„Wo isser denn, der Hut, der vom Horváth?“

Maria-Hilf-Kirche © Liz Collet

Maria-Hilf-Kirche © Liz Collet

Diese Frage ist mir schon das eine oder andere Mal gestellt worden, in diesem Jahr, das ich nun inzwischen hier im Blauen Land und seiner „Marktmetropole“ lebe.

Auch so manche andere Fragen stellt man mir gern, wie der nach einer hübschen Unterkunft. Ich scheine Vertrauen zu erwecken, wenn man mir begegnet. Vielleicht profitiere ich auch davon, dass wir die Zeiten der Räuber im Spessart und andere Zeiten finsteren Mittelalters hinter uns wissen, in denen Reisen und einen Wirt zu finden, der einem Gast sicheres Nachtlager bot, grössere Schwierigkeiten bedeuten konnte.

Beides mag der Grund sein, dass ich hier gern auf solche Tipps angesprochen werde, wenn ich am Untermarkt oder Obermarkt oder sonst in Murnau unterwegs bin.

Gern will man dann auch von mir wissen, wo es was Gutes zu essen gibt.

Dazu fällt mir jederzeit etwas ein. Mir würde auch manches einfallen, was man dazu in der Gastronomie hier rund um den See noch auftischen lassen könnte. Von Gastgebern. Den Gästen. Aber dazu komme ich ein anderes Mal.

Auch möchte man immer wieder gern von mir wissen, wo es was Interessantes zu sehen gibt. Und manchmal schmunzle ich dann ein bisschen, ohne auszusprechen, dass es immer etwas Interessantes überall auf der Welt und auch hier in Murnau zu sehen gibt, wenn man nur mit offenen Augerln durch die Welt geht. Auch durch die bisschen kleinere Welt eines Marktes mit rund 12.000 Seelen, die hier für Leib und Seele und anderes sorgen. Stattdessen sage ich vergnügt, was mir passend zu dem scheint, der was Interessantes sehen will und was ihm vielleicht sehenswert erscheinen könnte. Und was ich im Gespräch mit ihm oder ihr ein bisserl herauslocke, was interessant für ihn sein mag.

Wenn Sie mich jetzt in Verdacht haben, meine Erfahrungen aus der Arbeit als Prozessanwältin könnten da trickreich und ganz unbemerkt vom Befragten und Beratenem hilfreich sein —- wer weiss das schon? Ebenso hilft mir aber sicher auch, dass ich viele Jahre selbst hier Urlaub machte und weiss, was man hier vielleicht sucht und finden kann. Manchmal auch finden, ohne zu wissen, dass man auf der Suche danach gewesen sein könnte. Das klingt sybillinisch? Dann kommen Sie ruhig einmal her, ins Blaue Land und lassen Sie sich darauf ein, mal nix zu suchen – Sie werden überrascht sein, was Sie alles entdecken. Rundum. Und vielleicht sogar mittendrin. In Ihnen selbst. Wieder. Oder erstmals. Und manches von dem, was viele seit langem verlernen und verlernt und vergessen haben. Und dann auch daran wieder entdecken, dass ihr eigener Schritt auf dem Kopfsteinpflaster oder den Pfaden im Moos und am See ihnen selbst ganz plötzlich viel zu hastig vorkommen. Während sie hastend voranzukommen versuchen. Und mit einem Schritt langsamer mit einem Mal viel, viel weiter kommen, als sie überhaupt vorgehabt hatten. Gelegentlich ändert sich dabei dann nicht nur das Tempo. Sondern auch die Richtung.

Aber das ist eine Sache, die Sie erst und vielleicht dann merken, wenn Sie einmal hier sind.

Demnächst bewerbe ich mich im Rathaus als Gästeführerin. Ich überlege das ernsthaft. Nicht nur, weil es mir Vergnügen machen würde, Menschen das zu zeigen und zu beantworten, was es alles hier zu sehen, schmecken und wo es hübsch zu spazieren und gut zu schlafen ist. Und das Eine oder Andere an Interessantem, über das sich plaudern lässt.

