„Aber heit is koit“….

Münchner Schäffler © Liz Collet

Münchner Schäffler-Eck  © Liz Collet

…klingt die Musik. Und zwar alle sieben Jahre, 2013 ist es wieder so weit: Vom 06. Januar bis 12. Februar gehen die Schäffler auf die Straße, wenn sie hüpfend und die Beine schwingend den traditionellen Zunfttanz aufführen.

Vom Schäffler ist die Rede – jener Zunft der Fassmacher, deren Handwerk es seit dem 7. oder 8. Jahrhundert gibt und die andernorts Böttcher, Binder, Büttner oder Küfer geheissen werden. In Südbayern kommt ihr Name von dem nach oben offenen Faß, dem Schaff.

Vom 6. Januar bis zum 12. Februar 2013 wird es über 160 Aufführungen den Murnauer Schäfflern geben, bei denen Sie dem Tanz zusehen können. Eine Attraktion für das Publikum, wenn Reifenschwinger Schnapsgläser balancieren und Fasskasperl lustige Verserl vortragen.

Wie andere Zünfte diente auch die der Schäfflerzunft früher der Absicherung der Fassmacher – ein Solidarsystem sozusagen, ähnlich den Innungen später. In München aufgewachsen und – nach Studien- und Referendarzeit in Regensburg – auch bis 2012 dann wieder in der Isarmetropole lebend, sind mir die Schäffler schon lange geschichtlich mit dem  Münchner Schäfflertanz natürlich wie jedem in München vertraut:

Dort kennt man sie im Turm des neuen Rathauses (erbaut 1867-1874 von Georg von Hauberrißer) und im  Glockenspiel mit seinen insgesamt 43 Glocken und dem Reigen der Schäffler täglich um 11.00 Uhr und um 12.00 Uhr, sowie von Mai bis Oktober zusätzlich um 17.00 Uhr, vor allem als Hauptanziehungspunkt für Touristen und Einheimische.

Die hier im Foto abgebildete Figur findet sich – wenn man nicht gelegentlich in den Himmel schaut – leicht zu übersehen, allerdings an der Ecke Schäfflerstrasse/Theatinerstrasse zwischen Marienplatz und Odeonsplatz

Die Entstehung des Schäfflertanzes in München geht zurück ins Jahr 1517, als dort die Pest auf grauenhafte Weise wütete. Die Pest herrschte in München mehrmals: in den Jahren 1463, 1515 und 1517. Die erste dieser Seuchen dauerte von Weihnachten 1462 bis Michaeli 1463. Aber auch noch später, im Jahre 1643 trat dieselbe nochmals auf und raffte die ungeheure Zahl von 15.000 Menschen weg. Bei dieser letzten Periode waren zwar die Vorsichtsmaßnahmen weit zweckmäßiger als bei den früheren Erscheinungen; trotzdem konnte derselben doch kein wirklicher Damm gesetzt werden. Es waren damals in München nur zwei Tore offen, das Neuhauser- und das Isartor. Beide Tore waren stark bewacht und niemand durfte ohne Vorweisung der Gesundheitspässe und genaueste Untersuchung herein. Angekommene Briefe an Kaufleute wurden geräuchert und das Geld mit Essig gewaschen. An den Ein- und Ausgängen der Straßen wurden eiserne Ketten befestigt, um sie hochzuziehen, wenn die Ansteckung in der einen oder anderen Straße zu befürchten war. Da aber die Leute dessen ungeachtet durchschlüpften, so wurden die Straßen, in denen sich Pestkranke befanden, mit Brettern verrammelt, besonders in der Eisenmanns-, Damenstifts und Kreuzgasse. Auf den Straßen wurden Feuer unterhalten und Wacholdersträucher verbrannt.

Während der Pest 1517 aber waren noch keine so umfangreichen Maßregeln getroffen und so starben Tausende dahin. Alles schwebte in furchtbarer Todesangst; außer den Totengräbern und Pesträucherern wurde niemand auf der Straße gesehen; die Landleute trauten sich nicht in die Stadt und so trat zudem großer Mangel an Lebensmitteln ein. Das Elend hatte die höchste Stufe erreicht und selbst nach dem Verschwinden der Pest wagte sich lange Zeit niemand aus dem Hause, aller Verkehr stockte. Die Ärzte konnten für dieses Übel nicht helfen und man befürchtete, dass dieser Zustand zu neuen Krankheiten Anlass gebe.

Da geriet ein Bürger – leider ist dessen Name nicht überliefert – auf den Gedanken, die Leute, statt mit ihnen zu jammern und zu wehklagen, durch ein lustiges Schauspiel aufzuheitern. Dieser mutige Bürger gehörte zu der Zunft der „Schäffler“. Zur Ausführung seines Planes schlossen sich die Schäffler alle couragiert an und auf seine Anregung ließen sich auch die „Metzger“ herbei und es halfen alle zusammen, wodurch auch der Metzgersprung entstand, der aus dem selben Jahr datiert.

