diskussion die folgende Frage zu stellen:

Wie würdet Ihr reagieren, wenn ein anderer als Temposünder unterwegs gewesen wäre. Und durch seine überhöhte Geschwindidkgeit einen Unfall verursacht hätte, bei dem Euer heute zu schnell gefahrener Freund tödlich verunglückt wäre? Weil kein Polizeibeamter hie und da und irgendwo vorher und sonst auf der Strecke mit Kontrollen und Punkten und Geldbussen dafür sorgt, dass Tempolimits die Regel bleiben sollten.

Ich könnte recht genau sagen, welche Kommentare dieselben Menschen dann beim Tod ihres „Freundes“ in seiner Timeline hinterlassen würden, wenn er durch einen Raser einen tödlichen Unfall erlitte. Man fände viele Worte über den vermeidbaren Tod, das ungerechte Unglück und darüber, dass es noch immer so viele Raser gibt, die keinen Führerschein mehr haben sollten und gar nicht hart genug bestraft werden könnten.

Ein sehr anschauliches Beispiel ist der tödliche Auto-Unfall eines Weinsommeliers vor etwa einem Jahr, über den und den viel zu frühen und tragischen Tod viel geschrieben wurde, auch in social media. Ich hatte auch von dem Unfall erfahren. Aber auch davon, dass dabei zwei junge Frauen von dem Unfall betroffen waren. Und auch davon, dass bei jenem Weinsommelier ein Blutalkohol von 1,1 Promille festgestellt worden war, nachdem er den Unfall verursacht hatte. Als Weinsommelier sollte man besonders gut Wirkungen des Alkohols kennen. Und wann man nichts mehr am Steuer eines Autos verloren hat. Über die beiden jungen Frauen, die dabei verletzt wurden, wurde nur von einem Blogger geschrieben, als Nachtrag. Nach seinem Nachruf zuvor. Über den tragischen Tod des Weinsommeliers, der viel zu früh durch einen Unfall tödlich verunglückt sei……….

Eine Verkehrskontrolle auf seinem Weg hätte sein Leben retten und Schmerz für andere vermeiden können, die durch ihn in einen Unfall gerieten.

Vielleicht habe ich deswegen mehr Verständnis für Verkehrskontrollen und Bussgelder und Punkte. Als blinde und kritiklose Fangemeinde und Mitgefühl mit einem Temposünder, der sich keinen Beifall oder Mitgefühl wünschen sollte, sondern echte Freunde, die nicht nur besorgt um die sein sollten, die seinen zu schnell genommenen Weg kreuzen. Sondern besonders um ihn selbst. Und die Menschen, denen er am Herzen liegt, wenn er selbst nicht mehr gesund nach Hause käme.

Mir ………würde dieser nette Mensch nämlich fehlen. Und seine heitere gute Laune. Und auch was es aus ihm vielleicht machen würde, wenn er Schuld trüge am Tod oder Schmerz anderer.

Manches liegt in unserer Hand. Carpe diem. Und nutzen Sie das, was Sie ändern, tun und verhindern können.
Alles andere…………..liegt in ………..Sie wissen schon.

Gute Fahrt!

*PS: Und über das, wie man die Zeit und das Tempo in Benediktbeuren ganz wunderbar geniessen kann – in einem weiteren Post dann mehr.

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2 Antworten zu “In Gottes Hand und Carpe Diem

  1. Pingback: Alle 30 Sekunden………. {#24hPolizei} | Jus@Publicum·

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