Nein – es liegt eher daran, dass mir andere derlei vorschlagen. Nicht zum ersten Mal. Jüngst fragte mich jemand, ob ich nicht auch in Linderhof ein paar Gäste bisserl herumführen möchte und könnte, wenn diese anreisen werden. Und ein anderer, wo es hier interessante Führungen über regionale Lebensmittel oder Produkte gebe. Beides übernehme ich herzlich gern. Übrigens auch herzlich gern für Gäste Ihrer Hotels, Tagungen und Seminare der Region und grosse und kleine Geniesser von Land, Landküche und allem, was das Blaue Land zu bieten hat.

Derlei – jederzeit gern.

Nur kann man nicht alles tun, was andere meinen, dass man tun sollte. Da hätte man viel zu tun. Und hätte ich es immer getan, wäre unter anderem vielleicht die Sprecherin eines Radiosenders aus mir geworden oder die Sprecherin von Hörspielen und Lesebüchern, nur deswegen, weil einige so begeistert von meiner „Telefon“- und „Radiostimme“ waren (wie der Filmarchitekt einer Reihe von Filmen, der gar nicht fassen wollte, dass er mich nicht überreden konnte, von der Anwaltstätigkeit ins Fach von Funk und TV zu wechseln) und sind und stundenlang gern von mir vorgelesen bekamen. Mitnichten nur Kinder, sondern einige Kindsköpfe jeden bis ins hochbetagte Alter. Ich gestehe aber gern ein – ich lese gern vor.

Es erstaunte mich dabei immer schon, dass und wie selbst die unruhigsten Kindsköpfe mucksmäuschenstill gebannt Geschichten lauschen, deren Eltern noch Minuten zuvor klagten, dass ihre Sprösslinge nicht für eine Minute still sitzen könnten. Oder länger als 1 Minute zuhören würden. Dabei ist es keineswegs ein Widerspruch, dass für mich Bücher und Geschichten wunderbare Welten zum Eintauchen sind, um loszurudern und eine neue Insel nach der anderen zu entdecken, wie grosse und kleine Piraten der Geschichte und Geschichten der Weltmeere wie des Sees hier im Blauen Land gleichermassen.

Hinter den Geschichten und Büchern diese lebendig weren zu lassen und die Geschichten darin und daraus, hat viel gemeinsam, das ist wohl wahr, mit den Tätigkeiten, die ich liebend gern lieber unsichtbar an einem Walkie Talkie, Funkgeräten, Mikrofonen und anderem schon alle wahrgenommen hatte. Und ich lese und erzähle liebend gern Geschichten, wenn ich weiss, sie machen anderen Freude, ob in den Stuben und Zimmern am Radio oder Telefon, das an Krankenhausbetten stand oder neben solchen selbst oder auch bei Stadtspaziergängen und Marktgangerln in Regensburg, meiner Isarmetropole oder wo immer sonst, wo es schon gewünscht worden war.

Und so habe ich solche vergnüglichen Tätigkeiten auch schon in meiner Studentenzeit in Regensburg und für manchen Kongressgast im In- und Ausland wahrgenommen, die scheinbar Spass daran fanden, wenn ich Sehenswertes am jeweiligen Ort munter mixte mit historischem Wissen über vieles zu Mauern und Häusern und Menschen, die dort Geschichte machten oder in Geschichten eingingen.

Auch Freude an Rechtsgeschichte und Zweitstudium der Anglistik und Romanistik wie auch ein Drittstudium der Geschichte hinterlassen eben Spuren und haben hie und da ihren Nutzen im Leben, wenn man eigentlich §§ Zwirblerin wird oder  geworden ist.

