Bad Bayersoien in Flammen

Landbäckerei mit besten Aussichten © Liz Collet

Landbäckerei mit besten Aussichten © Liz Collet

Nein, in Brand setzen will man und soll man auch in Bad Bayersoien natürlich nichts. Aber entflammt von einem jährlichem Spektakel sind inzwischen viele. Und so findet es auch in diesem Jahr erneut statt, diesmal am Freitag, den 2. August „Bad Bayersoien in Flammen“ – eine ungewöhnliche Verbindung von Blasmusik und pyrotechnischer Kunst.

Eingetaucht in Licht, Farben und Musik – so zeigt sich das oberbayerische Bad Bayersoien. Unter dem Motto „Die Schlacht am Bergisel“ wird ab 17 Uhr zu einem Seefest ganz besonderer Art geladen. Musik vom Feinsten wird geboten von den „Reiwa-Buam“, den „Reichersbeurer Goaßlschnalzern“, der Jodlerin Andrea Ball und der Blaskapelle Bad Bayersoien.

Moderation Georg Ried (Bayern 1 – Bayerisches Fernsehen „Bayern-Burgen-Blasmusik“…)

Bei Einbruch der Dunkelheit wird von der Blaskapelle Bad Bayersoien eine abendliche Serenade geboten, die mit „Tirol 1809“ die Schlacht am Bergisel mittels pyrotechnischer Inszenierung zum Höhepunkt avanciert. Schauplatz ist der idyllisch im Pfaffenwinkel gelegene Soier See, der wie geschaffen dafür scheint.

Eine LASER-SHOW und ein Brillant Feuerwerk spiegeln sich als Krönung im See.

Weitere Infos mit Bildern der Vorjahre finden Sie hier.
Und mein Tipp: Schlendern Sie ruhig schon tagsüber durch Bad Bayersoien und rund um den kleinen Ort herum, der an einem zauberhaft gelegenen See seinen Platz hat und manche nette Winkel und Details, die man entdecken kann.

Da wäre beispielsweise die Kappel – diese Krieger-Gedächtniskapelle steht auf einem der schönsten Aussichtpunkte in Bad Bayersoien und wurde 1925 oben am Eckbichl gebaut. Ihr schönes Rundgemälde thematisiert Krieg und Nachkriegszeit bzw. Abschied und Heimkehr. Der Altar zeigt ein Bildnis des Heiligen Sebastian.

Ein Besuch der kleinen Kapelle lohnt sich vor allem auch wegen des Blicks von der Kapelle auf den Soier See und die Ammergauer Alpen.

Die Kappel © Liz Collet

Die Kappel © Liz Collet

Die Pfarrkirche Sankt Georg wurde 1767 von Wessobrunner Künstlern  stuckatiert. Das Deckengemälde stammt vom Lüftlmaler Franz Seraph Zwinck, dem wohl berühmtesten seiner Zunft.

Auf dem Dorfplatz © Liz Collet

Auf dem Dorfplatz © Liz Collet

Die Geschichte der Kirche lässt sich zurückführen in das Jahr  1295 mit der ersten Erwähnung durch das Kloster Rottenbuch, mit dem Erwerb zweier Höfe im damaligen Soien. 1315 wird Bayersoien als Filialkirche mit eigener Begräbnisstätte genannt.

Die dem Hl. Georg von Kappadozien geweihte Kirche  wurde im 15. oder 16. Jahrhundert als spätgotischer Bau errichtet und im 18. Jahrhundert barockisiert und neu ausgestattet. Für die Gestaltung der Innenausstattung zeichnen bekannte einheimische Künstler verantwortlich: Joseph Schmuzer für die Stuckaturen und Franz Seraph Zwinck für die Fresken des Hauptgewölbes, die Glaube, Liebe und Hoffnung versymbolisieren.

Das wohl barocke Altarblatt mit der Darstellung des Hl. Georg stammt noch von der alten Ausstattung, neben ihm sieht man  Statuen der Hl. Barbara und Hl. Katharina. Neben dem Hochaltar stehen zwei klassizistische Beichtstühle (um 1780). Aus der gleichen Zeit stammt das Taufbecken, auf dem Aufsatz ist die „Taufe Christi“ zu sehen.

 Kirche im Dorf haben und lassen © Liz Collet

Kirche im Dorf haben und lassen © Liz Collet

Oder der Gedenkstein zur Rott

An der Rott © Liz Collet

An der Rott © Liz Collet

Der Heil- und Moorbadkurort Bad Bayersoien liegt an einem See und an der Rottstraße, einem ehemaligen sehr bedeutenden europäischen Fernhandelsweg von Augsburg nach Venedig. In früher Zeit war Bayersoien die römische Station, „Ad Seun“ (bei den Seen, 15 vor Chr.). Dieser Name geht auf die Lage des Dörfchens an ursprünglich zwei Seen zurück. Der zweite, obere See wurde 1805 abgelassen.

Zur Römerzeit führte eine Straße, die „Via Claudia“ vom Brenner über „Parthanum“ (Partenkirchen), „Cofeliacus“ (Oberammergau) und über, „Ad Seun“ (Bayersoien) nach „Augusta Vindelikorum“, dem heutigen Augsburg. Wenn Sie durch die Dorfstraße Bad Bayersoien spazieren, treffen Sie auf den Rottstein  an der Dorfstr. 41, gleich vor dem „Haus Dodl“, der an das Rottprivileg Kaiser Ludwig des Bayern aus dem Jahr 1332 erinnert.