Während die von der Pest verschonten Überlebenden bleich und abgemagert, vom Elend zusammengekauert in  Furcht noch immer in verschlossenen Stuben saßen, erklang eines Tages auf einmal fröhliche Musik in den Straßen. Alles eilte an die schon lange nicht mehr geöffneten Fenster und sah, wie die Schäffler in aufgeputzten Scharen  zum Marktplatz zogen, wo sie mit grünbelaubten Reifen einen Rundtanz aufführten und die „Gretl mit der Butten“ – an deren Stelle später die „Hanswursten“ traten –Alt und Jung mit ihren Späßen unterhielten. Alles strömte aus den halb ausgestorbenen Häusern dem Zuge nach. Viele waren gestorben, manche aber, von denen der eine den anderen längst tot glaubte, trafen sich. Bald wurde es wieder lebhaft in den Straße, die Glocken ertönten zu Dankgebeten. Alles kehrte zur Ordnung und zur Arbeit mit erstarktem Mute zurück. Da hiermit die Schäffler ihren Zweck erfüllt hatten, durchzogen sie nach dem Tanze in feierlichem Zuge unter Klängen feierlicher Musik sämtliche Straßen der ganzen Stadt. Nachdem die Schäffler ihren Tanz beendet hatten, sprangen die Lehrlinge der Metzger in den Fischbrunnen zum Zeichen, dass die Luft und das Wasser rein seien.
Seit 1760 hat sich bei den Schäfflertänzen der 7-Jahres Abstand eingespielt. Aus nahezu 5 Jahrhunderten Vergangenheit ist in München und auch ausserhalb Münchens in einigen Orten damit ein Brauchtum überliefert worden, das in der wechselvollen Geschichte bis zur Gegenwart der heutigen Millionenstadt München vom Fachverein der Schäffler Münchens wie in Ortsvereinen – auch im Murnauer Verein der Schäffler – hoch in Ehren gehalten wird. Mit seiner siebenjährigen Wiederkehr ist der Schäfflertanz zu einer der volkstümlichsten Veranstaltungen geworden und der einzige noch bestehende öffentliche historische Handwerksbrauch in München.
Im  Tanzjahr -2012 feierten die Münchner 495 Jahre Tradition des Schäfflertanzes.

Die Murnauer Schäffler können in diesem Jahr auf 154 Jahre Tanztradition zurückblicken. In einem Satz Pablo Picassos finden sie sich nach eigenen Worten wieder, der sagte: „Die Musik bläst den Staub des Alltags von der Seele“. In der Verbindung von Musik, Tanz und Humor wollen sie daher genau das: den Alltag hinter sich zu lassen und in Gemeinschaft Schönes zu erleben, Altes und Lebendigkeit vereinen mit dem Zunfttanz der Schäffler. Dieser ist selbst schon über 700 Jahre alt. Die heutige Festkleidung der Schäffler stammt aus der Biedermeierzeit, drückt Gemeinsamkeit aus und in den Figuren werden die Symbole des Lebens dargestellt. Diese sind äußere Zeichen von Gemeinsamkeit, innere Zeichen sind Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftssinn, Fröhlichkeit, Lebenslust sind Eigenschaften, die viele ihr Eigen nennen. Sie sind generationenübergreifend bei den Mitgliedern von zehn bis achtzig und erfassen ein breites Berufsspektrum.

Gut Spund © Liz Collet

Gut Spund © Liz Collet

Die Idee der Schäfflerzunft hält die rund 300 Mitglieder noch heute zusammen.
Das wird auch mit der Tanzsaison als Gemeinschaft und in der Ortsgemeinschaft gepflegt und so bestellen viele Geschäfte, Firmen und Vereine einen Tanzauftritt. Dann ist es Aufgabe der Fasskasperl, über jeden Tanzgeber Informationen zu sammeln, die in die lustigen Verserl getextet und vorgetragen werden. Durchschnittlich werden an jedem Wochenende rund 25 Tänze aufgeführt – und die „Enthüllungen“ in den Verserln der Auftritte sind in den darauf folgenden Tagen Ortsgespräch. Jeder Tanzgeber erhält eine sog. Schäfflerurkunde, die einen sichtbaren Ehrenplatz bekommt.

Die Tanzzeit der Schäffler alle 7 Jahre ist auch dann auf fünf Wochen begrenzt. Viel Disziplin und Engagement gehören daher dazu, diese Tradition zu pflegen und die Auftritte in dieser Zeit zu meistern, die durch das Vergnügen und die Bewunderung von Publikum und Gästen belohnt wird.

Der Eröffnungstanz der Schäffler findet  am Rathaus  in Murnau statt am 

Sonntag, 06.01.2013, Beginn: ab 10:45 Uhr

Preis in € : Eintritt frei

Ort: Rathaus Fußgängerzone/Untermarkt , 82418 Murnau
Veranstalter:
Verein zur Erhaltung des Murnauer Schäfflertanzes e.V
Bayerlacherweg 4
82418 Murnau

Weitere Links:

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4 Antworten zu “„Aber heit is koit“….

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