Und was gibt es Vergnüglicheres, als netten Menschen auf amüsante Weise interessant zu machen und zu zeigen, was ihnen hier wie an vielen anderen Orten Interessantes und Neues und Altes Spass machen kann.

Ich gestehe, ich müsste mich sicher ein bisserl beherrschen, nicht allzuviele Drachenlegenden und Geschichten um das Seeungeheuer von Seehausen zu verraten, von dem ich mir ganz und gar sicher bin, es an einem der leicht nebeligen Frühmorgen der letzten Tage zwischen den 7 Inseln des Lago Stafnensis auftauchen gesehen zu haben. Und huschhusch wieder abtauchend, als die Seehausen zu einem ihrer letzten Rundfahrten morgens startete, bevor die Saison nun wieder endet und der See wieder vereinzelten Ruderbooten und eben…………jenem Seedrachen gehört, der in der staaderen Zeit dann manchmal zu sehen ist. Wenn man Glück hat. Und selbst ganz mäuschenstill durch das Blaue Land und am See unterwegs ist. Dann, wenn die Sommerausflügler und Badenden wieder in Herbst und Winter und andere Ecken entschwinden. Bis…………ja, bis der See dann irgendwann zufriert und Eisstockschiessen , Schlittschuhlaufen und Fussgänger und Kinderwägen und Schlitten über die Eisdecke hinweg den See bevölkern. Aber alles das, nun, das sind nur ein paar der kleinen bunten Puzzlestücke, die es rund um den See gibt. In Murnau selbst jede Menge andere. Und eines davon ist ein leuchtend roter Hut. Der vom Horwath, Von dem mich eben mancher fragt: Ja, wo isser denn, der Hut vom Horwath? Und meistens verrate ich es demjenigen, der fragt. Denn die meisten fragen ja sehr nett. Und bekommen daher auch nette Auskunft.

Demnächst wird die Frage wieder öfter zu hören sein, die nach dem Hut und das hat einen aktuellen Anlass:

