Glücklich auf der Alm oder Alm adé?

Mit der Frage „Alm ade?“ geht ein Beitrag des BR heute Fragen zur „Milchwirtschaft im Wandel“ nach. (Sendetermin unten) Denn so idyllisch wie im Heimatfilm  oder wie uns Werbung mit Namen wie „Landliebe“ und zahlreichen Medien mit stimmungsvollen Titeln rund um das „Liebe Land“ und „Mein Land“ und vielen anderen für Heimat und das eigene Land, die eigene Region, regjonale Produkte, Handwerk, Handel und Dienstleistungen, vor allem aber Lebensart zurückgewinnen und zurückbesinnen lassen wollen, war es nie.Die Zeitschriften macht es nicht weniger lesenswert  – im Gegenteil liefern sie viele interssante, schön gestaltete Berichte über Menschen und Handwerk, das oft rar geworden und dennoch wieder interessant wird, weil Menschen aus vielerlei Gründen zu Bewährtem wieder zurückkehren. Zu DIY, zu do it Yourself in möglichst vielen Bereichen des Lebens.

Zu denen etwas wieder zu gehören beginnt, das für Grosseltern selbstverständlich war, die nicht alle paar Jahre Geräte (überhaupt und infolge geplanter Obszoleszenz) neu anschaffen und nicht einmal nutzen konnten, weil an Wasser und Strom zu sparen und beides und erst recht warmes Wasser oder Heizung nicht einmal jederzeit und überall verfügbar war. Meine eigenen Grosseltern in Schongau hatten nur kaltes fliessendes Wasser im Gang, keines in der Küche. Nur in der Küche gab es  neben einem Gasofen – den Ofen, mit dem diese Wohnung beheizt werden konnte: Ein Holzkohlenofen. Die beiden Schlafstuben, der Gang und das kleine WC blieben unbeheizt. Mein Grossmutter lebte so noch bis etwa ein Jahr nach dem Tod meines Grossvaters 1983. Danach suchte sie sich eine hübsche kleinere Wohnung mit Zentralheizung, fliessend Warmasser in Küche und Bad und Badewanne, die sie nicht als Zinkwanne vom Speicher über die Stiegen herunterheben musste, um sie im Gang der alten Wohnung zum Bad nutzen zu können. Ich aber bin durch dieses Leben meiner Grosseltern mit dem vertraut aufgewachsen, was es hiess, vieles im Alltag sammeln zu gehen, was zum Einschüren, wie zum Leben und an Lebensmitteln gebraucht wurde und gebraucht werden konnte. Hauszuhalten mit vielen aus der Natur. Mit allem anderen eh, das man dort nicht fand und das schon deswegen teuer war, weil es Geld kostete. Briketts etwa. Die dann auch eimerweise wie die Holzscheite bei Bedarf aus dem Keller drei Etagen geschleppt werden mussten, wenn es in der Kuchl warm sein sollte. Als Kind schwerer, denn mit zunehmendem Alter bis in meine Studienjahre und in die zunehmenden Jahre meiner Grosseltern. Und so sehr ich den Kohlenofen liebte, neben dem ich auf der Holz- und Brikettkiste gern sass, so froh war ich zu wissen, dass meine Grossmutter als Witwe nicht mehr dafür die Eimer zum Heizen schleppen musste, nachdem sie umgezogen war. Idylle und Heimeligkeit hat ihren Preis.

Land- wie erst recht Almwirtschaft bedeutete stets Knochenarbeit. Das ist – vor allem bei letzterer – heute nicht anders. Leichter ist die Arbeit nicht geworden, eher schwieriger.

Dafür sorgen EU-Auflagen und ein knallharter Konkurrenzkampf gegen Billiganbieter. Wer überleben will, braucht neue Ideen.  Biobauer zu sein, Bioprodukte herzustellen, gehört dazu, genügt allein aber längst nicht mehr.

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