Beim Dodl © Liz Collet

Beim Dodl © Liz Collet

Das Amt des Salzfaktors hatte das Kaufmannsgeschlecht „Bierling“ aus Bayersoien inne. Sie waren über drei Jahrhunderte die wichtigste Familie im Ort.

Das Museum im Bierlinghaus (ebenfalls in der Dorfstraße) berichtet anschaulich und mit Original-Inventar über die damalige Zeit und das Leben der Familie.

Und eine Reihe anderer kleiner „Schmuckstücke“ des Ortes, wie etwa die ungewöhnlichen Sonnenuhren im Kurpark in der Kirmesauer Strasse

Unbedingt zu empfehlen: Das Ammertaler Waldstaudenbrot vom Bäcker Brandmeier. Die Waldstaude ist eine Urform vom Roggen. Ihr Korn ist zweijährig und daher kann man sie nicht jedes Jahr ernten. Aber dafür steckt “die Urkraft” in diesem Korn. Und so eignet sich dieses Mehl auch als Grundlage für ein wirklich ausgezeichnet schmeckendes dunkles Brot, das man hier in der Gegend bei einem Bäcker in einer extravaganten dreieckigen Form bekommt, am Rand mit verführerisch schmackhaften Kürbiskernen. Wie beim Brandmeier gebacken wird, können Sie hier im Video auf seiner Website sehen, das die Arbeitsabläufe einer Bäckernacht zeigt.

Lassen Sie sich aber auch von den Kuchen und Torten erfolgreich verführen – sie sind die kleine Sünde wahrhaft wert.

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Unweit von Bad Bayersoien finden Sie auch die 183 m lange Echelsbacher Brücke, die 1929 für 900.000 RM Baukosten fertiggestellt wurde. Die Echelsbacher Brücke ist eine Brücke über die Ammer zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien (Oberbayern). Hier überquert die Bundesstraße 23 zwischen Rottenbuch im Norden und Bad Bayersoien im Süden die Ammerschlucht. Die Fahrbahn liegt 76 Meter über Talgrund – eine Tiefe, die durch die Schlucht beeindruckend auf mich schon als Kind wirkte, wenn ich mit meinen Grosseltern die Brücke mit dem R4 passierte. Oder wenn meine Grossmutter mit mir dort mit dem Postbus unterwegs war, der dort hielt.  Wir passierten im einen wie anderen Fall die Brücke nie ohne kurzen Zwischenstopp und Blick von der Brücke. Während ich glücklicherweise keine Höhenangst kenne und völlig schwindelfrei bin, war mein Magen wegen der Postbusfahrten für den Zwischenstopp immer höchst dankbar, um sich nach den Fahrten über Landstrassen und Bundesstrasse ein wenig auf den Rest solcher Postbusreisen für den Rest der Fahrten zu  wappnen. Echelsbacherbrücke und wieder frei und tief Durchatmen gehört für mich seither untrennbar zusammen, ich fand den Blick von ihr immer atemberaubend faszinierend. ;-)……….

………während viele andere die Brücke selbst schwindelerregend und beklemmend hoch empfinden.

Sie war mit 130 m Bogenspannweite die weitestgespannte Melan-Bogenbrücke der Welt. Für ihren Bau wurden 3000 Kubikmeter Fels ausgehoben, 850 Kilogramm Sprengstoff verbraucht, 3300 Kubikmeter Beton und 500 Tonnen Eisen (400 Tonnen Profilstahl und 100 Tonnen Betonstahl) verarbeitet sowie 87.000 Niete, wovon die meisten direkt an der Baustelle geschmiedet wurden. Am 27. April 1930 wurde die Echelsbacher Brücke durch den Erzbischof von München und Freising Kardinal Michael von Faulhaber geweiht.

Der Zweigelenkbogen hat bei 130 m Stützweite einen Bogenstich von 31,8 m. Er besteht aus zwei Tragebenen mit rechteckigen Hohlquerschnitten bei einem lichten Abstand von 4,5 m. Die Querschnittsbreite beträgt jeweils 1,5 m, bei einer Höhe von 2,0 m im Bogenscheitel und 3,0 m im Widerlager. Der 10,76 m breite (seit 1984, ursprünglich 8,3 m) und 182,83 m lange Überbau ist ein zweistegiger Plattenbalken aus Stahlbeton. Die Balken sind in einem Abstand von 6,0 m angeordnet, haben vier Gerbergelenke und sind auf rechteckigen Stahlbetonstützen gelagert. Die Arbeiten begannen am 8. November 1928 mit dem ersten von insgesamt 4712 Sprengschüssen. Bei der Konstruktion mit dem System der Melan-Spangeberg-Bauweise wurde das Stahlgerüst mit Kies vorbelastet und schließlich Schritt für Schritt durch eine gleich schwere Betonummantelung ersetzt. Man begann parallel von der West- und Ostseite gleichzeitig, die beiden Stahlbögen im Freivorbau aufzubauen. Die Konstruktion gelang so exakt, dass der West- und der Ostteil beim Bogenschluss nur 20 mm auseinanderlagen. Mit Öldruckpressen wurden die Fahrbahnlängsträger zusammengedrückt. 422 Tage nach Baubeginn wurde die Brücke für den Verkehr freigegeben. Sie wurde 1963/64, 1973/74 und 1983/86 saniert, derzeit steht eine erneute Sanierung zur Diskussion.

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