Vom 8. – 16. November feiert Murnau den weltberühmten Dramatiker Ödön von Horváth (1901-1938) mit der erstmaligen Verleihung des Horváth-Preises an den Autor Felix Mitterer, mit der Erstaufführung „Der ewige Spießer“, einem Symposium, Führungen u.v.a.m. Der Kartenverkauf hat schon begonnen.
Es wird – bei mir  wie bei den meisten von Ihnen – wenige geben, die nicht zu Schulzeiten „Jugend ohne Gott“ von Horváth im Unterricht begegneten.Ich habe allerdings wenige zu Schulzeiten erlebt, die nach der Lektüre diesen Buches gleich die nächsten Bücher von ihm lasen. Wenn sie mehr von ihm gelesen haben, geschah dies meist erst Jahre später.
Ich hatte bereits zu Schulzeiten weitere Bücher von ihm auch privat gelesen und einer der ersten Urlaube hier am See ist verbunden mit einer Ausstellung über Horváth im Museum im Schloss und den Räumen damals unter den GIebeln mit massiven Holzbalken, sommerliche Hitze machte die Ausstellung ein bisserl zur Herausforderung, da mein Sohn damals noch klein war. Heisse Sommertage und der Wunsch, an diesen aus der Stadt zu flüchten, waren es allerdings auch, die Horváths Eltern mit ihm zufällig auf dem Weg nach Garmisch über Murnau führten – und bleiben liessen. Und so haben wir – gewissermassen insoweit – schon das erste gemeinsam. Wie viele andere allerdings auch, die in der Zeit Horváths eben in die klassische Sommerfrische reisten. Und nicht wenige blieben dann oder kamen regelmässig und viele Jahre wieder.
Es wäre an dieser Stelle daher vielleicht angebracht, Sie vor Suchtfolgen zu warnen, wenn Sie einmal hier her kommen. Sie werden leicht zum Wiederholungstäter oder mögen sich gar nicht mehr von hier losreissen.
Wer das vielfältige, interessante Programm der diesjährigen Murnauer Horváth-Tage besucht, hat eindrucksvoll Gelegenheit, sich Einblick in die Aktualität Ödön von Horváths zu verschaffen. Bereits zum fünften Mal veranstaltet die Ödön-von-Horváth-Gesellschaft zu Ehren des weltberühmten Schriftstellers eine kulturelle Woche in hochkarätiger Besetzung.Den Auftakt macht die von BR-Moderator Christoph Süß moderierte Gala zur Verleihung des Ödön-von- Horváth-Preises an den Autor Felix Mitterer. Der Murnauer Künstler Willem Bredemeyer schuf für ihn eine Skulptur, die in engem thematischem Bezug zu Horváth und seinem Werk steht. Der mit 5000€ dotierte Förderpreis geht an den Berliner Regisseur Ben von Grafenstein für seine Verfilmung des Horváth-Stückes „Kasimir und Karoline“. Joseph Vilsmaier, der Regisseur von erfolgreichen Filmen wie „Herbstmilch“ oder „Nanga Parbat“ hält die Laudatio. Die Ödön-von-Horváth-Stiftung vergibt den Preis ab 2013 alle drei Jahre im Rahmen der Murnauer Horváth-Tage.Horváths satirischer Roman „Der ewige Spießer“ kommt als eine auf neuester Forschung basierende Theaterfassung in der Regie von Georg Büttel, dem Künstlerischen Leiter der Horváth-Tage und des Garmisch-Partenkirchner Kultursommers, auf die Bühne. Bekannte Darsteller machen diese Erstaufführung zu einem dramatischen Vergnügen. Ein interreligiöser Abend mit Vertretern von Christentum, Judentum und Islam geht unter dem Titel des Romans „Jugend ohne Gott“ der Frage der Gottsuche nach.Bei süffigen Klängen und zünftiger Bewirtung vereint der bayerisch-wienerische Abend „… Dann ist das Leben ein Scherz“ im Griesbräu mit hintersinnigem Humor zu Herzen gehende Volkslieder, herrlich kitschige Schlager und nostalgische Evergreens.Das Horváth-Symposium mit renommierten Wissenschaftlern, Theater- und Film-Regisseuren befasst sich mit der aktuellen Film- und Theaterrezeption.Eine ungewöhnliche Theaterspurensuche durch Murnau, Kino und ein Jugendprojekt in der Westtorhalle runden das Programm ab.Für das Gesamtkonzept der Murnauer Horváth-Tage sind seit 1998 Gabi Rudnicki, 1. Vorsitzende der Ödön-von-Horváth-Gesellschaft, und Georg Büttel verantwortlich.Das Schloßmuseum Murnau beherbergt die weltweit einzige ständig gezeigte Ausstellung zu Horváth. Die Ödön-von-Horváth-Gesellschaft pflegt das literarische Erbe Horváths mit regelmäßigen Veranstaltungen.
„ Wenn ich nur wieder in Murnau sein könnte…“, schrieb Ödön von Horváth 1929 an eine Freundin. Mit dem Ort am Staffelsee verband ihn nicht nur das Haus seiner Eltern, in dem er von 1924 bis 1933 lebte, nicht nur seine Freundinnen und Freunde, nicht nur das Gefühl, endlich eine Art Heimat gefunden zu haben. In Murnau und der Region fand der ungarische Diplomatensohn viele Anregungen für seine Werke, die zur Weltliteratur gehören.Weitere Informationen unter www.horvath-gesellschaft.de

Pssssssssssssss-S(t) ! Wo denn nun der Hut vom Horváth ist? Verrate ich Ihnen, Folgen Sie mir doch einfach einmal. Beim Spaziergang. Durch Murnau. 😉
Advertisements

Eine Antwort zu “„Wo isser denn, der Hut, der vom Horváth?“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s